Gut vier Jahrzehnte alt und rund einen Hektar überspannend - die Überdachungen der einstigen Kontrollstellen gehören neben dem Kommandoturm zu den markantesten Bauten an der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Innerhalb eines Jahres werden die komplizierten Konstruktionen nun saniert, Kostenpunkt: 2,3 Millionen Euro.

Marienborn l Dass die Großüberdachung mit Fördermitteln des Landes und Bundes - jeweils 1,15 Millionen Euro - eine umfangreiche Sanierung erhält, stand bereits seit Anfang des Jahres fest. Nun beginnen die Bauarbeiten, die in vier Abschnitten bis Ende 2015 beendet sein sollen. Das Kultusministerium des Landes teilte dazu in dieser Woche mit: "Damit sollen die 40 Jahre alten und 10000 Quadratmeter großen Überdachungen der ehemaligen Lkw-, Pkw-, Veterinär- und Zollkontrolle der größten Grenzübergangsstelle der DDR erneuert werden. Vorgesehen ist, die Dachflächen denkmalgerecht zu sanieren, um den Bestand des einmaligen historischen Ensembles langfristig sicherzustellen." Die erste Etappe betrifft die Lkw-Kontrolle, sie wurde dieser Tage eingerüstet.

Einschränkungen im laufenden Besucher- und Führungsverkehr werde es durch die Dacharbeiten nicht geben, betont Gedenkstättenleiter Sascha Möbius: "Ganz im Gegenteil, wir werden die Maßnahmen mit ihrem Hintergrund, Zweck und ihrer Umsetzung als interessanten Bestandteil erläuternd in die Besucherführungen integrieren." Für den Tag des offenen Denkmals am 14. September plane man außerdem eine gesonderte Informationsveranstaltung über die historische Bedeutung und Sanierung der Bauten.

Für die Geschichtsforschung erschließe sich mit der Sanierung auch das eine oder andere zuvor unbedachte oder kaum beachtete Feld neu, wie Möbius feststellt: "Durch die Demontage der aufliegenden Komponenten bekommen wir einen umfassenden Blick von oben auf die Konstruktionen, die seinerzeit, das lässt sich ohne weiteres schon sagen, ziemlich teuer waren." Es gebe darüber "leider keine genauen Zahlen", doch müssten Material- und Betriebskosten enorm gewesen sein: "Ein weiterer Ausdruck des von der DDR betriebenen Überwachungsaufwands."

Monika Grütters (CDU), Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, spricht in einer Stellungnahme zur Sanierung daher von einer "herausragenden Aufgabe", sich auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer mit der SED-Diktatur und ihren Folgen auseinanzusetzen: "Wir dürfen das menschenverachtende Grenzregime der DDR und seine Opfer nicht vergessen. Die Gedenkstätte Marienborn leistet dazu einen wesentlichen Beitrag. Dass die notwendige Sanierung der für den Eindruck der Grenzübergangsstelle so charakteristischen Großdächer jetzt realisiert wird, trägt der Bedeutung dieses Geschichtsortes in hohem Maße Rechnung."

Die Arbeiten werden in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt vorgenommen - ebenso wie die noch laufenden Tätigkeiten am Kommandoturm, die noch in diesem Jahr abgeschlossen werden sollen. Darüber hinaus erfährt das unterirdische Tunnelsystems der Grenzanlage eine Sanierung. Insgesamt investieren Bund und Land damit mehr als drei Millionen Euro in die aktuellen Kulturgutprojekte der Gedenkstätte. Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) dazu: "Gedenkstätten wie der in Marienborn kommt eine zentrale Bedeutung bei der Erinnerung an die deutsche Teilung zu. Die nachfolgenden Generationen kennen den Staat, der sich selbst einmauerte, nur noch aus den Geschichtsbüchern. Deshalb müssen wir die Erinnerung an dieses Unrecht an authentischen Gedenkorten wach halten."