Posse um die Sommerschenburger Gruß- und Gedenktafel in der Gneisenaustraße: Weil die Landesverwaltung die überdachten Schilder als temporäre Reklame für das Gemeindekulturjahr 2013 wertet, ist die Genehmigung zur Aufstellung nun erloschen. Die Gemeinde will da- gegen angehen.

Sommerschenburg l Der Ehrenplatz am nordöstlichen Ortseingangsbereich ist seit einigen Tagen wieder leer. Im Vorjahr, dem "Kulturjahr Sommerschenburg", hatte die Gemeinde hier ein mannshohes Balkengestell mit Dach am Straßenrand montieren lassen, das in feingeschnitzten Lettern auf die Ersterwähnung "Sommerschenburg seit 1088" hinwies - ein Kunstwerk, auf das man stolz war und das als kleine Grußbotschaft an exponierter Stelle eigentlich noch viele Lenze überdauern sollte. Nachdem die Genehmigung dafür ein Jahr später aber nun offenbar ausgelaufen ist, wurde der Aufbau entfernt. Die Gemeinde- verantwortlichen überlegen jetzt, auf welchem Weg dieser "absurde Schritt" wieder rückgängig gemacht werden kann.

"Wir sind furchtbar ver- ärgert darüber", macht Kulturausschussvorsitzender Eckehart Beichler keinen Hehl aus seiner Empörung. "Das ist ein Schlag ins Gesicht der Leute, die mit viel Fleiß daran ge- arbeitet haben." Allen voran war das Schnitzkünstler Bernhard Orzel, der die beiden Eichebohlen akribisch bearbeitet und auch das Dachgestell gezimmert hatte.

Doch die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt zeigt sich unbeeindruckt von der Pottburger Kunstfertigkeit. Zum einen habe sich die erteilte Genehmigung auf die Werbung fürs Kulturjahr beschränkt, welches bekanntlich vorbei ist. Zum anderen lenke die Tafel von den Verkehrshinweisschildern direkt daneben ab. Ergo erging die Aufforderung, die Tafel wieder zu entfernen.

Die Gemeinde hat der Order nach einigem Zögern widerwillig nachgegeben, hält das letzte Wort darüber aber noch nicht für gesprochen. Eckehart Beichler "will zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu sehr ins Detail gehen", betont jedoch, dass es "Bestrebungen zur Rücknahme der Entscheidung" gibt. Aktuell sei man sich gemeindeintern noch uneinig über das weitere Vorgehen, zumal auch die konkreten Umstände, die zum Genehmigungsantrag geführt haben, nicht völlig geklärt seien. Denkbar sei der Weg über den Petitionsausschuss des Landes. Das hätten auch die Landtagsabgeordenten so empfohlen, als das Thema beim jüngsten Konsumgespräch "heiß diskutiert" wurde.

"Aus meiner Sicht ist es ein Unding, dass überhaupt eine solche Forderung gestellt wird. Die Tafel war von Beginn an auf Dauer gedacht und hat rein gar nichts mit Reklame zu tun", erklärt Beichler. Die Rechtslage, auf die sich die Behörde beruft und gleichwohl Zweifel an ihrer Gültigkeit weckt, werde "im Land hundertfach durchbrochen".

Angesichts der Problematik erfahren die Einweihungsworte von Bürgermeister Peter Müller eine ironische Wendung. Er hatte im Mai 2013 festgestellt: "Dank der Holzspende und der fleißigen Hände vor Ort war die amtliche Genehmigung, welche uns nur unter bestimmen Auflagen erteilt wurde, noch die größte Herausforderung."

 

Bilder