Hamersleben (ahd) l "Orgel- musik in Klangkontrasten aus sechs Jahrhunderten" - unter diesem Motto stand am Sonnabend ein weiteres Konzert im Rahmen des Hamersleber Orgelsommers in der Stiftskirche St. Pankratius. Zu Gast war der Pinneberger Orgelvirtuose und Kirchenmusikdirektor Wolfgang Zilcher. Der Hausherr, Pfarrer Ludger Kemming, stellte den zahlreichen Besuchern aus nah und fern den Gast vor. "Herr Zilcher ist schon seit drei Tagen hier in Hamersleben und das nicht nur, um zu üben, sondern auch, um sich an der Orgel zu erfreuen", so Ludger Kemming. Wie er weiter berichtete, war Wolfgang Zilcher bereits 2013 in Hamersleben und äußerte damals den Wunsch, hier ein Konzert zu geben. "Da habe ich ihn natürlich gern eingeladen", so Pfarrer Kemming.

Mit einem herzlichen Applaus wurde der Musiker von den Orgelfreunden willkommen geheißen. "Ich freue mich, hier zu sein. Dieser besondere Raum und auch die Orgel sind für mich ein Erlebnis. Dazu wurde ich sehr gastfreundlich aufgenommen und sogar mit original Hamersleber Kartoffelsuppe bewirtet", erzählt Wolfgang Zilcher vor dem Konzert.

Orgelvirtuose ist auch Kulturpreisträger

Während sich der Organist zum Instrument begab, berichtete Pfarrer Kemming den Musikfreunden, dass der 1943 geborene Zilcher aus Würzburg stammt und in Berlin und Freiburg studiert hat. Zilcher war Kantor und Organist in Bremen, bevor es ihn nach Pinne- berg verschlug. Hier wurde er 2005 mit dem Kulturpreis des Kreises Pinneberg ausgezeichnet und ein Jahr später zum Kirchenmusikdirektor ernannt.

Sein Konzert in Hamersleben hat Wolfgang Zilcher in vier Abschnitte eingeteilt. Pfarrer Ludger Kemming gab jeweils eine kurze Einführung zu den Musikstücken. Für die Reise durch die Musikgeschichte hat der Musiker die Stücke so zusammengestellt, dass die Konzentration der Zuhörer durch kontrastreiche Gegenüberstellungen nicht nachlassen sollte. Dies gelang ihm gleich im ersten Abschnitte. Folgten doch hier zwei unterschied- liche Bearbeitungen des "Salve regina" von Arnolt Schlick und Hans Buchner, zwei Komponisten aus dem 15. Jahrhundert und das "Le Baquet céleste" von Olivier Messiaen, einem Komponisten des 20. Jahrhunderts. Es war jedoch nicht nur eine Reise in die Musikgeschichte, sondern auch durch Europa. Im zweiten Abschnitt waren Kompositionen von Claudio Merulo aus Italien, Sergej Rachmaninow aus Russland und Johann Sebastian Bach zu hören.

Moderne Akkorde auch vom Altmeister Bach

Schließlich folgten Stücke aus dem Barock und damit aus einer Zeit, als die deutsche protestantische Musik im Aufschwung war und es zu einer Blüte der Orgelmusik kam. Davon konnten sich die Orgelfreunde in St. Pankratius überzeugen. Wolfgang Zilcher ist ein Virtuose an der Königin der Instrumente, was er mit seiner emotionalen Bearbeitung der Fantasie in c-moll KV 475 von Wolfgang Amadeus Mozart bewies.

Der vierte und letzte Abschnitt war ein echtes Kontrastprogramm. Den klanglich-bildlichen Schilderungen der Musik Messiaens folgte das Praeludium in e-Moll von Bach. "Orgelmusik und gute Rock- oder Jazzmusik liegen gar nicht weit auseinander", war anschließend vom Musiker zu erfahren. "So manch moderner Akkord stammt von Bach." Und während die Besucher den Heimweg antraten, begann ein spontaner fünfter Teil des Konzerts, in dem Wolfgang Zilcher den Beweis seiner These antrat. Dies gelang ihm auf einzigartige Weise mit bekannten Jazz-Titeln von Luis Armstrong.