Eine neue Ära bricht für die Sekundarschule in Eilsleben an, da es in einer Woche wieder zum Unterricht läutet. Im ehemaligen Allertal-Gymnasium soll es dann auch einen Weg hin zum Abitur geben. Das Zauberwort dafür lautet Gemeinschaftsschule. Als solche will sich der Standort Eilsleben profilieren.

Eilsleben l "Neue Ära ist vielleicht zu hoch formuliert", sagt Schulleiterin Christiane Karl, "es geht einfach darum, sich dem Strukturwandel anzupassen." Seit dem Frühjahr 2013 besteht für die staatlichen Bildungsstätten im Land die Möglichkeit, sich als Gemeinschaftsschule einzurichten. Eilsleben macht davon Gebrauch, geht zu diesem Zweck eine Kooperation mit den Berufsbildenden Schulen "Otto von Guericke" Magdeburg mit integriertem Fachgymnasium ein. Unter anderem wird den Schülern dadurch "ein vollwertiges Abitur nach 13 Jahren" ermöglicht. "In der Praxis würde das zum Beispiel so aussehen, dass einem Schüler nach dem erweiterten Realschul- abschluss hier ein garantierter Platz am Fachgymnasium dort zur Verfügung steht. Das war vorher nicht so", erklärt Karl.

Die Suche nach einem passenden Partner hatte sich als schwierig und langwierig erwiesen, doch sie war nötig, weil die Sekundarschule mit ihren rund 230 Schülern das Konzept nicht im Alleingang umsetzen kann. Im Herbst des Vorjahres bezifferte Christiane Karl die Chancen für eine Gemeinschaftsschule am Standort Eilsleben auf "50 zu 50". Da hatte sie von den Gymnasien im Umland "nur vorsichtige Reaktionen" auf das Ansinnen erhalten. "Was zwar verständlich ist", so Karl, "weil die Gymnasien nach wie vor guten Zulauf und stabile Schülerzahlen haben, aber es mangelte dort auch an der Überzeugung, dass wir eben nicht in Konkurrenz zu den Gymnasien treten, sondern vielmehr miteinander und gegenseitig begleitend zusammenarbeiten."

Umso größer die Freude, dass man es in diesem Jahr doch geschafft hat, einen Partner zu finden. "Wir haben mit der Guerickeschule einen Kooperationsvertrag aufgesetzt und vom Schulamt, das uns ohnehin gut unterstützt hat, positive Signale empfangen", gibt sich Karl optimistisch, was die Genehmigung angeht. "Und sobald es zur entsprechenden Beschlussfassung der Schulgesamtkonferenzen kommt, tritt der Vertrag per Unterzeichnung in Kraft. Unabhängig davon werden wir die Partnerschaft schon in diesem Schuljahr mit Leben erfüllen."

Was auch bedeutet, dass altvertraute Wege verlassen und neue Gleise eingefahren werden müssen: "Bei so einer Gemeinschaftsschule bricht man die Stunden auf, verfolgt andere Formen des Unterrichts und der Organisation", weiß Karl um die Herausforderung auch für sie und das Kollegium. Allerdings arbeite man schon länger darauf hin, habe eine Steuergruppe gebildet, die "intensiv am Konzept gefeilt hat" und intern längst Umstellungen und Neuorientierungen eingeleitet: "Wir haben gestritten und geschliffen, aber ich bin stolz, dass wirklich alle Kollegen in diesen Prozess eingebunden sind. Das hat schließlich auch etwas mit Vorbildwirkung zu tun, wir wollen es den Schülern vorleben."

Ein wesentlicher Pluspunkt der Gemeinschaftsschule ist für Karl "die Wahl der späten Wahl", ein Weg für Kinder, die "Talent haben", aber nach Klassenstufe sechs oder acht noch Zeit brauchen. Karl verdeutlicht: "Wer mag, schickt sein Kind nach der Grundschule aufs Gymnasium wie bisher. Doch es gibt viele Kinder, für die die Entscheidung über die Schullaufbahn viel zu früh fällt, besser gesagt gefällt wird, denn es ist schwierig, dies einem Kind abzuverlangen. Die Gemeinschaftsschule bietet die Möglichkeit der späteren und erkenntnisreicheren Wegebnung - ohne Bildungseinbußen befürchten zu müssen oder gar Misserfolge zu erleben."

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