In den Ställen der Agrar- und Milchhof GmbH Stemmern stehen fast 900 Kühe. Drei von ihnen liegen mit ihrer Lebensmilchleistung von mehr als 100000 Liter weit über dem Durchschnitt in Sachsen-Anhalt.

Stemmern l "Ein Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe", sagt Sebastian Arndt, Betriebsleiter bei der Agrar- und Milchhof GmbH Stemmern, und weiß genau, wovon er spricht. Der 31-jährige Stemmeraner ist verantwortlich für fast 900 Milchkühe, die in den Ställen und auf den Weiden des Betriebes stehen. Zusammen mit 16 Mitarbeiterin in der Milchviehwirtschaft kümmert er sich 365 Tage im Jahr um das Wohl der Tiere.

Drei der Kühe sind durch ihre besonders hohe Leistungen bei der Milchabgabe aufgefallen. "Ihre Lebensleistung liegt bereits jetzt über 100000 Liter Milch", sagt Arndt. Und diese besonders fleißigen Kühe haben sogar Namen. Kuh "Donau" hat in ihrem Leben 109000 Liter produziert, "Rosa" 102000 Liter und "Omega" 103000 Liter. Kuh "Donau" hat für ihre Leistungen bei der Nikolaus-Schau in Bismark einen dritten Platz errungen. Die Spitzenkühe sind um die zwölf Jahre alt. Der Trend in der Milchviehwirtschaft gehe zu älteren Kühen, da ihre Aufzucht sehr anspruchvoll und preisintensiv sei. Im Durchschnitt werde eine Kuh zwischen sechs und sieben Jahre alt und gebe im Stemmeraner Betrieb durchschnittlich 33000 Liter Milch, verdeutlicht Arndt. In Sachsen-Anhalt liege der Durchschnitt zwischen 23000 und 24000 Liter Milch. Pro Tag gibt eine Kuh in der Regel um die 30 Liter Milch. Die Leistung kann bis auf 60 Liter täglich steigen. Damit liege der Milchviehbetrieb im Sülzetal an der Spitze der Produktion, bilanziert der Herdenmanager. Ihm liegen alle Kühe seiner Herde am Herzen, nicht nur die drei Spitzenkühe. So spricht der junge Landwirt, der aus einer Züchterfamilie stammt; von einer Kuh, die er auf den Namen "Blondi" getauft hat. "Sie frisst schon mal Schokokekse und gibt Pfötchen", berichtet er.

Wenn eine Kuh Schokokekse frisst, ist das die Ausnahme. Üblicherweise stehen die Tiere auf der Koppel und fressen Gras. Das reicht aber bei Weitem noch nicht aus, um ihren Hunger und Energie- bedarf zu stillen. Die Tiere werden in den Ställen mit einem Silagemix versorgt. Der besteht aus einer Mischung von Rübenschnitzeln, Luzerne, Raps, Schrott und Kraftfutter. "Von dieser Mischung, die wir in einer Maschine herstellen und mit dieser an die Kühe verteilen, nimmt ein Tier täglich etwa 50 Kilogramm zu sich", sagt Arndt. Die Ausgangsstoffe für die Kuhnahrung stelle der Betrieb in Stemmern zum großen Teil selbst her. Etwa 40 der 50 Kilogramm pro Tier und Tag würden aus der eigenen Produktion stammen.

Sebastian Arndt führt die hohe Milchleistung auf den pfleglichen Umgang der Mit- arbeiter mit den Kühen zurück. Die Kühe werden drei Mal am Tag gemolken und bringen in ihrem Leben etwa neun Kälber zu Welt. Nach ihrer Geburt stehen die Kälbchen zunächst drei Wochen lange allein in einem sogenannten Iglu. Das ist ein fester Unterstand, der mit Stroh gepolstert und einem Auflauf versehen ist. Danach stehen die Kälber in den Iglus in kleinen Gruppen zusammen, um nicht allein zu sein und um sich an das Herdenverhalten zu gewöhnen. Sind die Tiere ein halbes Jahr alt, gehen sie auf Exkursion ins Jerichower Land. Auf der Weide einer Züchterfamilie wachsen sie 20 Monate im Freien heran. Dann kehren sie nach Stemmern zurück und beginnen ihr Dasein als Milchkuh. Es dauere etwa zwei Jahre, viel Geduld und Mühe, bis die Jungtiere ihre Milchleistung erreichen.

"Den Tieren geht es gut, sonst könnten sie keine Leistung bringen", verdeutlicht Arndt. Dazu gehöre auch, dass die Kühe regelmäßig von einem Tierarzt untersucht werden. Zum einem, um sie gesund zu erhalten und zum anderen, um sie bei Krankheit schnell zu heilen. Wichtig sei ebenso die regelmäßig Pflege der Klauen. Bei einem Gewicht von etwa 750 Kilogramm hat eine Kuh viel zu tragen. Damit sie ohne Probleme auf der Weide oder zum Melkstand laufen kann, müssen ihre Klauen gepflegt und Beine gesund sein.

Wie Julia Weydringer, Finanz- und Planungsexpertin bei der Agrar- und Milchhof GmbH Stemmern, sagt, bekomme der Betrieb für einen Liter Milch zurzeit einen Preis von 35 Cent. Geliefert werde sie zur Weiterverarbeitung an den Milchhof Stendal. "Mit der S-Klasse erfüllt unsere Milch den höchsten Qualitätsstandart", versichert Julia Weydringer.

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