Oschersleben. l Am Montag ist der Möbelwagen vorgefahren, hat sich das Pfarrerehepaar Annette und Friedrich von Biela auf den Weg zu einer neuen beruflichen Herausforderung in Salzwedel gemacht. Am 1. September haben die Pfarrersleute ihren Dienst in der Mariengemeinde angetreten. Doch zu zuvor wurden sie feierlich von ihrer Gemeinde in Oschersleben, in "ihrer" Nicolai-Kirche im Herzen Oscherslebens verabschiedet.

Neben den Berufskollegen, Superintendent Matthias Porzelle und den Mitgliedern des Gemeindekirchenrates waren viele Menschen an diesem Sonntagnachmittag in die Kirche gekommen. Sie alle wollten den von Bielas, die beinahe auf den Tag genau 14 Jahre in Oschersleben gewirkt haben, "Tschüss" sagen und ihnen noch viele gute Wünsche mit auf den neuen Weg geben. Kirchenchor und Kirchenmusiker bereiteten den von Bielas einen musikalischen Abschied. Natürlich ließ es sich Friedrich von Biela nicht nehmen, noch einmal im Kirchenchor hoch oben auf der Empore mitzusingen.

Zum letzten Mal traten schließlich Annette und Friedrich von Biela gemeinsam vor den Oschersleber Altar, klärten in einem Zwiegespräch, wie die Menschen Gott begegnen, wie sie mit ihm ins "Reine" kommen können. "Auch ich habe nicht alles richtig gemacht, Fehler gemacht, vielleicht Not übersehen, Menschen verletzt. Und doch ist Gott trotz allem für mich da, wie für die Menschen überhaupt."

Auch Annette von Biela zog ihre besondere Bilanz: "Wir haben versucht, Räume zu gestalten, wo die Menschen mit Gott ins Reine kommen können, ihm begegnen können. Ich hätte gern so manchen noch getauft. Doch vielleicht geht die Saat unserer Arbeit auch später auf."

Superintendent Matthias Porzelle griff in seiner Predigt das Gleichnis vom Ausbringen der Saat wieder auf, erst recht, da es in Oschersleben seit mehr als 100 Jahren den Sämann gibt. "Die Saat auszubringen, lohnt sich, lohnt sich auch für Pfarrer, hier zu säen", sagte der Superintendent. Dennoch müsse ein Pfarrer mehr Geduld aufbringen, als ein Bauer, der ebenso die Saat ausbringt. Oft könne der Bauer schon nach Tagen oder Wochen das Ergebnis des Säens sehen. "Ihr erntet nun nicht mehr die Saat, die ihr selbst ausgelegt habt. Manches wird erst passieren, wenn ihr weg seid, doch es passiert im Namen Gottes", so Matthias Porzelle. Er hatte zum Abschied ein besonderes Buch mitgebracht, geschrieben vom ehemaligen Pfarrer Gunther Hirschligau. "`Auf den Flügeln der Morgenröte` - so möge der Weg der neue Weg sein, den Annette und Friedrich von Biela nun in Salzwedel gehen werden."

Nach dem Festgottesdienst hatte sich in der Kirche eine lange Schlange gebildet. Viele Menschen, junge wie alte, wollten dem Pfarrerehepaar noch einmal die Hand schütteln, ihnen alles Gute mit auf den Weg geben.

Viele Gottesdienstbesucher machten sich zudem mit auf den Weg in das Pfarrhaus. Bei Kaffee und Kuchen ließen sie gemeinsam mit dem Pfarrerehepaar die vergangenen Jahre noch einmal Revue passieren und so manche Anekdote und Geschichte machte die Runde. Unter den Gästen waren auch Ulf Nohr vom Feuerwehrverband Börde und Lothar Lindecke, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes. Sie ehrten Annette und Friedrich von Biela für ihr Wirken im Notfallbegleitteam des Landkreises, welches sie mit aufgebaut und schließlich auch geleitet haben. Von Bielas wurden mit der Ehrennadel in Gold des Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes geehrt.

Nachfolger für das scheidende Pfarrerehepaar gibt es indes noch nicht. Im September wird Superintendent Matthias Porzelle Ansprechpartner der Oschersleber Kirchengemeinde sein, für Oktober müsse eine neue Regelung gefunden werden.

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