Wenn der Bürgermeister zur Lachnummer wird, die Kindergärtnerin mit dem Glaser anbandelt, die Schuldirektorin Pirouetten dreht und selbst der Pfarrer mit der Klampfe freche Verse intoniert, dann ist in Ummendorf vermutlich Theaterzeit - und allzu schnell, möchte man meinen, ist sie über die Bühne gegangen.

Ummendorf l Ein umso genussvolleres Geben und Nehmen sind daher beim finalen Stelldichein die zwei Stunden vor dem "letzten Vorhang" zwischen Darstellern und Publikum - so auch beim Schlussakkord für diesen Sommer. "Die letzte Aufführung ist immer die entspannteste, das merkt man dem ganzen Ensemble an", weiß Autor und Regisseur Gunther Hirschligau. "Auch ich habe es mir gegönnt, in den Zuschauerreihen Platz zu nehmen, um das Schauspiel einfach nur zu genießen."

Was Hirschligau ebensowenig schwerfiel wie den mehr als 300 Burghof-Besuchern am Wochenende, denn die rund 40 Akteure waren bestens zu "Hitzefrei im Nieselregen" aufgelegt. Beiden Seiten wurde anfänglich noch etwas Tapferkeit abverlangt, weil die himmlische Wolkenentladung Schlag vier den Beginn torpedierte. "Aber wir haben alle zusammen 25 Minuten ausgeharrt und konnten dann, wie auch am Sonntag, bei schönstem Hofwetter durchspielen", freute sich Hirschligau über die ausgebliebene Entmutigung.

Es wäre auch zu schade gewesen, hätte man beispielsweise auf den "Deutschland sucht den Superstar"-reifen Auftritt des Pfarrers verzichten müssen. Auswendig und inbrünstig stimmte er mit acht Strophen aus dem "Lied vom Dorfschulmeisterlein" auf sein Stück ein, animierte zum Mitsingen und schuf so eine dienliche Ouvertüre. "Ich spiele gern Gitarre und kenne das Lied von kleinauf", erklärt Hirschligau, "ich fand es sehr passend als erheiternden Prolog zur eigentlichen Geschichte."

Die führte noch einmal zurück ins Ummendorf der 1880er Jahre und beleuchtete mit viel Augenmaß zwischen Humor und veritablem Zeitgeist insbesondere das mitunter pädagogisch prekär exerzierte Dorfschulleben. Ein amüsanter Ausflug mit Fingerzeig nicht nur für die Lehrer, die im Publikum anzutreffen waren. Beigemengt war der Handlung um alte Zöpfe und neuen Schwung eine gebührende Portion Kabale und Liebe, freilich mit einem für alle Figuren verdient guten Ende, bei dem auf gleich drei Hochzeiten gleichzeitig getanzt werden durfte. Allem gefundenen Glück voran das Lehrerfräulein Dorothea (Isabelle Falke) und Schmiedesohn Paul (Mike Falke). Und mittendrin so fies-unterhaltsame Unsympathen wie ein patriarchisch lümmelnder Pascha (Sven Theuring) oder ein aufdringlich lechzender Vikar (Sven Uebrig). Es sind gerade diese Rollen und die sie ausfüllenden Personen, die immer wieder neue Lust am Laienspiel unter der Linde wecken.

"Allgemein ist mein Eindruck, dass alle großen Spaß hatten", sagt Gunther Hirschligau und stellt einen nächsten Volksstückstreich - es wäre der 18. fürs Ummendorfer Burghoftheater - schon vage in Aussicht: "Ich habe etwas im Hinterkopf, kann mir dafür die tiefe Mittelalterzeit des 10. Jahrhunderts mit Otto dem Großen als geschichtliche Vorlage gut vorstellen. Das hatten wir noch nicht."

   

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