Der Grenzdenkmalverein Hötensleben zieht ein überaus positives Resümee zu seiner dreiteiligen Veranstaltungsreihe "25 Jahre Grenzöffnung" im niedersächsischen Offleben. Es sei gelungen, das Jubiläum auf ganz verschiedene Weise in den Fokus zahlreicher Besucher zu rücken.

Offleben l Einmal mehr hatte Student Jan-Hendrik Prüße, jüngstes Vorstandsmitglied des Grenzdenkmalvereins Hötensleben, ein gleichermaßen interessantes und abwechslungsreiches Angebot in seiner Heimatgemeinde Offleben initiiert. Der erste Akt der Reihe wartete direkt mit einer neuartigen Geschichtserfahrung auf, indem der "Audiowalk Off- leben" erstmals präsentiert und von vielen Zuhörern begangen wurde.

"Beim Audiowalk handelt es sich um eine Art Hörspiel mit authentischer Kulisse", erklärt Prüße. "Mittels MP3-Player oder Smartphone wird eine Audiodatei aus dem Internet geladen und abgespielt. Ein Erzähler führt schrittweise zu bedeutenden Orten und Stätten im Dorf, hinzu kommen eingesprochene Zeitzeugenberichte, so dass der Audiowalk zu einer lebendigen und anschaulichen Geschichtsreise wird."

Erarbeitet wurde das Projekt an der Technischen Universität Braunschweig von Prüße und drei seiner Kommilitonen. Ihr Professor, Matthias Steinbach, wies bei der Präsentation auf die Besonderheiten des ehemaligen Zonenrandes hin und hob in diesem Zusammenhang "die Wichtigkeit des Erzählens von Geschichten" hervor. Mit dem Handy durch den Ort zu spazieren und währenddessen Originalstimmen von Zeitzeugen an ausgewählten Orten zu hören, um auf diese Weise Eindrücke von der Grenzsituation in Offleben vor 1990 einfangen zu können - dies sei ein "beispielhaftes und vorbildliches Projektergebnis".

Der Audiowalk steht Interessierten weiterhin zur Verfügung, entsprechende Informationen, Anleitungen sowie die Audiodateien sind auf den Webseiten des Grenzdenkmalvereins zu finden.

Teil zwei der Veranstaltungsreihe umfasste die Ausstellung "Stasi Ohn(e) Macht", die in der Georgskirche von Jörg Stoye eröffnet wurde "und ebenfalls gut besucht war", wie Jan-Hendrik Prüße erfreut feststellt. Der Magdeburger Außenstellenleiter der Stasiunterlagenbehörde thematisierte die friedliche Revolution von 1989 und stellte dabei die Rolle der Stasi gegenüber den demonstrierenden Bürgern heraus. Stoye erklärte weiterhin, dass in seiner Behörde auch heute noch derart viele Anträge auf Einsicht in MfS-Unterlagen gestellt würden, dass teilweise Wartezeiten von drei Jahren bestünden. Die Ausstellung ist noch bis Sonntag in der Kirche zu sehen.

Den Schlusspunkt bildete ein Vortrag von Achim Walther aus Hötensleben. Der Vereinsvorsitzende ging dabei auf die besondere Situation zwischen den Nachbarorten Hötens- leben und Offleben ein, beginnend im Jahr 1945. Walther entführte anhand von "Grenzgeschichten" in die Zeit der deutsch-deutschen Teilung, thematisierte den Aufbau der Grenzanlagen und garnierte die sachlichen Betrachtungen mit emotional berührenden Schicksalen, darunter eine Liebesgeschichte zwischen einer Westdeutschen und einem DDR-Grenzer, die sich nach 1989 zum Kaffee trafen.

Informationen zum Audiowalk Offleben auf www.grenzdenkmal.com