Die Senioren von Osterweddingen haben Angst um den Fortbestand der DRK-Begegnungsstätte in der Mittelstraße. Weil Ziegel vom Dach fallen, ist der Eingang von Rusches Hof aus gesperrt.

Osterweddingen l Beim Dämmerschoppen des DRK-Ortsvereins Osterweddingen am Montagabend in der Begegnungsstätte des Deutschen Roten Kreuzes in der Mittelstraße drehte sich alles um die Zukunft dieses Hauses im Ortszentrum. Wenn die bis zu 30 Senioren die Veranstaltungen in der Begegnungsstätte besuchen wollen, dürfen sie den Haupteingang von Rusches Hof aus nicht mehr benutzen. Ein Teil des Fußweges entlang des Hauses ist mit Gittern abgesperrt. Rot-weißes Flatterband warnt zudem davor, dem Gebäude zu nahe zu kommen.

"Seit etwa einem halben Jahr stehen die Bauzäune vor der Begegnungsstätte. Was soll hier passieren?", fragte Margitta Falkenberg, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Osterweddingen, beim Dämmerschoppen in die Runde. Die Senioren würden mit Herzblut an ihrer Begegnungsstätte hängen. Etliche der Räume hätten sie in Eigeninitiative renoviert und dafür gesorgt, dass man sich in ihnen wohlfühlen könne. Singegruppe, Sportgruppe, Kaffeenachmittage, Kartenspielrunde und der monatliche Dämmerschoppen gehören zu den Nutzern beziehungsweise zu den Veranstaltungen in der Begegnungsstätte.

Als prominente Gäste konnten Margitta Falkenberg und die Senioren Sülzetal-Bürgermeister Jörg Methner (SPD), Osterweddingens Ortsbürgermeisterin Birgit Wasserthal (CDU), ihre Stellvertreterin Liane Samland (Kultur- und Heimatverein; Osterweddinger Sportverein) sowie Finanzausschussvorsitzenden Guido Heuer und Sozialausschussvorsitzenden Marco Falkenberg (beide CDU) begrüßen.

Die Kommunalpolitiker versicherten den Senioren übereinstimmend, dass sie sich für den Erhalt des gemeindeeigenen Hauses als Sitz der DRK-Begegnungsstätte und einer Arztpraxis stark machen wollen. "Das Haus muss für Osterweddingen erhalten bleiben. Nicht nur für unsere Senioren, auch für unsere Ärztin", forderte Ortsbürgermeisterin Birgit Wasserthal. Vehement stellte sie sich gegen einen Abriss des Hauses. "Dann verschwindet der Ortskern von Osterweddingen", befürchtete Wasserthal.

Gutachten spricht von hohen Sanierungskosten

Auch Finanzausschussvorsitzender Guido Heuer sei persönlich gegen den Abriss des Hauses in der Mittelstraße. Dass die nötige Sanierung des gesamten Hauses jedoch wie von einem Gutachter errechnet eine halbe Millionen Euro kosten solle, zweifelte er stark an. Auch die geschätzten 70000 Euro, die allein die Reparatur des Daches kosten solle. "Die Gemeinde braucht einen beschlossenen Haushaltsplan, damit wir wieder Herr im eigenen Hause sind", verdeutlichte Heuer. Dann könne sich das Sülzetal aus der Umklammerung der Kommunalaufsicht lösen und auch wieder Fördermittel beantragten, weil die Finanzierung des Eigenanteils möglich sei. Ziel des Gemeinderates sei es, im Herbst nach fünf Jahren ohne Etat wieder einen ausge- glichenen Haushaltsplan für das Sülzetal zu beschließen. "Dann können wir eine Wunschinvestitionsliste aufstellen, die der Gemeinderat zu beschließen hat", sagte Heuer. Für ihn stehe die Sanierung des Daches des Osterweddinger Hauses der DRK-Begegnungsstätte in den "top ten" der wichtigsten Investitionen in der Einheitsgemeinde Sülzetal. "Wir können es aber nicht versprechen, dass es klappt", verdeutlichte Heuer vor den Senioren.

Kein Versprechen abgeben zu können, diese Haltung vertrat auch Bürgermeister Jörg Methner. "Erst müssen die genauen Zahlen auf dem Tisch liegen, dann kann der Gemeinde- rat entscheiden", sagte Methner, der jedoch versicherte, für den Erhalt der DRK-Begegnungsstätte kämpfen zu wollen.

Jörg Methner verdeutlichte aber auch, dass die Gemeindeverwaltung eine Verantwortung für die Sicherheit der Senioren trage. Deshalb habe das Bauamt den Zugang zur DRK-Begegnungsstätte gesperrt, weil sich von Dach immer wieder Ziegel gelöst hätten. "Wenn Gefahr in Verzug ist, müssen wir handeln", sagte Methner. Osterweddingens Ortsbürgermeisterin Birgit Wasserthal verabredete indes mit der Ärztin, die in dem Haus ihre Praxis hat, dass die Senioren ihren Eingang benutzen könnten. Von dort aus sei es möglich, auch in die Räume der Begegnungsstätte zu gelangen.

Wie Margitta Falkenberg, die hauptberuflich als Leiterin der Sozialen Zentrums "Alter Bahnhof" des DRK-Kreisverbandes Wanzleben in der Sarrestadt arbeitet, sagte, sei auch das Rote Kreuz am Erhalt ihrer Begegnungsstätte in Osterweddingen interessiert. Es gebe sogar Pläne von seiten der Geschäftsführung, das alte Osterweddinger Gebäude in der Mittelstraße zu kaufen, abzureißen und dort einen Neubau hinzusetzen. Ähnlich wie das DRK-Zentrum in Eilsleben in der Oberen Aller könne der Neubau Begegnungsstätte, Senioren-Wohngemeinschaften und Arztpraxis enthalten. "Das ist bisher jedoch nur eine Idee des DRK-Kreisverbandes", sagte Margitta Falkenberg.

 

Bilder