Laut Insolvenzverwalter sind die Stadtwerke auf Sanierungskurs. Derzeit suche er nach Investoren, um das Unternehmen wieder auf solide finanzielle Füße stellen zu können. Die Stadt hat derweil bereits die Regie über den Spaßbadbetrieb sowie die sieben Bauhof-Mitarbeiter übernommen.

Wanzleben l Das zuständige Amtsgericht Magdeburg hat das Insolvenzverfahren über die Stadtwerke Wanzleben GmbH eröffnet. Insolvenzverwalter Prof. Lucas F. Flöther führt seither den Geschäftsbetrieb und strebt auch weiterhin eine Investorenlösung an. "Gläubiger, Mitarbeiter und die Stadt unterstützen den eingeschlagenen Sanierungskurs", hieß es gestern auf Volksstimme-Nachfrage.

"Die Versorgung der Bevölkerung ist weiterhin gesichert. Der Geschäftsbetrieb läuft auch im eröffneten Insolvenzverfahren ohne Einschränkung weiter", erklärt Flöther. "Unser Ziel ist es, die Stadtwerke mit Hilfe eines Investors wieder auf solide Füße zu stellen und möglichst alle Arbeitsplätze zu erhalten."

Mit der Insolvenzeröffnung endet auch der Insolvenzgeldzeitraum. "Das bedeutet, dass das Unternehmen die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter wieder selbst erwirtschaften und auszahlen muss. Auch nach der Insolvenzeröffnung sind zunächst keine Entlassungen geplant", sagte der eingesetzte Insolvenzverwalter.

Auch die Stadt stehe weiter zum Unternehmen und unterstütze die Sanierungsschritte: "Die Stadt wird daher ab sofort das Wanzleber Spaßbad und den Bauhof von den Stadtwerken übernehmen und wieder selbst betreiben. Auch die sieben angestellten Bauhof-Mitarbeiter sind wie angekündigt von der Stadt übernommen worden", betonte Flöther (Volksstimme berichtete). Wann und wie die Freibadsaison 2015 im Spaßbad eingeläutet wird, steht allerdings noch zur Diskussion. Hierzu werden die Stadträte tagen müssen. Denn der zwischen Stadt und Stadtwerken bestehende Betreibervertrag für das Freibad wäre auch ohne Insolvenzantrag 2015 regulär ausgelaufen.

Der Jurist will seinen Fokus zur Stadtwerkesanierung in den nächsten Wochen auf die gezielte Investorensuche legen. "Bereits im vorläufigen Insolvenzverfahren haben wir erste Gespräche mit mehreren Interessenten geführt", merkt er an. "Diese Gespräche werden nun intensiviert. Das Interesse zeigt, dass der Betrieb für Investoren attraktiv ist."

Dabei sei nicht nur ein Verkauf der Stadtwerke möglich und denkbar, sondern auch die Beteiligung eines Investors im Rahmen eines Insolvenzplans, also einer Art Vergleich mit den Gläubigern.

Rückblick: Das Unternehmen wurde 1991 als Wärmeversorgungsgesellschaft als reiner Lieferant im Bereich der Fern- und Nahwärme gegründet. 1996 erfolgte die Umwandlung in die Stadtwerke Wanzleben GmbH als hundertprozentige Tochter der Stadt. Zeitgleich wurde der Bauhof übernommen. Seit 1997 betreiben die Stadtwerke auch das Spaßbad. Das Unternehmen verfügt zudem über eine Biogas- und eine Solarthermieanlage.

Der Insolvenzantrag der Stadtwerke war im August aufgrund der eingetretenen Zahlungsunfähigkeit erforderlich geworden. Der Ausfall eines Blockheizkraftwerkes, dessen Reparatur mit Kosten im sechsstelligen Bereich verbunden ist, führte zu niedrigeren Umsätzen und schließlich zu der angespannten Liquiditätssituation. Nach Volksstimme-Recherchen soll sich die Höhe der Verbindlichkeiten auf rund 750000 Euro belaufen.

Bezüglich der Volksstimme-Frage, ob die Staatsanwaltschaft zur Stadtwerke-Insolvenz Ermittlungen aufgenommen hätte, erklärte der Jurist gestern, dass ihm dazu nichts bekannt sei.