Der Stadtrat hat auf seiner Oktobersitzung eine neue Friedhofsgebührensatzung für Oschersleben und seine Ortsteile beschlossen. Damit folgte er einer Beschlussvorlage der Stadtverwaltung. Demnach steigen die Nutzungsgebühren für neun Bestattungsarten um durchschnittlich 18,6 Prozent. Nicht mit eingerechnet ist die Nutzung eines neuen Urnengrabfeldes, die ab November möglich ist.

Oschersleben l "Mit der neuen Gebührenfestlegung kommen wir dem Gesetzgeber nach", erklärt Baubetriebsamtsleiter von Oschersleben, Steffen Czerwienski. Laut dem Kommunalabgabengesetz des Landes soll die Kalkulation von Benutzungsgebühren einen Zeitraum von drei Jahren nicht überschreiten. "Damit waren die Gebühren, die bereits im November 2010 festgelegt wurden, nun neu zu kalkulieren. Das Fachamt für Finanzen hat die neuen Sätze berechnet", erklärt Czerwienski weiter und betont: "Durch die neu festgelegten Preise liegt der Kostendeckungsgrad bei 100 Prozent." Es sollen künftig also weder Verluste noch Gewinne eingefahren werden.

Gräber werden um 18,6 Prozent teurer

Demnach müssen künftig beispielsweise für eine Erdreihengrabstelle 1300 Euro berappt werden, also 202 Euro mehr als bisher. Eine Doppelgrabstelle kostet mit 2525 Euro dann fast 500 Euro mehr als zuvor. Auch eine Beerdigung in der Urnenreihengrabstelle, die preiswerteste Art der Bestattung auf den Friedhöfen in Oschersleben und seinen Ortsteilen, kostet nunmehr 905 statt bisher 727 Euro. Für einen Platz in der Gemeinschaftsanlage für Urnenwahlgrabstätten muss dagegen nur ein Euro mehr bezahlt werden als bisher. Damit haben sich die neun bisher angebotenen Bestattungsarten durchschnittlich um jeweils 18,6 Prozent verteuert.

Ein Blick in eine von der Stadtverwaltung erstellte Tabelle, die die aktuellen Kosten einzelner Positionen mit denen aus dem Jahr 2010 vergleicht, verrät, warum alles teurer wird. Aufgrund von Tarifbestimmungen müsse Oschersleben über 7000 Euro mehr an Personalkosten ausgeben sowie fast 6000 Euro für Abschreibungen an Gebäuden und Anlagen. 3400 Euro kommen an Unterhaltungskosten für Grundstücke zusammen, rund 2000 Euro für die Öl- und Gasversorgung. 51000 Euro verschlingen sogenannte "innere Verrechnungen Bauhof". "Gemeint ist der Arbeitsanteil der Gemeindearbeiter auf den Friedhöfen der Ortsteile inklusive der genutzten Technik wie Fahrzeuge", erklärt Astrid Ertmer, beim Baubetriebsamt verantwortlich für Friedhöfe. Diese Quote könne neuerdings stundengenau durch ein Computerprogramm errechnet werden.

Doch noch weitere Ausgaben gesellen sich zu den Betriebskosten und sorgen damit für eine Steigerung der Nutzungsgebühren. So seien die Energiekosten um 800 Euro gestiegen, Dienstleistungen durch Dritte um 1300 Euro. Auch Wartungen sowie Post- und Telefonkosten würden zu Buche schlagen.

Neues Urnenbegräbnis als Alternative

Für die Unterhaltung unbewirtschafteten Vermögens, die Gehölzpflege, Fahrzeuge, Wasser und Abwasser konnten dagegen rund 7500 Euro eingespart werden. Laut Astrid Ertmer soll künftig für diejenigen städtischen Mitarbeiter, die den Friedhof verwalten, ebenfalls weniger Geld ausgegeben werden. So ist der Posten "innere Verrechnung Friedhofsverwaltung" mit jährlichen Kosten in Höhe von 62900 Euro aufgelistet, also 20700 Euro weniger als bisher. Außerdem bekommt Oschersleben seit zwei Jahren vom Land die sogenannte Ruherechtsentschädigung. "Die steht uns für die Pflege der Kriegsgräber zu", erklärt die Amtsmitarbeiterin dazu. Damit will Sachsen-Anhalt die Erhaltung von Gräbern der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft fördern.

Ganz neu taucht in der Gebührensatzung ein weiteres Grabfeld auf. "Die `Urnengemeinschaftsanlage mit Namenskennzeichnung` ist ganz ähnlich wie die anonyme Urnenreihengrabstelle auf der `grünen Wiese`", erklärt Amtschef Steffen Czerwienski und ergänzt: "Nur eben nicht anonym. Hier besteht die Möglichkeit, die Namen der Verstorbenen auf einer zentral aufgestellten Stele zu verewigen." In zwei kreisförmigen Feldern, in deren Mitte die Stele bereits aufgestellt ist, werden insgesamt 128 Urnen Platz finden. "Die Bestattungskultur von Beerdigungen mit Sarg hat sich in den vergangenen Jahren hin zu Urnenbestattungen geändert. Diesem `Trend` wollen wir damit gerecht werden", sagt Czerwienski dazu. Damit würde nun eine Alternative zur Urnenwahlgrabstelle für 1210 Euro und der anonymen Urnenreihengrabstelle für 965 Euro geboten. Die neue Art der Bestattung liege im Mittel und könne für 1115 Euro in Anspruch genommen werden.

Gebühren gelten ab 8. November

Noch ist die neue Anlage nicht ganz fertig. Die Arbeiten an Stele, Weg und Randbefestigungen sind von einem externen Steinmetzbetrieb beendet worden. Auch Stauden wurden schon gepflanzt. Nun fehlen nur noch zwei Bänke. Die Kosten für den Bau des neuen Grabfeldes belaufen sich auf rund 19000 Euro. "Bis zur Veröffentlichung der neuen Gebührensatzung im Amtsblatt am 7. November wird alles fertig sein", versichert Astrid Ertmer. Somit gelte die neue Verordnung ab dem 8. November.

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