Im Zentrum für Innere Medizin in der Börde- klinik in Neindorf können nun auch Schlaganfall- patienten sofort behandelt werden. Möglich macht dies die kürzlich eingeführte Telemedizin. Bei der Vorstellung zog Zentrumsleiter Steffen Rickes zudem eine positive Bilanz der Anfang des Jahres neu gegründeten Spezialabteilung.

Neindorf l "Die Erweiterung der Schlaganfallversorgung mit der Einführung der Telemedizin ist ein Gewinn für den ganzen Bördekreis", sagt Steffen Rickes über die vor gut einer Woche installierte Technik. "Denn Zeit ist Gehirn", betont der Leiter der interdisziplinären Spezialabteilung, die erst im Januar dieses Jahres geschaffen worden war.

"Wir reden hier gerade über viel Technik, aber entscheidend ist die Mannschaft."

Zentrumsleiter Steffen Rickes

Eine äußerst schnelle Entscheidung könne über weitere Auswirkungen eines Schlaganfalls entscheiden. So sei eine wirksame Behandlung die sogenannte Lysetherapie, bei der Blutgerinsel im Gehirn aufgelöst werden. Sie sei hochwirksam - vorausgesetzt, sie erfolge nach den ersten Stunden nach Auftreten der Symptome. "Die Therapie kann bei uns vorgenommen werden, jedoch nur mit hochspezialisterten Schlaganfall-Ärzten. Doch die sitzen im Magdeburger Uni-Klinikum", erklärt der Chefarzt weiter. Um einen langwierigen Transport in die Landeshauptstadt zu vermeiden, kann ab sofort die Telemedizin eingesetzt werden. Per Datenleitung ist Neindorf nun an die hochspezialisierte Schlaganfallstation des Uni-Klinikums Magdeburg angedockt. Kontakt halten die Mediziner über eine hochauflösende Kamera sowie einen Monitor. "Nun ist es möglich, dass das die Spezialisten in Magdeburg Patienten in Neindorf untersuchen und gegebenenfalls den Startschuss für die komplizierte Lysetherapie geben können", erklärt Rickes weiter. Für diesen Meilenstein sei in den vergangenen Wochen die Voraussetzung, nämlich eine extra große und sichere Datenleitung, geschaffen worden.

"Wir reden hier gerade über viel Technik, aber entscheidend ist die Mannschaft", betont der Chefarzt und spricht damit sein 15-köpfiges Team an, das seit dem ersten Quartal im Zentrum für Innere Medizin seine Arbeit aufnahm. Die Mitglieder seien miteinander vertraut, jeder wisse, wie der andere tickt. "Wenn Arbeit Spaß macht, dann kann auch viel erreicht werden", hakt Oberarzt Sven Kolfenbach ein. Was hier in noch nicht einmal einem Jahr geschaffen worden ist, könne sich sehen lassen.

So seien im Vergleich zum Vorjahr 1000 und damit 50 Prozent mehr Patienten der Inneren Medizin behandelt worden. Ein viel breiteres Leistungsspektrum könne nun vorgehalten werden. Fachübergreifend würden vor allem ältere Menschen mit Immobilität oder Schmerzen behandelt. "Unser Ziel ist es, dass diese Patienten nicht in ein Pflegeheim müssen, sondern ihr Leben eigenständig bewerkstelligen können", beschreibt Rickes.

Die Gastroenterologie, also die Fachabteilung für Magen- und Darmerkrankungen, könne sogar den größten Patientenzuwachs des gesamten Klinikums verzeichnen. Seit März behandeln neu eingestellte Spezialisten Betroffene sogar aus Magdeburg und Hannover, darunter auch Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Technisch sei die Abteilung mit modernstem Ultraschall- sowie Magen- und Darmspiegelgerät aufgerüstet worden. Im kommenden Jahr soll ein endoskopischer Ultraschall folgen.

Auch die Diabetologie habe sich entwickelt. Zwei Spezialisten arbeiten hier. Mittlerweile sei die Sparte auch von den Krankenkassen akkreditiert worden und das gleich innerhalb des ersten halben Jahres ihres Bestehens. In der Palliativmedizin, also der Schmerztherapie, haben sich laut Rickes die Patientenzahlen verdoppelt.

"Die Menschen hier in der Börde gehen viel zu spät zum Arzt oder in die Notaufnahme, obwohl es schon viel früher notwendig gewesen wäre."

Neu sei auch die sogenannte Tumorkonferenz. "Hier arbeiten viele Abteilungen interdisziplinär zusammen. Alle Befunde eines Patienten werden also fachübergreifend angeschaut, um gemeinsam Behandlungsstrategien festzulegen", erklärt der Zentrumsleiter, der gleich weitere Ziele für das kommende Jahr umreißt: nämlich den Bau des neuen Bettenhauses sowie die notwendige Erweiterung der Notaufnahme.

Doch letztendlich seien beste Technik und hochausgebildete Mitarbeiter nur zwei Säulen einer erfolgreichen Therapie. "Die Menschen hier in der Börde sind nämlich ein ganz eigener Menschenschlag. Sie gehen leider viel zu spät zum Arzt oder in die Notaufnahme, obwohl es schon viel früher notwendig gewesen wäre", betont Steffen Rickes. Das betreffe vor allem Patienten mit Blutvergiftungen, Lungenentzündungen sowie Herz- und Schlaganfällen. Daher wirbt der Arzt, Leiden nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern schnellstmöglich behandeln zu lassen.