Die Gefahr, dass die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt im Sülzetal HEX-Haltestellen schließen könnte, hat in der Bevölkerung zu Protesten geführt. Heike Hempel und Britta Trolldenier haben jetzt offen gegen die Schließung protestiert.

Sülzetal l Wie die Langenweddingerinnen Heike Hempel und Britta Trolldenier in einem offenen Brief schrieben, haben sie mit Entsetzen erfahren, "dass man aufgrund von Sparmaßnahmen die Schließung der Bahnhaltepunkte in Langenweddingen, Dodendorf und Beyendorf/Sohlen in Erwägung zieht". Die beiden Frauen haben ihren Brief unter der Überschrift "HEX-Haltestellen droht das Aus" an die Landtagsabgeordneten Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Kay Barthel (CDU), Sülzetal-Bürgermeister Jörg Methner (SPD), Langenweddingens Ortsbürgermeisterin Jutta Spurek (Linke) sowie die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) und die Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt GmbH, die den HarzElbeExpress (HEX) betreibt, adressiert.

Mit dem Doppelhaushalt 2015/2016 sollen nach Informationen des Magdeburger Landtagsabgeordneten Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen) den Plänen der Landesregierung nach dem Schienenpersonennahverkehr erhebliche Mittel entzogen werden (Volksstimme berichtete). Aus der Kürzung der Mittel würden Streckenstilllegungen, Taktausdünnungen und die Schließung von Haltestellen resultieren. Nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen sei die Schließung der Haltepunkte Beyendorf, Dodendorf und Langenweddingen geplant.

Wie Britta Trolldenier und Heike Hempel als oftmalige Nutzerinnen des öffentlichen Personennahverkehrs mit Bussen und Bahnen weiter schrieben, liege ihnen besonders der Erhalt des Haltepunktes Langenweddingen am Herzen. "Gerade unser Heimatort Langenweddingen ist unserer Meinung nach auf eine funktionierende Bahnverbindung angewiesen, da die Busverbindung wochentags für Berufstätige nicht ausreichend gewährleistet ist (Linie 161 nach Magdeburg letzter Bus 16.02 Uhr und ab Magdeburg nach Langenweddingen letzter Bus 16.40 Uhr). Am Wochenende findet nahezu kein Busverkehr statt", brachten sie zum Ausdruck.

"Nicht zu unterschätzen sind die Kosten, die entstehen, um ausfallenden Zugverkehr durch Busse zu ersetzen"

Insbesondere in den Abendstunden und an den Wochenenden seien Berufspendler und Einwohner, die aus den unterschiedlichen Gründen nicht mit dem Auto fahren, auf eine funktionierende Bahnverbindung angewiesen. So sei es schwierig, fast unmöglich, auch in Richtung Halberstadt und in den Harz zu gelangen. "Hierbei denken wir auch an Schulklassen, die Wandertage und Klassenfahrten durchführen möchten. Bei allem Verständnis für Sparmaßnahmen können wir uns nicht vorstellen, dass sich deutliches Einsparpotential ergibt, indem man einzelne Haltepunkte auf der Strecke nicht mehr bedient", befürchteten die Langenweddingerinnen in ihrem Protestschreiben.

Wie Heike Hempel und Britta Trolldenier weiter darstellten, seien die Bahnsteige vorhanden, ebenso die Gleisanlagen, die Signale und Schranken, die so oder so funktionstüchtig gehalten und gewartet werden müssten. Eine Möglichkeit, die Dörfer weiterhin regelmäßig zu versorgen, sei ihrer Ansicht nach die Einrichtung von Bedarfshaltestellen. "Als Beispiel können wir hier die Bahnstrecke von Bad Doberan nach Wismar in Mecklenburg-Vorpommern nennen, wo ein solches Modell praktiziert wird und einwandfrei funktioniert. Während der Bahnfahrt werden die Fahrgäste jeweils durch Ansage auf den nächsten Haltepunkt hingewiesen und gebeten, ihren Haltewunsch durch Knopfdruck zu äußern", beschrieben sie das Modell aus dem Norden. Entsprechend ausgerüstet seien die Züge des HEX bereits. So könnten alle Züge, die die Strecke Magdeburg-Halberstadt befahren, in allen Orten bei Bedarf halten. Die Anzahl der insgesamt verkehrenden Züge könnte dann reduziert werden, da nicht mehr fast gleichzeitig ein "schneller" und ein "normaler" HEX fahren müssten. Jeder Fahrgast auf der Strecke würde so sein Ziel erreichen. Dies sei sogar eine wesentliche Verbesserung für viele Fahrgäste. Die minimal längere Fahrzeit für die jetzigen Bahnkunden des "schnellen" HEX belaufe sich laut Fahrplan bis Oschersleben auf lediglich zehn Minuten.

"Nicht zu unterschätzen sind unserer Meinung nach die Kosten, die entstehen würden, den ausfallenden Zugverkehr für die betroffenen Orte durch ausreichenden Busverkehr, auch an den Wochenenden, zu ersetzen. Ein Rufbus kann, insbesondere für Berufspendler und Schichtarbeiter, die auch an den Wochenenden arbeiten müssen, nicht die Lösung sein", schrieben Britta Trolldenier und Heike Hempel.

"Wir hoffen und wünschen uns, dass Sie sich des Problems annehmen und für die Erhaltung aller Haltepunkte einsetzen und denken, unser Vorschlag könnte mit relativ wenig Kosten und Aufwand eine akzeptable Lösung sein", beendeten die beiden Frauen aus Langenweddingen ihren Brief.