Die Oschersleber Kinderärztin Dr. Sabine Gummert gehörte einst in Oschersleben zu den Aktivisten der Wendezeit. Sie hat die Montagsdemos begleitet, saß mit am Runden Tisch. Viele Erinnerungen aus den Tagen des Herbstes 1989 sind für sie präsent, als wäre es gestern gewesen. In einem Bild hat sie nun die Erinnerungen an die einstige Grenze verarbeitet.

Oschersleben l An die Tage des Herbstes 1989 erinnert sich Dr. Sabine Gummert, als wäre es gestern. Die Oschersleber Kinderärztin hat sich in jener Zeit als Bürgerrechtlerin engagiert, hat viel Mut in einer ungewissen Zeit bewiesen, aber sie weiß noch heute um ihre Angst. "Für mich war diese Zeit eine sehr aufregende und wichtige Lebensphase. Ideale meiner christlichen Erziehung und Lebenseinstellung sah ich mit dem Umsturz verwirklicht", sagte die heute 72-Jährige vor einigen Jahren. Sie erinnert sich wohl deshalb so intensiv an den Herbst 1989 und die Jahre danach, weil es eine sehr spannende Zeit war und weil sie den Umbruch in Oschersleben aktiv mitgestaltet hat.

Sabine Gummert erinnert sich an die Friedensgebete im Magdeburger Dom, spricht von den ersten Aktionen in Oschersleben noch immer mit sehr vielen Emotionen. Sie hat am ersten Rundtisch-Gespräch am 13. Dezember 1989 teilgenommen, hat die Partei des Demokratischen Aufbruchs mitgegründet.

Aber zu ihren Lebenserinnerungen, die gerade jetzt wieder "hochkochen", gehört eben auch die Zeit der Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten. Und von dieser Grenze mit den Mauern und den Stacheldrahtzäunen war sie als Kreisjugendärztin unmittelbar betroffen.

Vermächtnis für Kinder und Enkelkinder

"Um meine Aufgaben im ganzen Kreisgebiet von Oschersleben wahrnehmen zu können, besaß ich zwei Passierscheine und einen Sonderschein für das Grenzobjekt in Marienborn. Ich habe die Grenze dienstlich befahren, alle Kindergärten und Schulen besucht, die Kinder geimpft. Dabei sind mir die Schlagbäume noch immer in schlechter Erinnerung. Die Grenze war furchtbar für mich", erinnert sich die Ärztin. Und genau diese furchtbaren Erinnerungen hat Dr. Sabine Gummert auf Papier gebracht. In diesen Tagen, in denen sich die Maueröffnung zum 25. Mal jährt, präsentiert Dr. Sabine Gummert ein Bild, das genau an die Zeit der innerdeutschen Grenze erinnern soll. Es zeigt die Grenze bei Hötensleben. "Ich sehe das Bild als Vermächtnis und es soll meine Kinder und Enkelkinder, alle Kinder und nachkommende Generationen überhaupt, an eine schwere Zeit erinnern. Und ich möchte damit Danke sagen. Danke dafür, dass ich diese Freiheit erleben kann", fasst Sabine Gummert ihre Beweggründe zusammen, gerade jetzt, nach 25 Jahren, ihre Erinnerungen festzuhalten.

Die Kinderärztin, die noch immer in Oschersleben praktiziert, hat schon vor vielen Jahren mit dem Malen begonnen. Waren es zunächst Aquarelle, hat sie dank einer guten Lehrerin auch das Malen in Öl gelernt. Im kommenden Jahr möchte sich wieder eine Ausstellung gestalten. Dann könne auch ihr Grenzbild in Augenschein genommen werden. Ihre kleinen Patienten hingegen profitieren schon heute von ihren Kunstwerken. Für das Wartezimmer hat sie viele Kinderbilder gemalt.

 

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