Osterweddingen l Ein Storch hat am Montag die Aufmerksamkeit in Osterweddingen auf sich gezogen. Der Vogel war von Passanten im Gewerbegebiet zwischen Nice-Pak und Aldi-Markt gesichtet worden. Seelenruhig spazierte der Vogel vor dem Supermarkt in der Nähe der abgestellten Einkaufswagen auf und ab.

Wie Fred Fedder, Leiter des Ordnungsamtes der Einheitsgemeinde Sülzetal, am Dienstag sagte, sei die Naturschutzbehörde des Landkreises Börde über den Storch informiert worden. "Da es sich um ein Wildtier handelt, ist diese Behörde zuständig", sagte Fedder. Die Kreisbehörde riet dazu nicht einzugreifen, da der Storch nicht verletzt oder gefährdet sei.

Heiko Peiser, Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes der Einheitsgemeinde Sülzetal, hatte am Montag das Tier in Osterweddingen unter die Lupe genommen. "Der Storch machte einen gesunden Eindruck und hat auf dem Parkplatz vermutlich nach Futter gesucht", sagte er am Dienstag. Vermutlich sei das Tier bereits von Menschen gefüttert worden, so dass der Storch relativ zutraulich gewesen sei. Jedoch habe er Menschen nur auf einen Abstand von ein bis zwei Meter an sich heran gelassen und sei dann fortgelaufen. "Der Storch hat sich nicht einfangen lassen", sagte Peiser.

Über den Vorfall informierte dann Heiko Peiser die Experten der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Börde. Wie ihm dort Auskunft gegeben wurden, sei es nicht selten, dass einzelne Störche nicht mit ihren Artgenossen zum Überwintern in den Süden ziehen würden. Diese Störche würden dann hier überwintern. "Die Experten nennen diese Störche auch Winterstörche", verdeutlichte Peiser die Auskunft der Naturschutzbehörde.

Nach Volksstimme-Informationen hat eine Frau den Storch am Montagnachmittag in Osterweddingen eingefangen, in dem sie eine Decke über das Tier geworfen habe. Sie hat den Storch dann in ihrem Auto nach Magdeburg gefahren. Dort nahm ihn Dr. Michael Kaatz von der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg im Jerichower Land in Empfang. Der Storch sitzt mittlerweile wohlbehalten in einer Voliere der Vogelschutzwarte und wird von den Tierpflegern mit Fisch und Mäusen gefüttert.

"Gefressen hat der Storch bislang noch nichts, das ist aber normal", sagte Kaatz, der Geschäftsführer der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg ist. Er gehe davon aus, dass jedes Jahr fünf bis zehn Störche in Sachsen-Anhalt überwintern würden. Der in Osterweddingen gefangene Storch müsse nach Meinung des Loburger Experten bereits Kontakt mit Menschen gehabt haben, da das Tier sehr zutraulich sei und ein normales Gewicht habe. Der Storch aus Osterweddingen habe einen Ring getragen und müsse deshalb irgendwo registriert sein.

Wie Kaatz am Dienstag zur Volksstimme sagte, sei die Nummer des Rings jetzt bekannt. "Ich muss mich jetzt mit der Vogelwarte auf Hiddensee in Verbindung setzen, um mehr über den Storch herauszubekommen", sagte Kaatz. In der Vogelwarte auf der Ostsee befindet sich eine Beringungszentrale.

Wie der Experte sagte, werde das Tier in Loburg jetzt aufgepäppelt, wobei es in einem guten gesundheitlichen Zustand sei. Der Storch aus Osterweddingen werde in Loburg überwintern und dann Ende März, Anfang April ausgewildert werden. "Wenn er denn flugfähig ist, wovon ich allerdings ausgehe", sagte Kaatz.