Gut 100 Jahre nach den ersten Ausgrabungen ist auf einem Feld zwischen Oschersleben und Hornhausen wieder ein Team von Archäologen angerückt. Die Forscher des Landesamtes für Denkmalpflege Halle wollen nicht nur Näheres über den berühmten Reiterstein herausfinden, sondern auch über das Umfeld seines Fundortes.

Hornhausen l Den Anfang der Grabungen macht ein Bagger eines örtlichen Bauunternehmens. Dessen Führer gräbt mit seinem Gerät ein etwa sechs mal sechs Meter großes Loch. Es ist rund 60 Zentimeter tief. Anschließend beginnen die Archäologen mit ihrer Arbeit, ebnen das Areal sozusagen ein. Fingerspitzengefühl ist dabei gefragt. Denn schon bald zeigen sich eindeutige Spuren von Gräbern. Sie zeichnen sich in Form von dunklen Rechtecken von dem helleren Boden ab.

Dann nehmen sich die Forscher eines der ersten Gräber vor. Mit kleinen Schippen und Werkzeugen, die an Maurerkellen erinnern, stoßen sie auf die ersten Knochen sowie einen Schädel. "Diese sind für den Laien nicht gleich als Gebeine zu erkennen. Aufgrund der Hanglage hat es hier über die Jahrhunderte hinweg Erosion und Verschiebungen im Erdreich gegeben", erklärt Olaf Schröder, Grabungsleiter vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle.

Gemeinsam mit seinen Kollegen ist er der genauen Herkunft des berühmten Reitersteins auf der Spur, jenem bedeutenden Fundstück, das heute unter anderem das Wappen des Landkreises Börde ziert. Entdeckt haben das Artefakt die zwei Bauern Friedrich und Christoph Dietrich im Jahre 1874. Doch erst Jahrzehnte später, nämlich 1912, hatte die Fachwelt von dem Fund erfahren. Er diente als Fußbodenplatte im Eingangsbereich eines Kuhstalls. Kurz darauf hatte das damalige Museum in Halle mit ersten Ausgrabungen begonnen. "Damals wurde eine kleine Fläche geöffnet, in der mehr als 50 Gräber gefunden worden sind", erzählt Olaf Schröder.

Doch diese Grabungen seien heute nur schwer nachzuvollziehen, die Dokumentation sei damals nicht so detailliert erfolgt wie heute üblich. Zudem seien viele Funde der ersten Grabungskampagnen bis heute spurlos verschwunden. "In der Fachwelt wird viel diskutiert. Es gibt einen Disput darum, in welches geschichtliches Umfeld der Reiterstein überhaupt eingeordnet werden kann", erklärt der Archäologe. Nun erhoffen sich er und seine Kollegen, durch die aktuellen Grabungene Licht ins Dunkel zu bringen.

So hätten sie sich der Fundstelle zuvor mit modernsten Methoden genähert. Mittels geophysikalischen Untersuchungen seien Erdströme gemessen und somit einstige Vertiefungen in der Erde aufgespürt worden. "Neueste Messungen weisen darauf hin, dass es hier einen großen Friedhof gab, der, wie der Reiterstein auch, wohl aus der Zeit der Völkerwanderung stammt", zeigt sich Olaf Schröder begeistert. Er meint damit die Epoche um das Jahr 700, als der Frankenkönig Karl der Große die Gebiete östlich des Rheins christianisierte und die Kriege gegen die Sachsenstämme führte. "Unter diesem Aspekt dürften die Ausgrabungen sehr spannend werden, wenngleich wir nicht auf Goldbecher stoßen werden", betont Schröder.

Um endgültige Erkenntnisse über den Reiterstein, die Zeit seiner Entstehung und die Einrodung des gesamten Areals zu gewinnen, sei nun dieser kleine Ausschnitt von etwa sechs mal sechs Metern gewählt worden. Schon der erste Grabungstag endete für die Forscher mit einer kleinen Überraschung. "Denn statt der 16 vermuteten Gräber sind wir auf mehr als 20 gestoßen. Sie sind für die damalige Zeit ganz typisch in Ost-West-Richtung angelegt. Wir haben sowohl Kinder- als auch Erwachsenengräber gefunden", beschreibt der Forscher. Mit Schätzen beispielsweise aus Grabbeigaben rechnen die Historiker übrigens nicht, denn die waren im Christentum eigentlich nicht mehr erlaubt.

Das Grabungsprojekt soll 14 Tage andauern und wird aus Forschungsgeldern bezahlt. Erste Ergebnisse sollen mit dem Ende des Grabungsprojektes präsentiert werden.

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