Wanzleben l Die Räte müssen sich erneut die Frage stellen, ob die Stadt Gesellschafter der Wanzleber Stadtwerke GmbH bleiben oder als solches aussteigen soll. Und das bis spätestens zum 15. Januar. Auf jene Nachfrist hatten sich gestern vor dem Magdeburger Amtsgericht die Gläubiger in Absprache mit dem Insolvenzverwalter verständigt. Bereits Ende Oktober hatten sich die Stadträte per Beschluss mehrheitlich für einen Rückzug als hundertprozentiger Gesellschafter der Wanzleber Stadtwerke ausgesprochen.

Die Gläubiger forderten gestern ein zweites und damit endgültiges Rats-Votum.

Die Stadtratsentscheidung wird damit buchstäblich zum Zündlein an der Waage. Den Plan darüber, welches Sanierungskonzept für die insolventen Wanzleber Stadtwerke favorisiert wird und mit welchen Investoren die Verhandlungen fortgesetzt werden, wird der Insolvenzverwalter erst nach dem Stadtratsvotum treffen.

Favorisieren die Kommunalpolitiker erneut die Ausstiegsvariante aus dem Tochterunternehmen und haken das Ganze ab, "wird das Unternehmen an einen Investoren verkauft", erklärt Insolvenzverwalter Prof. Lucas Flöther gestern auf Volksstimme-Nachfrage. Im Rahmen des Bieterverfahrens seien ihm bereits konkrete Kaufangebote von namenhaften Unternehmen, die sich bestens in der Energiebranche auskennen, vorgelegt worden, "und die auch über das nötige Kapital verfügen", merkt er an.

"Wechselt der Stadtrat bis Mitte Januar seine Meinung, und signalisiert, dass er weiterhin als Mit-Gesellschafter an Bord bleiben will, wäre als Lösung auch die Beteiligung eines Investors im Rahmen eines Insolvenzplans möglich", erklärt Insolvenzverwalter Prof. Lucas Flöther die zweite Lösungsvariante, um das Unternehmen auf solide Füße stellen zu können. Beim Mit-Gesellschafter-Fall würden sich die Gläubiger erneut vor Gericht treffen, "um zu entscheiden, welcher starke Partner aus dem Interessenten-pool mit ins Boot geholt werden soll."

Dass er den Betrieb und damit die Geschäfte der Stadtwerke weiterhin aufrecht erhalten und weiterführen soll, darüber seien sich vor Gericht gestern alle anwesenden Gläubiger einig gewesen, merkt der Rechtsanwalt an. Er wartet nun die Entscheidung des Stadtrates ab.

Derzeit sind bei den Stadtwerken acht Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen versorgt Dreiviertel des Wanzleber Stadtgebietes mit der Fernwärme. Dazu zählen auch alle kommunalen Einrichtungen wie die Schule, Kindertagesstätte, das Rathaus und die Feuerwehr.

Darüber, dass sich der Rat im Oktober für den Verkauf hinter verschlossenen Türen ausgesprochen hat, wird Kritik in der Bevölkerung laut. "Der Bürger und Steuerzahler, der am Ende die Zeche zahlt, wird weder beteiligt, noch gefragt, geschweige denn darf er zuhören", ärgert sich Leserin Nancy Szameitpreuß. "Die Stadtwerke haben als Energielieferant wie fast überall eine Lizenz zum Gelddrucken. Allein die Zahl der Kaufinteressenten beweist das. Die Stadt darf ihre Beteiligung an den Stadtwerken nicht aufgeben. Das wäre schlichtweg dumm", meint die Domersleberin.