Vor den Toren Hornhausens fanden dort, wo vor mehr als 100 Jahren der berühmte Reiterstein entdeckt wurde, archäologische Grabungen statt. Dabei stießen die Archäologen auf ein großes Gräberfeld mit mehreren hundert Bestattungen. Dabei handele es sich um eines der größten Bestattungsfelder Mitteldeutschlands.

Hornhausen l In diesen Tagen geht vor den Toren Hornhausens ein Grabungsprojekt zu Ende. Ortsbürgermeister Lothar Lortz und die Mitglieder der Historiengruppe des Kirchturmfördervereins seines Heimatortes, Ingrid Kaselow, Inge Nahrstedt, Eva Stannebein und Bernd Goltz nutzten die Gunst der Stunde und schauten sich auf dem Grabungsfeld um, ehe der schwere Bördeboden wieder verdecken wird, was viele Jahrzehnte, ja Jahrhunderte im Feld schlummerte.

Am 1. Dezember hatten Archäologen vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mit den Grabungen begonnen. Eine klare Aufgabenstellung gab es dafür: Dort, wo einst der berühmte Reiterstein vor mehr als 100 Jahren gefunden worden war, sollte nun das Umfeld des Fundortes genauer untersucht werden. Letzte Grabungen liegen beinahe 100 Jahre zurück. Damals seien die Ergebnisse kaum dokumentiert worden.

Bevor die Grabungen des Jahrgangs 2014 begannen, hatte es vor zwei Jahren bereits geophysikalische Untersuchungen gegeben, war das Areal vermessen worden, um eine Ausdehnung des vermuteten Bestattungsfeldes festzulegen.

Nun waren am 1. Dezember Bagger angerückt und schoben vorsichtig einen kleinen Ausschnitt von sechs mal sechs Metern frei. "Wir haben damit gerechnet, 16 Gräber zu finden. Gefunden haben wir innerhalb dieser kleinen frei gelegten Fläche tatsächlich 30", berichtet Grabungsleiter Olaf Schröder den Hornhäuser Geschichtsinteressierten.

Kein Kriegsschauplatz, Gräber sind geordnet

Wie gut sind die Gräber erhalten? Wie tief liegen sie? Gibt es Grabbeigaben? Diese Fragen kann Grabungsleiter Olaf Schröder bereits vor Ort beantworten. "Die Gräber liegen erstaunlich flach in der Erde. Einige sind bereits kaputt. Wir haben lediglich vier Gräber, das eines Babys, eines Kindes und zweier Erwachsener, geöffnet. Die Skelette werden wir für weitere Untersuchungen mitnehmen. Alle weitere Gräber bleiben drin, ihre Lage ist dokumentiert. Alle Gräber sind von Ost nach West ausgerichtet. Dieser Umstand und die Tatsache, dass wir in den geöffneten Gräbern keine Beigaben gefunden haben, spricht dafür, dass hier vor den Toren Hornhausens frühe Christen, möglicherweise um 700, also aus der Zeit des Frankenkönigs Karl des Großen, bestattet worden sind", erklärt Olaf Schröder.

"Würden wir die Zahl der gefundenen Gräber auf der freigelegten Fläche hochrechnen, kämen auf eine Zahl von mehreren hundert Bestattungen. Damit wäre das Gräberfeld vor Hornhausen eines der größten Bestattungsfelder Mitteldeutschlands überhaupt", mutmaßt Olaf Schröder.

Aus der Fülle von Bestattungen ließe sich zudem schließen, dass es vor Hornhausen eine größere Besiedlung gegeben haben muss. Damit aber werden sich nun weiterführende Forschungen beschäftigen und möglicherweise noch die Frage klären, wo genau die Siedlung am Ortsrand von Hornhausen gelegen haben könnte. Auch würden im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle noch Luftbilder, die mit Hilfe einer Drohne "geschossen" worden sind, ausgewertet.

Die Mitglieder der Historiengruppe des Kirchturmfördervereins Hornhausen konnten sich vor Ort selbst davon überzeugen, dass die Gräber "ordentlich" angelegt sind. "Allein diese Tatsache belegt auch, dass es sich um einen Friedhof handeln muss. Menschen sind verstorben, wurden bestattet. Würden es sich hier um einen Kriegsschauplatz handeln, lägen die Gebeine nicht so und in Gräbern geordnet in der Erde", erklärt Olaf Schröder den Hornhäusern.

"In der Frage, wie alt der Reiterstein tatsächlich ist, sind wir mit den neuerlichen Grabungen ein kleines Stück weitergekommen. Andererseits sind die Grabungen nur ein kleiner Teil der Forschungen um den Reiterstein", meint der Grabungsleiter abschließend.

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