Das Gebäude in der Schwimmbadstraße 2b wird zum 1. April kommenden Jahres als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber hergerichtet. Dort sollen Menschen aus anderen Ländern solange leben, bis über ihren Asylantrag entschieden ist.

Wolmirstedt l Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab. Die Notunterkunft in der Schwimmbadstraße 2b soll ab dem 1.April zur Gemeinschaftsunterkunft für 96 Asylsuchende werden. Das teilte Iris Herzig, Fachbereichskoordinatorin im Landkreis, mit. Die Menschen sollen dort so lange bleiben, bis über ihren Asylantrag entschieden ist.

Seit August ist in diesem Gebäude eine Notunterkunft für Asylsuchende eingerichtet. Eigentlich sollten dort nur junge Männer untergebracht werden, die sich jenseits der Zahltage außerhalb Wolmirstedts aufhalten. "Doch der Ansturm ist so groß, dass wir schon jetzt mehr Zuweisungen tätigen mussten, als geplant", sagt Iris Herzig. Zurzeit leben in der Schwimmbadstraße 2b auch Asylsuchende, die sich dort dauerhaft aufhalten. Das soll ab April der Normalzustand werden.

Die Gemeinschaftsunterkunft wurde ausgeschrieben und ist der Berliner Professionellen Wohn- und Betreuungsgesellschaft (Pewobe) zugeschlagen worden. Diese Gesellschaft sichert die Betreuung der Asylsuchenden vor Ort. "Es wird einen Heimleiter, einen Hausmeister und einen Sozialarbeiter geben", sagt Iris Herzig. Auch das Innenleben des Hauses wird an die erforderlichen Standards angepasst. "In einer Gemeinschaftsunterkunft dürfen nicht mehr als vier Personen in einem Zimmer leben, wobei jeder Person mindestens sieben Quadratmeter zustehen", erklärt Iris Herzig. Weiterhin muss die Möglichkeit zum Wäschewaschen bestehen sowie ein Kinderzimmer und Krankenzimmer vorhanden sein. Der Landkreis wird vor dem Bezug in Elektrik und Brandmeldeanlagen investieren. Wegen der Bauarbeiten werden die Menschen, die zurzeit in dieser Notunterkunft leben, nach Oschersleben in Wohnungen ziehen. Allerdings nicht mehr vor Weihnachten.

Aus welchen Ländern die asylsuchenden Menschen kommen, die in Wolmirstedt untergebracht werden, ist bisher unklar, ebenso, wie lange die Bearbeitung eines jeden Asylantrages dauert. Wird der Asylantrag positiv beschieden, können die Menschen die Gemeinschaftsunterkunft verlassen und sich an einem Ort ihrer Wahl niederlassen. Bei Antragsablehnung werden sie zur Rückreise verpflichtet.

Wegen der vielen Krisenherde in der Welt ist mit weiteren Flüchtlingen zu rechnen und Gemeinschaftsunterkünfte sollen nicht das einzige vorrübergehende Zuhause für Menschen aus Krisenregionen werden. "Wir werden auch an die privaten Wohnungsanbieter herantreten", sagt Iris Herzig, "und schauen, ob wir asylsuchende Familien in Wohnungen unterbringen können."

Die Wolmirstedter Wohnungsbaugesellschaft (WWG) kann keine zusammenhängenden Wohneinheiten, wie ganze Hauseingänge, für Flüchtlinge vorhalten. "Einzelne Wohnungen stellen wir jedoch zur Verfügung", sagt Geschäftsführer Gerhard Thiede, "wir haben auch in der Vergangenheit bereits Asylbewerber mit Wohnraum versorgt."

Solange über den Asylantrag der Bewerber nicht entschieden ist, dürfen sie keiner regulären Arbeit nachgehen. Lediglich die Kinder können eine Kita besuchen und unterliegen der Schulpflicht. "Wir setzen auf eine Willkommenskultur", sagt Iris Herzig, "und auf ehrenamtliches Engagement." Das kann die Begleitung beim Arztbesuch sein, das Lehren der deutschen Sprache oder die Unterstützung der Kinder beim Lernen. "Wenn wir genau wissen, woher die Menschen kommen, können wir auch unsere Bevölkerung gezielter ansprechen", sagt Iris Herzig.

Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) weiß aus anderen Städten, dass für Asylsuchende das Rathaus die wichtigste Anlaufstelle ist. Die Stadt ist zwar rein formal nicht in der Pflicht, dennoch würde der Bürgermeister einen Raum im Rathaus zur Verfügung stellen, der zu den Sprechzeiten als Anlaufpunkt dienen kann. "Personal haben wir dafür nicht, aber ich bin sicher, dass es in Wolmirstedt Menschen gibt, die die nötigen Fremdsprachenkenntnisse mitbringen und sich ehrenamtlich engagieren möchten", ruft der Bürgermeister zum Mitmachen auf.