Wenn Weihnachten vor der Tür steht, sind die Wunschzettel der eigenen Kinder oft ellenlang. Besonders kritisch wird es, wenn es um tierische Geschenke geht, weiß der Tierschutzverein Oschersleben.

Oschersleben l "Das ist gelinde gesagt eine Schweinerei, wenn mit Tieren als Weihnachtsgeschenk geworben wird." Das sagt eine Volksstimme-Leserin, die nicht genannt werden will, deren Name jedoch der Redaktion vorliegt. Was die Frau meint, sind die ihrer Meinung nach etlichen Kleinanzeigen, die aktuell in vielen Zeitungen herumgeistern. Hier würden fragwürdige Züchter ihre Vierbeiner anpreisen, teilweise sogar in tierverachtender Art und Weise.

"Beispielsweise werden erst neun Wochen alte Schäferhunde angeboten. Die sind doch noch viel zu jung", schimpft die Leserin. Was sie besonders stört, sei die Unverfrorenheit, mit der die Züchter werben. Dann nur allzu oft würden die Tiere als "süße Weihnachtsgeschenke" bezeichnet.

Aus eigenen Erfahrungen wisse die Leserin genau, dass ein Großteil der Tiere später im Heim lande oder gar auf der Straße. "Ich selbst habe schon streunende Hunde bei mir aufgenommen, die offenbar von ihren Familien ausgesetzt worden waren, als es in den Sommerurlaub ging", ist die Tierliebhaberin überzeugt.

Auch Gabriele Pelcynski, Sprecherin des Tierschutzvereins Oschersleben, kritisiert die Anzeigen als "äußerst fragwürdig" und warnt vor unseriösen Züchtern, die die Vorweihnachtszeit ausnutzten, um Geld zu machen.

"Tatsächlich ist oft der Wunsch der eigenen Kinder nach einem Zwei- oder Vierbeiner, also einem lebendigen Geschenk, zu Weihnachten besonders groß", weiß die Tierschützerin. Sie und ihre Mitstreiter warnen deshalb vor tierischen Gaben unterm Weihnachtsbaum. "Die Anschaffung eines Hamsters, einer Katze und erst recht eines Hundes will gut überlegt sein. Grundsätzliche Fragen wie die zur Haltung des gewünschten Tieres, welche Bedürfnisse es hat, wie es artgerecht zu erziehen ist und welcher Aufwand betrieben werden muss, um es zu pflegen, müssen vor dem Kauf unbedingt geklärt werden", betont Pelcynski. Erst wenn alle Rahmenbedingungen passen, sollte überlegt werden, bei welchen Züchtern des Vertrauens ein gesundes Tier bezogen und woran sein Gesundheitszustand erkannt werden kann.

"Ein seriöser Züchter ist oft schon an seiner Internetseite zu erkennen", weiß die Vereinssprecherin. Hier müssten genau über die Zucht informiert werden und die Hunde abgebildet sein. Außerdem sollten Bilder die Umgebung der Vierbeiner zeigen. "Bei einem Besuch direkt vor Ort muss sich natürlich vom guten Eindruck auf der Homepage überzeugt werden", rät Pelcynski.

Ferner könnten seriöse Züchter immer auf eine Ahnentafel verweisen und eine lückenlose Zuchtordnung vorlegen. Die Mitgliedschaft in einem Bundesverband der jeweiligen Rasse entsprechend komplettiere die Anforderungen.

Was das durch Züchter in den betreffenden Anzeigen angegebene Alter seiner Schützlinge von neun Wochen angeht, kann die Tierschützerin Entwarnung geben, zumindest teilweise. "Früher war die Meinung, Hunde sollten frühestens nach der zwölften Lebenswoche vom Muttertier getrennt werden, weit verbreitet. Doch wenn der Welpe bereits in der neunten Woche selbstständig frisst und unabhängig seine Umgebung erkundet, ist er soweit, seine bis dahin gewohnte Umgebung verlassen zu können", erklärt Gabriele Pelcynski.

Um so wichtiger sei es, sich von der Zuverlässigkeit des jeweiligen Züchters zu überzeugen. Ein erfahrener Hundebesitzer aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, möglichst sogar Mitglied eines Hunde-sport- oder Tierschutzvereins, sollte beratend beim Kauf zur Seite stehen. "Auch ein Arzt sollte bekannt sein, denn mit Sicherheit bleiben Erkrankungen und Verletzungen nicht aus. Jedem muss auch bewusst sein, mit welchem finanziellem Aufwand die Haltung eines Haustieres einhergeht", fügt die Tierschützerin hinzu.

Gabriele Pelcynski kann die Wut der Leserin durchaus nachvollziehen und bestätigt, dass gerade in den Sommermonaten die Anzahl im Tierheim abgegebener Vierbeiner oder gar in der Wildnis ausgesetzter Katzen und Hunde sprunghaft ansteigt. "Zur Weihnachtszeit mag ein Schäferhundwelpe noch ein süßes Kuscheltier sein. Doch im Sommer ist der Hund schon bald ausgewachsen und wiegt 45 Kilogramm. Dann stellt sich oft die Frage: Wohin mit dem Tier, wenn es in den Urlaub geht", warnt die Vereinssprecherin. Die Liste an Gründen ließe sich beliebig fortsetzen: Oft untersage der Mietvertrag die Tierhaltung in der Wohnung, aus dem niedlichem Samtpfotenkind werde eine "Kratz-Katze" oder das Kaninchen beginne streng zu riechen.

So appelliert die Tierschützerin Pelcynski, dem Reiz der niedlichen Vierbeiner zu widerstehen. "Tiere als Weihnachtsgeschenke sind Tabu. Denn sie sind Lebewesen und keine Handelsware, die wie Pullover oder Musikanlagen nach Weihnachten einfach wieder umgetauscht werden können."

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