Haldensleben (az) l "Die Tierhaltung in Sachsen-Anhalt im Spannungsfeld zwischen landwirtschaftlicher Praxis und öffentlicher Wahrnehmung": Unter diesem Motto hat der Landjugendverband Sachsen-Anhalt sein Agrarforum 2014 in Haldensleben veranstaltet. Zum Auftakt berichteten zahlreiche Podiumsgäste von ihren Erfahrungen und Sichtweisen. Mit dabei waren: Christian Schmidt vom Landesvorstand des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, Landtagsabgeordneter Harry Czeke (Linke), die Staatssekretärin für Landwirtschaft und Umwelt Sachsen-Anhalt Anne-Marie Keding, Landtagsabgeordnete Gabriele Brakebusch (CDU), Landtagsabgeordnete Rita Mittendorf (SPD) sowie Dorothea Frederking, die für die Grünen im Landtag sitzt. Die Moderation übernahm Wiebke Fehse, Schülerin der Fachschule für Landwirtschaft Haldensleben.

"Wir müssen uns als Landwirte bewusst sein, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Ohne Verbraucher haben wir keine Grundlage", erklärte Wiebke Fehse zum Einstieg. Immer wieder ging es um den Fall von Adrianus Straathof. Er gehört zu den größten Schweinezüchtern Europas und betreibt auch in Sachsen-Anhalt Ställe. Darüber hinaus war Straathof jüngst immer wieder Thema von Medienberichten. Wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz wurden gegen ihn verschiedene Strafgelder verhängt.

Der Landkreis Jerichower Land belegte den Unternehmer zwischenzeitlich mit einem Schweinehaltungsverbot (Volksstimme berichtete). "Uns ist klar, dass solche Fälle unsere Akzeptanz bei den Verbrauchern verringern. Deshalb müssen wir uns dem entgegenstellen", so Wiebke Fehse.

Lebensmittel werden zunehmend verramscht

"Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind eine wesentliche Basis für die Akzeptanz von Tierhaltern", betonte auch Anne-Marie Keding. Deshalb stehe sie für eine "offene und sich jederzeit erklärende Landwirtschaft." Gleichzeitig befänden sich viele Landwirte jedoch auch in einer schwierigen Situation. Vor allem gebe es eine Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Forderungen und der tatsächlichen Kaufentscheidung von Kunden im Laden.

"Am Ende kaufen sie dann doch das weniger hochwertig produzierte Tier."

Gabriele Brakebusch berichtete von anderen Erfahrungen: "Ich finde es gut, dass sich Verbraucher mehr Gedanken darüber machen, wo ihr Lebensmittel herkommt und wie es behandelt worden ist." Auf die Frage, wo Massentierhaltung anfange, gebe es bisher keine klare Antwort. "In einem kleinen Stall sind die Haltungsbedingungen nicht automatisch besser", erklärte Gabriele Brakebusch. "Man muss immer im Einzelfall hinschauen."

Dem schloss sich Rita Mittendorf an: "Ich glaube, dass die Haltung in einem professionell geführten großen Stall mitunter besser ist." Allerdings müsse man sich fragen, ob sich die Gesellschaft nicht in eine falsche Richtung entwickelt habe.

"Die Preise an der Fleischtheke sind extrem billig. Man muss sich auch überlegen, wie ein solcher Preis zustande kommt. Denn Landwirtschaft hat etwas mit Wirtschaft zu tun und bewegt sich nicht im luftleeren Raum. Man darf Tiere nicht quälen und unnötig töten. Aber wir müssen auch das Spannungsfeld richtig ausleuchten."

Harry Czeke fand ebenfalls deutliche Worte: "Die Werbung suggeriert uns, dass Geiz geil ist. Lebensmittel werden verramscht und die Produzenten müssen darunter leiden." Gleichzeitig werde etwa ein Drittel der weltweiten Lebensmittelproduktion wieder vernichtet. "Das funktioniert nicht", so Harry Czeke.

Für faire Lebensmittel auch faire Preise bezahlen

Dorothea Frederking wandte sich ebenfalls gegen Billigpreise, zeigte sich aber auch optimistisch: "Die Verbraucher müssen für faire Lebensmittel auch faire Preise zahlen. Dazu sind sie bereit, davon bin ich überzeugt." Christian Schmidt machte deutlich, welcher Aufwand schon jetzt in den Ställen getrieben werde: "Im Herdenprogramm steht bei uns zu den Kühen mehr drin als in den Impfausweisen der Kollegen. Das ist Lebensmittelsicherheit. Aber keiner honoriert es."

Doch zumindest Harry Czeke äußerte sich auch hoffnungsvoll: "Wir sind auf einem guten Weg. Sie sind der berufliche Nachwuchs", wandte er sich an das Publikum. "Sie haben es in der Hand, das Image der Landwirtschaft so zu prägen, dass sie auch in 100 Jahren noch Bestand hat."