Ähnlich wie viele Wildtiere drohen auch zahlreiche Haustier-Rassen auszusterben. In den meisten Fällen sind es idealistisch veranlagte Menschen, die sich um die Bewahrung dieser Rassen kümmern - so wie Edelgard und Günter Dihlmann aus Busch. Das Ehepaar baut seit einem Jahr eine Rinderherde der seltenen Rasse Rotes Höhenvieh auf.

Busch l Edelgard Dihlmann hat die Landwirtschaft im Blut. Sie wurde in Mecklenburg geboren, wo ihre Eltern einen Hof hatten. Dort wuchs sie auch auf und so bekam sie viel von der bäuerlichen Landwirtschaft mit auf den Weg. Beruflich ging sie allerdings einen ganz anderen Weg. Sie studierte Theologie und war als Pfarrerin über 40 Jahre im Raum Naumburg tätig.

Erst im Rentenalter fand die Theologin den Weg in die Landwirtschaft zurück - über den Biobauern Günter Dihlmann aus Busch. Der Baden-Würtemberger war 1993 mit seiner Familie aus Baden-Würtemberg in die Altmark gekommen und hatte den längst in der Region und darüber hinaus bekannte Öko-Agrarbetrieb in Busch gegründet. Günter und Edelgard lernten sich 2009 kennen und lieben. Sie heirateten 2011.

"Teilnahme am Zuchtprogramm ist für den Rasseerhalt wichtig"

So wurde für die Pastorin i. R. die Haus- und Landwirtschaft wieder zum Lebensinhalt. Gemeinsam mit ihrem Mann, der sich aus den Landwirtschaftsbetrieben seiner Söhne allmählich zurückzieht, fasste sie den Entschluss, eine Mutterkuhherde aufzubauen. "Wir haben uns bewusst für eine vom Aussterben bedrohte Rasse entschieden", erklärt Günter Dihlmann. Dazu besuchten die Eheleute eine Viehschau in Bismark. "Das Rote Höhenvieh, auch kurz ,Harzer` genannt, hat es uns beiden angetan. Das schöne Erscheinungsbild der Tiere war ausschlaggebend."

Ausschlaggebend seien aber auch die Leute gewesen, die die Rinder auf der Schau präsentierten, berichten die beiden Wahl-Buscher. Die Züchter hätten einen kleinbäuerlichen Betrieb bewirtschaftet - "so wie es unserem Ideal entspricht", meint Günter Dihl-mann.

Nachdem die beiden Buscher eine kleine Odyssee an Bürokratie überstanden hatten, konnten sie vor gut einem Jahr mit der eigenen Zucht beginnen. Zur Herde gehören nunmehr insgesamt neun Tier - darunter drei Mutterkühe und zwei tragende Fersen.

Der erste Nachwuchs hat sich in diesem Jahr auch bereits eingestellt. Zwei kräftige Bullenkälber fühlen sich sichtlich wohl in der Herde. "Wir beteiligen uns an einem gezielten Erhaltungszucht-Programm für diese Rasse. Ein solches Programm ist auch wichtig, um Inzucht zu reduzieren", erklärt Edelgard Dihlmann. Günter Dihlmann schätzt, dass es bundesweit nur noch rund 30 Züchter des Roten Höhnviehs gibt. "Die Höfe befinden sich vor allem im und rund um den Harz, aber einige auch in anderen Regionen von Niedersachsen oder auch in Hessen", fügt die Züchterin hinzu. Dihlmanns sind Mitglied im Rinderzuchtverband Sachsen-Anhalt. Die Anpaarungsplanung läuft über den Verband.

"Bei den Züchtertreffen tummeln sich Idealisten - so wie wir selbst"

Dihlmanns freuen sich auch, dass sie als Züchter dieser vom Aussterben bedrohten Rasse interessante Menschen kennengelernt haben. "Einmal im Jahr finden Züchtertreffen statt, an denen auch wir teilnehmen. Natürlich trifft man dort vor allem auf Gleichgesinnte; Idealisten, so wie wir es sind."

Wer die Mutterkuhherde von Edelgard und Günter Dihlmann beobachtet, wird automatisch an den Ausdruck "Glückliche Kühe" erinnert. Denn die Tiere leben unter Bedingungen, um die sie die meisten Rinder und andere Nutztiere beneiden dürften. Ihnen steht sowohl eine große Weide - umgeben von einer idyllischen Landschaft - als auch ein schützender Stall zur Verfügung. Platz für ine wachsenede Herde ist noch jede Menge vorhanden.

Das Rote Höhenvieh ist eine traditionelle Rinderrasse der deutschen Mittelgebirge. "Es ist ursprüglich eine Drei-Nutzungs- Rasse - nämlich Milchrind, Fleischrind und Zugtier", beschreibt Günter Dihlmann. Die Tiere sind einfarbig rot- bis dunkelbraun und sind mittelgroß. Das Höhenvieh zeichnet sich durch eine Mombination aus von Leistungsmerkmalen aus, die sie vor allem für den Ensatz in der Lanschaftspflege und in nachhaltigen Wirtschafts-, Produktiond- und Haltungssystemen prädestiniert.

 

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