Jetzt ist es amtlich: Nach dem verheerenden Bodehochwasser im Frühjahr 1994 bekommen Hordorf und Günthersdorf je einen Deich, um vor künftigen Fluten zu schützen. Geht es nach den Planern, könnten die Bauwerke in wenigen Jahren stehen. Doch das Beispiel Hordorf zeigt: Es könnte viel länger dauern.

Hordorf l Die Einladung zu einer Bürgerversammlung, die jüngst im Hordorfer Gemeindesaal stattfand, zeigte den Einwohnern: Die machen jetzt ernst! Mehr als 17 Jahre nach dem verheerenden Bodehochwasser hat der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) sowie ein von ihm beauftragtes Planungsbüro über den neusten Stand der Planungen informiert.

Geht es nach deren Plänen, wird sich der Deich in zwei Abschnitte gliedern. Der erste Abschnitt orientiert sich am Verlauf der Bode und wird sich in nörd-südlicher Richtung zwischen dem Fluss und der Dorfbebauung östlich von Hordorf erstrecken. "Um den Ort von Süden her vor den Fluten zu schützen, wurden als künftigen Trassenverlauf mehrere Varianten erarbeitet", erklärte Jörg Bollmann vom beauftragten Planungsbüro.

"Bei einer geplanten Deichhöhe von eineinhalb Metern muss von einer Deichbasis, also einer Breite am Boden, von zwölf Metern gerechnet werden."

Projektingenieur Jörg Bollmann

So beschrieb der Ingenieur zunächst eine ortsnahe Variante. Der Deich würde südlich von Hordorf in ostwestlicher Richtung gebaut werden und an der Kreisstraße L101 abschließen. Die Nachteile gab er gleich mit auf den Weg: So müssten Grundstücke erworben werden, um diese für das Bauwerk zu sichern. Das beträfe vor allem private Eigentümer, die Grund und Boden verlieren würden, wenn auch gegen Zahlungen.

Die nächste Variante, die Jörg Bollmann mit "1a" bezeichnete, würde noch weiter südlich verlaufen. Da die hier geplante Deichlinie entlang von Flurgrenzen erfolge, müssten weniger Grundstücke gekauft werden. "Vor allem steht hier kommunaler Grund zur Verfügung, Privatleute wären kaum betroffen", zählte Bollmann die Vorteile dieser Linienführung auf.

Dennoch sei der Flächenverlust groß. "Bei einer geplanten Deichhöhe von eineinhalb Metern muss von einer Deichbasis, also einer Breite am Boden, von zwölf Metern gerechnet werden. Da kommen schnell etliche von Hektar zusammen", erklärte der Fachmann. Deshalb schlug er eine Variante 1b" vor, in der die herkömmliche Bauweise eines Deiches mit dem Bau von Spundwänden kombiniert wird. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Aufgrund der geringen Deichbasis von nur einem Meter sei der Flächenverlust viel geringer. Technisch sei das Arbeiten mit Spundwänden heutzutage überhaupt kein Problem. Die Spundwände aus Stahl könnten sogar mit Bepflanzungen gestaltet werden. "Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt", sagte der Fachmann und betonte, diese Variante würde von seinem Büro als auch vom LHW als die bevorzugte angesehen. Allerdings: Mit geplanten Kosten von rund 1,5 Millionen Euro wäre das die mit Abstand teuerste Variante.

Doch noch eine Version stellte Jörg Bollmann vor, eine, in der sich der geplante Deich noch weiter südlich von Hordorf befinden soll. Das Bauwerk befinde sich weiter vom Ort entfernt, störe also überhaupt nicht. Auch hier würde sich die Deichachse an Flurstücksgrenzen orientieren. "Allerdings würde der sogenannte Retentionsraum von über zwölf Hektar, also jenen Flächen, in denen sich der Fluss bei Hochwasser ausbreiten kann, verloren gehen. Die Überflutungsfläche würde also viel kleiner", betonte der Ingenieur. Die Variante würde rund 1,15 Millionen Euro verschlingen.

Die Kosten für Bau und Unterhalt würde das Land übernehmen, die Gelder aus Steuermitteln stammen. Die Hordorfer würden also nicht extra zu Kasse gebeten.

"Ich persönlich rechne mit der Fertigstellung in zehn Jahren."

Ortsbürgermeister Norbert Kurzel

Wenn es nach den Plänen von LHW und Planungsbüro geht, könnte das Projekt noch in diesem Monat bei der Unteren Naturschutzbehörde und der Unteren Wasserbehörde vorgestellt werden. Dann gehe es in die Entwurfs- und Genehmigungsplanung, die bis September abgeschlossen werden könnte. Ende 2016 rechnet Bollmann mit dem Planfeststellungsbeschluss und im Frühjahr 2017 mit dem Baubeginn. "Nach rund eineinhalbjähriger Bauzeit könnte der Deich bereits im Jahr 2018 fertig sein", zeigte sich Jörg Bollmann optimistisch.

Hordorfs Ortsbürgermeister Norbert Kurzel sieht das etwas anders. "Ich persönlich rechne mit der Fertigstellung in zehn Jahren", sagte der Politiker gegenüber der Volksstimme. Dennoch wertete er die Bürgerversammlung als positiv. "Im Anschluss an die Ausführungen von Herrn Bollmann wurde viel miteinander gesprochen. Betroffene Grundstückseigentümer haben den Mitarbeitern des LHW und des Planungsbüros ihre Eindrücke und Hinweise übermittelt, die von den Vertretern aufgenommen wurden. Vor allem die älteren konnten ihre Erfahrungen und Kenntnisse weitergeben, die auch angehört wurden", sagte Kurzel.

Zu der vom LHW und dem Projektbüro bevorzugten Variante sagte der Ortsbürgermeister: "Es sind auch private Grundstückseigentümer und -pächter betroffen. Trotzdem sehe ich keine großen Probleme, da die meisten Flächen nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden." Für die Betroffenen sei es vor allem wichtig gewesen, zu hören, dass ihnen der Deichbau nichts kosten wird.

Auch der Planungsingenieur Jörg Bollmann äußerte sich positiv über die Veranstaltung. "Es hat ein guter Gedankenaustausch stattgefunden. Ein großes Interesse ist besser als ein zu kleines. Denn wenn erst einmal die Bagger anrücken, ist oft schon zu spät für die Betroffenen."

Für Ute Enders, verantwortliche Projektleiterin im LHW, ist die Planungsphase indes noch längst nicht abgeschlossen. "Die rege Diskussion der Bürger hat Hinweise ergeben, die in die vorgestellte Variantenbetrachtung einbezogen werden sollen. Hierzu sind weitere Untersuchungen unter Einbeziehung der Anlieger und der Stadtverwaltung notwendig", erklärte sie gegenüber der Volksstimme.

"Die umfassende Diskussion hat deutlich gemacht, dass für dieses Vorhaben der gemeinsame Meinungsfindungsprozess noch Zeit in Anspruch nehmen wird."

LHW-Projektleiterin Ute Enders

Was den Deich in Günthersdorf angeht, hält sich die Projektleiterin bedeckt. Die umfassende Diskussion habe deutlich gemacht, "dass für dieses Vorhaben der gemeinsame Meinungsfindungsprozess aller Beteiligten noch Zeit in Anspruch nehmen wird. Den diesbezüglichen Wünschen der Anlieger soll Rechnung getragen werden." Demzufolge seien detaillierte Aussagen zum möglichen Umfang von Hochwasserschutzanlagen im Bereich der Ortslage Günthersdorf zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich.

 

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