Ein Zaun entlang der Straße zwischen Beckendorf und Neindorf hat die Jäger der Pächtergemeinschaft Hornhausen verärgert. Sie fühlen sich vom Landkreis nicht mitgenommen, sehen die Behörde im Wortbruch und mehr Gefahren für die Autofahrer durch Wildwechsel.

Beckendorf/Neindorf l Allen Autofahrern ist es wohlbekannt, dass entlang der Straße zwischen Neindorf und Beckendorf oft Hase, Reh und Wildschwein die Fahrbahn kreuzen. In der Wildunfallstatistik liege dieser Straßenabschnitt auch deshalb weit vorn, weil angrenzende Flurflächen das Wild zur Futtersuche einladen. Die Jagdpächter Björn Löffler und Stephan Maindok von der Jagdpachtgemeinschaft Hornhausen bringen entlang der genannten Straße einen etwa einen Kilometer langen Abschnitt besonders ins Spiel. Und ausgerechnet hier sei nun ein Holzzaun errichtet worden.

Nach Auffassung der beiden Jagdpächter würde dieser die natürlichen Wildwechselstellen stören und daher können die Hornhäuser Jäger die Entscheidung zum Bau des Zaunes nicht nachvollziehen. "Doch wir fühlen uns auch nicht mitgenommen und übergangen", so Maindok und Löffler. Erst recht nicht, da im Zuge des Ausbaus der Kreisstraße vor vier Jahren ein Antrag des Straßenbauamtes auf Errichtung eines Zaunes zum Schutz der Autofahrer vor dem häufigen Wildwechsel abgelehnt worden sei. Statt eines Zaunes sollte eine Auslichtung des Waldes im straßennahen Bereich erfolgen, damit das Wild eher gesehen werden kann.

"Diese Auslichtung ist auch passiert. Nun aber wurde dieser Abschnitt wieder durch sogenannte Zwischenraumeinzelbepflanzung aufgeforstet und durch einen fast drei Meter hohen Zaun eingefriedet", berichtet Wolfgang Zahn. An das SPD-Kreistagsmitglied hatten sich die Hornhäuser Jagdpächter gewandt, weil sie mit besagtem Zaun keineswegs einverstanden seien. Ihre eigenen Bemühungen wären gescheitert, ein Termin beim Landrat sei nicht zustande gekommen.

Jäger hätten sich anderen Standort gewünscht

Die Jäger sehen mit Errichtung besagten Zaunes eine doppelte Gefahr. Wie Björn Löffler meinte, sei mit dem Zaun der Rücktritt des Wildes in den Wald versperrt, was zu einer Verdoppelung des Unfallrisikos führe. Denn diese Tier würden verschreckt am Straßenrand auf und ab laufen, was gerade in der dunklen Jahreszeit zu einer neuerlichen Gefahr für Autofahrer und Wild werde.

Wolfgang Zahn hatte sich bereits ein Bild vor Ort gemacht und auch im Kreistag dazu eine Anfrage gestartet. "Der Ist-Zustand kann und darf so nicht bleiben. Hier besteht dringend Handlungsbedarf", meint das Kreistagsmitglied. Für ihn stellt sich weiterhin die Frage, warum das Aufforstungsprogramm ausgerechnet entlang der Kreisstraße durchgeführt werden musste. Die Jagdpächter aus Hornhausen hätten ihm vor Ort ganz andere Möglichkeiten aufgezeigt, Tiere vor dem Straßenrand in eine Vorsichtsstellung zu bringen. Zudem hätte sich der Landkreis für ein stufenweises Anpflanzprogramm entscheiden sollen.

"Der gebaute Zaun hat sicher Steuergelder beansprucht. Dieses Geld ist damit richtig in den Sand gesetzt worden und nicht in den Wald", meint Zahn.

Auf Volksstimme-Anfrage zu der genannten Problematik bestätigt der Landkreis, dass zur Finanzierung der Maßnahme Fördermittel beantragt worden waren. "Im Zuge der Fördermittelbewilligung wurden die Maßnahmen vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Halberstadt vor und nach der Realisierung beurteilt. In diesem Zusammenhang wurden sowohl die Förderfähigkeit als auch der forstliche Inhalt beurteilt. Dazu gab es keine Beanstandungen", heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Für Realisierung Beratervertrag geschlossen

Zu den Fragen der forst- und jagdrechtlichen Herangehensweise seien die weiteren Entscheidungen durch das Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt/Betreuungsforstamt Flechtingen getroffen worden, denn genau zu diesem Zweck habe der Landkreis Börde mit dem Betreuungsforstamt Flechtingen einen Betreuungsvertrag geschlossen.

Der Leiter des Betreuungsforstamtes, Hubertus Hlawatsch, meint zu der Maßnahme zwischen Beckendorf und Neindorf: "Die Umsetzung des Vorhabens wurde in zwei Teilabschnitten realisiert. Die erste Maßnahme ist ein regulärer Voranbau unter einem Lärchenbestand mit Rotbuche und Douglasie. Der vorhandene Lärchenbestand ist durch Lärchenborkenkäferbefall vorgeschädigt", erklärt der Fachmann. Bei der zweiten Maßnahme würde es sich um eine Waldrandgestaltung mit Rotbuche, Douglasie und Sträuchern handeln.

Zum errichteten Zaun meint Hlawatsch: "Die Zaunlänge parallel zur Straße beträgt jeweils etwa 220 bis 230 Meter. Dazwischen befindet sich ein etwa 30 Meter breiter Zwischenraum. Der Zaun besteht aus einem sogenannten Hordengatter. Damit ist dieser auch für das Wild gut sichtbar und ein Gegenlaufen des Wildes in Panik ausgeschlossen."

Der Abstand zur Straße würde an keiner Stelle weniger als zehn Meter betragen. Einwechselndes Wild könne also problemlos entlang des Zaunes ziehen und wieder in den Wald gelangen.