Für ein Entwicklungskonzept im Rahmen der europäischen Initiative Leader sind am Montagabend im Oschersleber Rathaus die ersten Ideen zusammengetragen worden. Dazu eingeladen hatten Bürgermeister Dieter Klenke und die Bürgermeisterin der Westlichen Börde, Ines Becker. Deren Kommunen hatten sich zur Interessengruppe "Börde" zusammengefunden, um gemeinsam den EU-Fördertopf anzuzapfen.

Oschersleben l Mobile Ärzte, Wohnmobil-Stellplätze an der Straße der Romanik, eine gemeinsame Rad- und Wanderkarte und mehr Dorfläden: Das sind nur einige Wünsche und Forderungen, die rund 60 Bürger und Unternehmer aus Oschersleben und der Westlichen Börde während der Ideenwerkstatt zusammengetragen haben.

Diese Vorschläge sollen nun in ein sogenanntes Handlungsprogramm eingearbeitet werden. Dieses wiederum soll es ermöglichen, im Rahmen des Europäischen Förderprogramms für ländliche Räume, Leader, Kulturdenkmale wiederzubeleben, Infrastrukturen aufzubauen oder unternehmerische Bestände zu sichern.

Vorschläge können weiter eingereicht werden

Bereits seit dem Jahr 2006 hatten sich Oschersleben und die Westliche Börde zur "Lokalen Arbeitsgruppe Börde" zusammengeschlossen, um im Rahmen der ersten Leader-Förderperiode gemeinsam zu agieren. So konnten fast 50 Projekte mit einem Fördervolumen von 2,7 Millionen Euro umgesetzt werden, die Investitionen in einer Höhe von 6,7 Millionen Euro ermöglichten. Es wurden Kirchen, Schlösser und Höfe instand gesetzt sowie historische Gebäude und Torbögen saniert, Außenanlagen erneuert und Straßen grundhaft ausgebaut.

Nun geht es in die nächste Förderperiode, die bis zum Jahr 2020 andauert. In dem bis März zu erarbeitenden Handlungsprogramm sollen nahezu alle Lebensbereiche wie Wirtschaft, Bildung, Naturschutz, Landwirtschaft, Regionalvermarktung, Ressourcenschutz, demografischer Wandel und Kultur einfließen. "Unter dem Motto `Stroh zu Gold - Meine Ideen für die Börde` wollen wir mit regionalen Akteuren und interessierten Bürgern erste Vorschläge sammeln", sagte Ines Becker während der Veranstaltung.

Der Oschersleber Jugendliche Ludwig (Familienname liegt der Redaktion vor) brachte beispielsweise eine Freizeiteinrichtung für Jugendliche ins Spiel. "Hier in der Stadt gibt es aktuell keine Anlaufstelle dieser Art", bemängelte der Sprecher des Vereins "Panne Bartels", dessen Mitglieder sich eigenen Angaben zufolge für eine weltoffene Stadt einsetzen wollen.

Zuvor berichtete Jürgen Vogel vom Evangelischen Kirchenkreis Halberstadt über seine Erfahrungen mit Leader, die er und ehrenamtliche Kollegen während der Sanierung der Kroppenstedter Martini-Kirche gemacht haben. Auch Ampfurths Ortsbürgermeister Achim Röttger war anwesend und erzählte Einzelheiten über die Arbeiten der vergangenen Jahre am örtlichen Burgturm mit einstiger Telegrafenstation. Mauerwerk, Dach und Treppe wurden erneuert - auch mit Leader-Mitteln. "Nun fehlt uns noch etwas ganz wichtiges, und das sind Toiletten", sagte Röttger und machte aus seiner Hoffnung keinen Hehl, diese ebenfalls mit den EU-Geldern bauen zu können.

Andere Bürger wünschten sich mehr Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen, einen Kita-Bus für jene Eltern, die sich kein Auto leisten können, mehr Spielplätze, die Entwicklung der "Bauernhütte" in Ausleben für kulturelle Veranstaltungen oder mehr befestigte Feld- beziehungsweise Radwege.

Aber auch Unternehmer und weitere Akteure der Region konkretisierten ihre Visionen und schrieben diese auf extra aufgebaute große Tafeln. So wurden beispielsweise langfristige Bewirtschaftungspläne im Rahmen von Maßnahmen gegen Vernässung gefordert oder die Unterstützung für den Aufbau einer Schau-Imkerei nebst Bienenlehrgarten gewünscht.

Und mit dem Sammeln von Ideen soll noch lange nicht Schluss sein. Laut Ines Becker und Dieter Klenke ist die Interessengemeinschaft "Börde" auch künftig offen für interessante Vorschläge und Forderungen.

Weitere Ideen können über das Kontaktformular auf folgender Internetseite eingereicht werden: www.lag-boerde.de.

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