Ende des 19. Jahrhunderts begann Carl August Sauer, ein "Zugereister", praktisch aus dem Nichts ein erfolg- und umfangreiches Unternehmen in Eilsleben aufzubauen.

Von Hartmut Beyer

Eilsleben l Zunächst fand Carl August Sauer als junger Bursche Arbeit als Landarbeiter auf dem Klostergut der Braunschweigischen Kammer in Hakenstedt. Als aber der Pächter Philipp Wahnschaffe einen Dampfpflug kaufte, wurde August für die Bedienung mit ausgewählt und als Maschinenführer eingesetzt.

In den folgenden Jahren bewährte er sich, eignete sich immer mehr Kenntnisse an, zeichnete sich mit Fleiß und Disziplin aus. Im Alter von 30 Jahren gründete August Sauer 1893 sein eigenes Lohnpflugunternehmen. Das war ein kühnes Vorhaben, denn die 40000 Goldmark, die ein Dampfpflugsatz kostete, hatte er als Landarbeiter nicht sparen können. Doch irgendwie fand er für einen Kredit Geldgeber.

August Sauer schaffte es nicht nur das Darlehen zurückzuzahlen, er konnte sogar sein Unternehmen bis auf 12 Dampfpflugsätze erweitern und weitere Betriebszweige eröffnen.

Seine Dampfpflüge waren aber nicht nur in der Magdeburger Börde im Einsatz, denn dort gab es inzwischen auch Lohnpflüger-Konkurrenz, und einige Güter hatten bereits eigene Dampfpflüge. August Sauer ging mit seiner Technik deshalb auch in die Altmark, in das Harzvorland, in die Mark Brandenburg und sogar bis in die Provinz Posen. Die Dampfpflüge wurden dorthin per Bahn transportiert.

1904 beteiligte er sich an einer Ausschreibung für ein Elek- trizitätswerk in Eilsleben. Er bekam den Zuschlag und schon im Juli 1905 konnte das Werk auf Basis der Drehstromtechnik in Betrieb gehen. August Sauer gründete nicht nur die erste Stromversorgung für Eilsleben, sondern auch für die Nachbarorte Ummendorf, Wormsdorf, Geringsdorf, Eggenstedt, Siegersleben, Ovelgünne und Dreileben.

Die Gründung und der Betrieb des Elektrizitätswerkes ist als größte Tat von August Sauer anzusehen, denn mit einer Leistung von 325 kW konnten nicht nur die damals in den Wohnungen noch wenigen Glühlampen zum Erleuchten gebracht, sondern im Herbst sogar Motoren von Dreschmaschinen betrieben werden. Erzeugt wurde die Elektroenergie von Generatoren, die von einer Dampfmaschine und zwei Sauggasmotoren angetrieben wurden. Als August Sauer 1909 den Strom vom Überlandwerk in Dreileben wesentlich günstiger einkaufen konnte, stellte er die eigene Produktion ein und installierte in dem Betriebsgebäude einen Mühlenbetrieb. Als Geschäftsmann war er aber weiter rastlos, übernahm einen Getreide- und Düngerhandel und einen Speicher mit Bahnanschluss, betrieb Lohndrusch. Er starb 1938. Im November 2005 nahm die Gemeinde Eilsleben die "100 Jahre Stromversorgung in Eilsleben" zum Anlass, im Gewerbegebiet eine Straße nach August Sauer zu benennen.

Die ganze Geschichte wird in einem Eilsleber Geschichtsbuch in diesem Jahr veröffentlicht. (Nach Aufzeichnungen von Kurt Sauer, Enkel von August Sauer)

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