Kommunalvertretern aus dem Landkreis Börde wurden am Mittwoch in Oschersleben die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für die Versorgung mit schnellem Internet vorgestellt. Ziel soll es sein, bis spätestens 2020 auch jene Gebiete mit Breitband zu versorgen, die wegen Marktversagens bisher nicht an die schnelle Datenautobahn angeschlossen sind.

Oschersleben l Zu diesem Zweck hat die EU Fördermittel locker gemacht, die es Gemeinden unter Verwendung weiterer Kreis-, Landes- und Bundesmittel ermöglichen sollen, den Netzausbau selbst in die Hand zu nehmen.

Während der Konferenz im Oschersleber Landratsamt machte Theo Struhkamp (SPD) deutlich, dass Sachsen-Anhalt dafür rund 110 Millionen Euro genehmigt wurden. "Ich gehe davon aus, dass der Landkreis Börde aus diesem Topf mit mehr als zehn Millionen Euro bedient werden wird", schätzte der in der Magdeburger Staatskanzlei für die Breitbandversorgung im Land zuständige Politiker ein. Er betonte das Ziel seiner Regierung, auch die Börde flächendeckend mit Internet mit einer Datengeschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versorgen zu wollen.

Zugleich stellte er den Kommunalvertretern in Aussicht, ihren bisherigen Eigenanteil von 20 Prozent, den sie in den Breitbandausbau im Rahmen des EU-Förderprogramms zu leisten hätten, weiter verringern zu können. Hierzu müssten allerdings noch viele Details verbindlich geklärt werden.

"Es besteht jetzt die einmalige Chance, die bisher schlechte Breitbandversorgung im Landkreis zukunftsfähig zu gestalten", hob auch Dirk Bartens hervor. Sein Unternehmen "I2kt" war vor gut einem Jahr vom Landkreis beauftragt worden, eine Machbarkeitsstudie zum Breitbandausbau zu erarbeiten. "Wünschenswert wäre, unter der Federführung des Landkreises den ITTB-Breitbandausbau umzusetzen", lautet seine Handlungsempfehlung. Mit ITTB ist eine Netztstruktur gemeint, bei der die benötigten Glasfaserkabel im Inneren von Gebäuden enden. Auch eine Architektur, in der die schnellen Leitungen bis in Wohnungen beziehungsweise Büros reichen, sei untersucht worden. Diese sei jedoch aufgrund der hohen Kosten nicht umsetzbar. In einer letzten Variante könnten die Glasfaserkabel in Verzweigen, also den grauen Kästen am Straßenrand, enden. Von dieser Netzstruktur rät Bartens allerdings ab. So müssten die Daten durch langsamere Kupferkabel weiter bis in die Wohnungen geschickt werden. Zudem wäre diese Struktur kaum förderfähig.

Zugleich legte er den Kommunalvertretern nahe, vorhandene Ressourcen zu nutzen. Denn rund 90 Prozent der Investitionskosten würden allein auf Tiefbauarbeiten entfallen, nur rund 10 Prozent auf Material- und Verlegungskosten. So sollten Synergien beim Wege- und Straßenbau, bei der Erneuerung von Gas- und Wasserleitungen sowie beim Stromnetzausbau verwendet werden. "Überall dort, wo gebaut wird, sollten sie überlegen, ob auch Glasfaserkabel verlegt werden können", verdeutlichte der Fachmann. Auch den Zusammenschluss mehrerer Gemeinden wäre denkbar, um von bestehenden Synergien gemeinsam zu profitieren.

Dieser Vorschlag stieß auf reges Interesse. So meldete Steffi Trittel, Bürgermeisterin der Hohe Börde, Bedarf an. "Wir sind sehr an Kooperationen mit anderen Gemeinden interessiert und sehen insbesondere den Landkreis gefordert, in dieser Hinsicht federführend aktiv zu werden", sagte die Gemeindechefin. Klare Aussagen dazu sowie zur aktuellen Handlungsempfehlung werden in den nächsten Wochen erwartet.