Kulturhaus für die Stadt nebst Parklandschaft, Markthalle, Ausstellungsort oder Stützpunkt der Tourist-Information - das sind nur einige Ideen für eine zukünftige Nutzung des historischen Bahnhofs und des dazugehörigen Areals. Bürger haben diese in den vergangenen Monaten bei der Eigentümerin, der Bewos, eingereicht.

Oschersleben l Die kommunale Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft hatte auf einer Informationsveranstaltung zur Geschichte des Gebäudes im November im Rathaus die Oschersleber dazu aufgerufen, sich Gedanken zur Zukunft des im 19. Jahrhundert errichteten Gebäudes zu machen. "Immerhin haben uns 25 Bürger ihre Ideen zugesandt", erklärte Bewos-Geschäftsführer Thomas Harborth gegenüber der Volksstimme. Ein Bürgerhaus als Begegnungsstätte, ein Vereinshaus mit Übungsräumen, mehrere kleine Sportstätten, ein Verkehrsgarten der Verkehrswacht, Ausstellungsräume oder Shop-Zeile im Erdgeschoss - interessant und umsetzbar seien nahezu alle Einfälle. "Wir streben ein Mischkonzept an, wollen den Bürger einerseits also tatsächlich kostenlose Angebote machen, andererseits müssen aber natürlich auch Mieten vereinnahmt werden", erklärte Harborth.

"Doch nun ist der Stadtrat gefragt", fordert der Bewos-Chef und meint damit die anstehende Verabschiedung der Oschersleber Haushaltssatzung für das laufende Jahr. In ihrer ursprünglichen Fassung vom Oktober waren für den Bahnhof noch rund 700000 Euro für die kommenden drei Jahre eingeplant. Doch wegen eines Millionenloches hatten die Stadträte die Verwaltung beauftragt, den Rotstift anzusetzen und eine Neufassung der Satzung vorzulegen. Das soll auf der nächsten Stadtratssitzung am 18. Februar passieren. "Nun müssen wir die Entscheidung abwarten, um weiter planen zu können", machte Harborth deutlich.

"Wir brauchen Klarheit seitens der Politik."

Für die Entwicklung des Bahnhofareals kommen laut dem Geschäftsführer zwei Fördermodelle in Frage. "Mittel können aus dem Programm Stadtumbau-Ost und dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung EFRE gespeist werden", erklärte er. Dabei könne entweder die Bewos als Bauherr das Zepter in die Hand nehmen oder aber die Stadt. Das ziehe zwei verschiedene Konsequenzen nach sich. Trete die Bewos als Bauherr auf, müsse die Stadt bei einer Förderung aus dem Stadtumbau-Programm selbst mit Zuschüssen von rund 13 Prozent der Gesamtinvestitionskosten geradestehen. Neben diesen Förderungen kann sich die Bewos am Kapitalmarkt bedienen. "Wenn jedoch die Stadt als Bauherr auftritt, also selbst der Investor ist, bekommt sie die Zuschüsse aus dem Fördertopf von Bund und Land", betonte Harborth.

Würden Fördermittel über das europäische Programm EFRE für die Nachnutzung städtischer Ensembles und Gebäude wie den alten Bahnhof akquiriert, wären private Investitionsmittel, also die der Bewos, nicht notwendig. Die Stadt müsste dann allerdings wiederum die Investitionen fördern, jedoch nur mit rund sieben Prozent. Weitere je sieben Prozent kämen von Land und Bund, 79 Prozent von der EU.

"Wir brauchen Klarheit seitens der Politik", fordert Thomas Harborth. Er hofft, dass die Diskussion um den Oschersleber Haushalt bald beendet ist, um endgültige Planungssicherheit auch für andere Investoren wie die Wohnungsgenossenschaft "Neues Leben" mit dem Wohngebiet am Damaschkeweg zu haben. Das Programm Stadtumbau-Ost, das nur in den definierten Prioritätsgebieten wie das Bahnhofsareal greift, werde nicht bis in alle Ewigkeit Mittel zur Verfügung stellen. Auch das EFRE-Programm läuft zunächst nur bis zum Jahr 2020. "Fünf Jahre sind allerdings nicht viel Zeit in Anbetracht eines solch großen Projektes", sagte Harborth und ergänzte: "Für Projekte, die im kommenden Jahr starten sollen, ist bereits am 30. November dieses Jahres Antragsschluss. Und durch die Komplexität solcher Förderprogramme ist bis dahin noch genug zu tun."

Der Bahnhof wurde von 1842 bis 1846 im klassizistischen Stil erbaut und ist heute eines der ältesten Bahnhofsgebäude Deutschlands. Nach der politischen Wende hatte ihn die Bahn stillgelegt.

In den vergangenen Jahren erwarb die Bewos das altehrwürdige Gemäuer und das rund 14000 Quadratmeter großen Gelände für die Stadt. Die Idee, hier ein neues Kombibad zu errichten, fand in einer Abstimmung des Oschersleber Stadtrates am 12. Februar des vergangenen Jahres keine Mehrheit.