Mit einer Rekordbeteiligung ging am Sonnabend die achte Auflage des 3-D-Bogenschießens um den Gröninger Winter- Bodepokal über die Bühne. 80 Schützen aus 22 Vereinen waren angereist, um auf dem etwa 1,5 Hektar großen Freigelände insgesamt 24 Tiere aus Styropor zu erlegen.

Gröningen l Plötzlich taucht ein Hase auf dem Freigelände des Gröninger Schützenvereins auf und schlägt gewaltige Haken. Die vielen Menschen ringsum mit den komischen gebogenen Dingern in den Händen scheinen ihm nicht ganz geheuer zu sein. Er legt noch einen Zahn zu, findet eine Lücke und sucht das Weite.

Sicherlich ist diesem Meister Lampe nicht bewusst, dass er soeben 80 gut bewaffneten Bogenschützen entkommen ist. Möglicherweise würde ihm dann noch im Nachhinein das kleine Hasenherz vor Angst stehenbleiben, zumindest aber ins Fell rutschen.

Wobei es dem einen oder anderen dieser 80 Bogenschützen vielleicht wirklich etwas in den Finger gejuckt, doch niemand von ihnen ernsthalt in Erwägung gezogen hat, auf diesen Hasen zu schießen. Denn diese Schützen sind am Sonnabend nicht nach Gröningen gekommen, um lebendigen Tieren den Garaus zu bereiten. Sie sind gekommen, um mit ihren Pfeilen Tiere aus Styropor zu treffen, dafür Punkte zu bekommen und wenn möglich am Ende mit einem Pokal in den Händen wieder nach Hause zu fahren.

2008 fand der erste Pokal-Wettbewerb statt

Und zwar mit dem Gröninger Winter-Bodepokal im 3-D-Bogenschießen. Denn genau um den geht es nunmehr zum achten Mal. Es war nämlich im Jahr 2008, als unter Regie der Abteilung Bogenschießen des Gröninger Schützenvereins der erste 3-D-Winter-Bodepokal ausgeschossen worden ist. Seinerzeit noch mit einer eher kleinen Beteiligung aus dem nahen Umfeld.

Diese Beteiligung hat sich von Jahr zu Jahr erhöht. "Der Gröninger Wettbewerb ist inzwischen zu einer festen Größe für die Bogenschützen aus ganz Sachsen-Anhalt geworden", wie beispielsweise Kathrin Dreßler aus Hedersleben (Landkreis Mansfeld-Südharz) sagt, die zu den besten Bogenschützinnen des Landes gehört. Was sie bei diesem Winterpokal-Wettbewerb auch von Anfang an wieder beweist. Ist sie doch beispielsweise die einzige aus ihrer Gruppe, die an der ersten Station bereits mit dem ersten Pfeil durch einen Baumstamm hindurch eine Ente trifft. Auch an weiteren Stationen ist sie erfolgreich und trifft. Nicht selten mit dem ersten Schuss.

Wettbewerbsstrecke ist etwa zwei Kilometer lang

Insgesamt haben der Gröninger Bogen-Abteilungsleiter Michael Lange und der Vereinsvorsitzende Siegfried Bartschte im Vorfeld des Wettbewerbs mit zahlreichen Helfern auf einer etwa zwei Kilometer langen Strecke 24 Ziele im Gelände verteilt. Allesamt Styropor-Tiere, die sich der Verein nach und nach angeschafft hat. Das kleinste Tier ist ein Maulwurf, das größte ein Bär. Weitere Ziele sind beispielsweise ein Waran, ein Dachs, ein Reh oder auch ein Krokodil, die je nach Größe aus einer Entfernung von 15 bis 30 Metern getroffen werden müssen. In einer ersten Runde stehen den Startern dafür jeweils drei Schüsse zur Verfügung, in der zweiten Runde haben alle nur noch einen Versuch.

Und so unterschiedlich wie die Ziele und die Entfernungen sind, sind auch die Bogen, mit denen in Gröningen geschossen wird. Die meisten Schützen reisen mit Recurvebogen an, die beispielsweise beim olympischen Bogenschießen genutzt werden. Aber auch etliche Compound-Bogen sind zu sehen, die nach dem Flaschenzug-Prinzip funktionieren und sehr kompliziert erscheinen. Wesentlich einfacher sind da hingegen die Blankbogen, die Jagdbogen und die Langbogen anzusehen, die auch in Gröningen benutzt werden.

Selbstgefertigter Bogen aus amerikanischem Holz

Mit solch einem vermeintlich einfachen Bogen geht beispielsweise der Wolmirsleber Klaus-Walter Pochert an den Start, der in den zurückliegenden Jahren in Sachsen-Anhalt als Bogen-Trainer bekannt geworden ist. In Gröningen jedoch steht bei ihm nicht der Erfolg, sondern stehen vielmehr Abenteuer und Spaß im Vordergrund. Weshalb er auch mit seinem Langbogen antritt, den er sich selbst aus amerikanischem Holz gebaut hat. Wie er sogar die Sehne für diesen Bogen aus sechs Fäden selbst angefertigt hat.

Nicht zu übersehen in der großen Schar der Bogenschützen ist auch Peter Oertel. Denn der ist in einer nahezu waschechten Trapper-Uniform aus Dessau nach Gröningen gekommen. In der er sich sichtlich wohl fühlt. Mehr Schein als Sein? Nein, wahrlich nicht. Denn Peter Oertel gewinnt nicht nur den Recurve-Bogen-Wettbewerb bei den Männern, sondern holt sich mit seinem Ergebnis auch einen der drei Landes-Pokale des Deutschen Schützenbundes. Die beiden anderen Landes-Pokale gehen nach Aschersleben und Hettstedt.

Wobei auch die Gastgeber absolut nicht leer ausgehen. Wofür vor allem die Gröninger Nachwuchsschützen sorgen. Allen voran die Kinder im Alter bis zu 13 Jahren mit dem Recurve-Bogen. Denn hier gewinnt Janick Kricheldorf vor seinen Vereinsmitstreitern Anne Möhring, Bahri Durmisi, Katharina Schmidt und Oliver Friebertshäuser. Zudem belegt in dieser Altersklasse Lisa-Marie Reinsdorf mit dem Blankbogen Rang 3. Mit den Plätzen 1 und 3 der beiden Jugendteams sowie dem 3. Rang der Männer in der Mannschaftswertung wird das gute Abschneiden der Gastgeber komplettiert.

Die Siegerehrung beginnt nach 18 Uhr

Und das auch sehr zur Freude des Vereinsvorsitzenden Siegfried Bartschte und des Bogen-Abteilungsleiters Michael Lange, die nach 18 Uhr die Sieger ehren und dabei ankündigen: "Im nächsten Jahr wird es bei uns den nächsten Winter-Bodepokal-Wettbewerb im 3-D-Bogenschießen geben."

   

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