Die Suppenküche und auch die Kleiderkammer der Oschersleber Tafel sind bei Bedürftigen eine wichtige Stütze, um den Alltag meistern zu können. Täglich bekommen bis zu 60 Personen eine warme Mahlzeit in der Einrichtung des DRK-Kreisverbandes Börde.

Oschersleben l Dienstag, 10 Uhr, in den Räumen der Tafel herrscht schon geschäftiges Treiben. Noch ist Zeit, bis das Mittagessen ausgegeben wird. Doch die Menschen warten bereits auf die Lebensmittelbeutel. An diesem Wochentag werden sie Obst, Gemüse und Süßigkeiten mit nach Hause nehmen können. "Ansonsten geben wir Lebensmittelbeutel nur freitags aus", erklärt die Leiterin der Einrichtung, Doreen Fricke. "Priorität hat bei uns die Suppenküche, für die in erster Linie die Lebensmittel, die wir aus den Discountern und Märkten bekommen, gebraucht werden, um täglich von montags bis freitags eine warme Mahlzeit kochen zu können." Obst und Gemüse jedoch, die schneller verderben, werden, sofern vorhanden, mehrmals in der Woche gegen einen geringen Obolus verteilt.

Speiseplan nach den vorhandenen Lebensmitteln

Doch Doreen Fricke und Mandy Oehlke, im DRK-Kreisverband Börde Leiterin Soziale Arbeit, wissen um die gute Zusammenarbeit mit den Märkten und Discountern der Region sowie mit einigen Bauern aus Wulferstedt und Ampfurth, die die Lieferung mit Lebensmitteln und Kartoffeln für die Bedürftigen absichern.

In der Küche des Hauses haben an diesem Dienstagvormittag um 9 Uhr Marion Bock und Ursula Trümper mit dem Kochen der Suppe begonnen, lecker sieht die Nudelsuppe aus. "Einen fertigen, draußen im Flur aufgehängten, Speiseplan für eine Woche werden Sie hier vergebens suchen. Wir müssen flexibel sein, kochen das Mittagessen je nach dem, was an Lebensmitteln vorhanden ist", erklärt Doreen Fricke weiter. Täglich werden zwischen 40 und 60 Portionen einer warmen Mahlzeit an Männer, Frauen und Kinder im unscheinbaren Gebäude an den Bahngleisen ausgeben. Doreen Fricke, die schon lange Zeit dabei ist, erinnert sich noch genau: Im Jahr 2000 wurde die Einrichtung als reine Suppenküche gegründet. Damals kamen acht Personen.

Im Verlauf der Jahre seien es immer mehr geworden und die Tendenz ist weiter steigend. Das habe auch etwas mit der Flüchtlingsproblematik zu tun. "Und diese sehen wir als neue Herausforderung und diese zwingt auch uns zum Nachdenken und zur Sensibilisierung unter den Besuchern wie unter den Mitarbeitern", erklärt Mandy Oehlke.

Im DRK-Kreisverband gibt es übrigens drei Tafeln, drei Kleiderkammern und zwei Obdachlosenunterkünfte.

Geschützter Raum und soziales Zentrum

Seit 2009 gehört die einstige Suppenküche Oschersleben dem Bundesverband der Tafeln an und trägt damit offiziell die Bezeichnung Oschersleber Tafel. "Die Stadt stellt das Gebäude und die Fläche. Die Menschen finden hier die Wärmestube und damit auch einen geschützten Raum, ein soziales Zentrum, wo sie auch mal nur quatschen, ihre Sorgen los werden können", so Mandy Oehlke. Im Gebäude befindet sich ebenfalls eine Obdachlosenunterkunft mit zwölf Plätzen, die aber nur sehr gering ausgelastet sind.

Ganze Familien kommen zur Tafel. Über das Projekt "Elan" des DRK-Landesverbandes werden für sie dreimal im Jahr Familienfreizeiten organisiert. "Im März geht es übers Wochenende nach Arendsee. Bereits 40 Familien haben sich angemeldet", erzählt Doreen Fricke.

Besondere Höhepunkt für große und kleine Leute sind in der Oschersleber Tafel Feste und Aktionen zu Ostern, Nikolaus, das Plätzchenbacken zu Weihnachten oder das Sommerfest.

Kindersachen und Babywäsche fehlen

Weit sind an diesem Morgen auch die Türen der Kleiderkammer geöffnet. Gut gefüllt sind die Regale und Kleiderständer vor allem mit Winterbekleidung. Bereits seit 2002 kommt Christina Schulze als ehrenamtliche Mitstreiterin zur Kleiderkammer, hilft die Regale aufzufüllen. "Was immer fehlt sind Kindersachen und vor allem Babywäsche", meint Doreen Fricke, die seit einiger Zeit im Kreisverband Börde für alle drei Tafeln und Kleiderkammern zuständig ist.

In der Oschersleber Tafel arbeitet ein eingeschworenes Team. Vor allem die ehrenamtlichen Mitstreiter sind schon viele Jahre dabei. Insgesamt acht Männer und Frauen versorgen von Montag bis Freitag die Bedürftigen. Darunter sind hauptamtlich Beschäftigte genauso wie Ehrenamtliche. Vier Mitstreiter fanden über das Beschäftigungsprogramm "Aktiv zur Rente" eine neue sinnvolle Beschäftigung.

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