Die Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes Oschersleben, im Volksmund eher als Politessen bekannt, haben im vergangenen Jahr 4309 Knöllchen verteilt. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von über 300.

Oschersleben l In der Oschersleber Innenstadt gibt es ausreichend Parkmöglichkeiten, zu dieser Meinung steht Ordnungsamtsleiter Gerd Ludwig nach wie vor. Zu den kostnelosen Parkflächen im unmittelbaren Stadtzentrum kommen zahlreiche private Flächen der Einkaufsmärkte. Von hieraus ist die Innenstadt zu Fuß ebenso schnell zu erreichen. Und trotz dieser Tatsache haben die Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes auch im vergangenen Jahr zahlreiche Parksünder ertappt und reichlich Knöllchen verteilt. Mandy Linke von der Zentralen Bußgeldstelle der Stadt berichtet, dass 2014 insgesamt 4309 Verwarnungen verteilt wurden. Das ist gegenüber 2013 eine Steigerung von mehr als 300.

Nicht jeder "Sünder" bezahlt das Knöllchen gleich oder legt gar Widerspruch ein. Das hatte im Jahr 2014 zur Folge, dass 422 Kostenbescheide verschickt werden mussten. "Das wird dann richtig teuer, denn die Kostenbescheide werden über eine Zustellungsurkunde an den Bürger versandt", erklären Mandy Linke und Gerd Ludwig.

Im vergangenen Jahr hat die Bode-Stadt insgesamt rund 57000 Euro aus Knöllchen und Bußgeldverfahren eingenommen, im Jahr 2013 waren es rund 51000 Euro. Blickt man dann auf das Jahr 2012 zurück, erscheinen die Einnahmen enorm gestiegen. Mandy Linke jedoch verweist darauf, dass im Jahr 2013 der Bußgeldkatalog geändert wurde und die Gebühren für eine Verwarnung von fünf auf zehn Euro angehoben wurden.

Auch 2014 hätte eine Knöllchen-Königin gekürt werden können. Eine Krone hätte jene Autofahrerin verdient, die 16 Mal verwarnt wurde.

Die Stadt Oschersleben verfügt über lediglich drei Parkscheinautomaten, zwei befinden sich am Hackelberg, einer steht am Marktplatz. "Die am Hackelberg wurden gerade mal wieder mit roher Gewalt zerstört. Wir müssen neue aufstellen", erklärt Gerd Ludwig. Mit 25 Cent für die halbe Stunde würde die Stadt keine Unsummen für das gebührenpflichtige Parken verlangen und doch riskieren viele Bürger die Knöllchen, würden keinen Parkschein ziehen oder würden einfach vergessen, die Parkscheibe gut sichtbar in das Auto zu legen.

Nicht immer werden Knöllchen anstandslos bezahlt, fühlen sich die "Sünder" ungerecht behandelt. So standen gerade in diesen Tagen zwei Herren mit ihrem Knöllchen in der Volksstimme-Redaktion. Dieses hätten sie zu unrecht auf einem Parkplatz im Brauwinkel "gefangen". Auf dieser Fläche ist das Parken bis auf einige wenige Plätze uneingeschränkt möglich. Die Sonderparkplätze sind durch entsprechende Schilder gekennzeichnet. Aber genau diese seien falsch, wie die Herren meinen. Die Pfeile würden verkehrt herum zeigen und damit den Anfang und das Ende der eingeschränkten Parkfläche nicht ordnungsgemäß kennzeichnen. "Dem ist aber nicht so. Der Pfeil nach Außen kennzeichnet jeweils das Ende, der Pfeil nach Innen jeweils den Anfang", erklärt Gerd Ludwig. "Die Verkehrszeichen stehen also richtig", macht er deutlich. In der Straßenverkehrsordnung seien die Schilder unter der Bezeichnung 314/10 (Anfang) und 314/20 (Ende) zu finden.

Gerd Ludwig betont, dass die Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes weitaus mehr Aufgaben zu erfüllen hätten, als "nur" den ruhenden Verkehr zu kontrollieren.

"Sie haben eine Vielzahl anderer Aufgaben zu erledigen", berichtet er. Dazu gehört die Kontrolle von Verkehrsschildern, die in regelmäßigen Abständen ebenso Opfer von Gewalt werden, wie die Parkscheinautomaten. Regelmäßig seien die Politessen auch in den Ortsteilen unterwegs. Die Dörfer werden abgefahren, um Dreckecken, das Aufstellen von Gerüsten oder die Einhaltung der Straßenreinigung zu kontrollieren. Auch das Kontrollieren des Winterdienstes gehöre dazu.

Eine positive Resonanz habe die Stadt auf die Änderung der Kehrzeiten für die Straßenreinigung und die damit bislang verbundenen Einschränkungen beim Parken in den Oschersleber Straßen erfahren. "Wir haben im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Dienstleister lange geplant und zusammengesessen, um die Kehrzeiten zu optimieren. Damit konnten wir die Einschränkungen, die manchmal den ganzen Tag ein Parkverbot mit sich brachten, auf zwei, drei Stunden eingrenzen", erklärt Gerd Ludwig.

 

Bilder