Osterweddingen l Was die Mitglieder des Bau- und Vergabeausschusses des Sülzetal-Gemeinderates bei ihrer Sitzung in der Vorwoche hörten, verheißt für die Zukunft des der Kommune gehörenden Hauses in der Mittelstraße 1 nichts Gutes. Der Magdeburger Prüfingenieur Professor Dieter Beyer hatte das Haus, das zum Ende des 18. Jahrhunderts gebaut wurde, vom Keller bis zum Dachgeschoss unter die Lupe genommen. "Man kann alles sanieren, man kann alles erhalten, es kostet nur sehr viel Geld", sagte der Experte.

Im Fall der Mittelstraße 1 schätzte Beyer auf Nachfrage eines Bauausschussmitgliedes ein, dass die Sanierung mindestens eine halbe Millionen Euro kosten werde. "Rechnen Sie eher mit der doppelten Summe", gab der Prüfstatiker eine Prognose ab, die aus seiner Sicht wegen der möglichen, verdeckten Baumängel sehr vage sei. Wie er in seinem mehr als 20 Seiten umfassenden Gutachten zusammenfasste, sehe Beyer in der fehlenden Standsicherheit des Kellers, des Daches sowie des nicht vorhandenen Brandschutzes die gravierendsten Baumängel des Hauses in der Mittelstraße 1.

Eine unmittelbare Gefahr gehe von dem Haus nicht aus, weshalb Beyer auch den Gehweg davor für die Nutzung nicht gesperrt habe. "Das Haus muss aber in Beobachtung bleiben", riet der Bausachverständige. Beyer kam in seinem Gutachten zu der Schlussfolgerdung, dass "aufgrund der Schäden an der tragenden Konstruktion eingeschätzt wird, dass Sanierungsarbeiten an allen nicht mehr tragfähigen Konstruktionsteilen erforderlich werden". Die Ertüchtigungsmaßnahmen würden die Dachkonstruktion, die Kellerdecke und die Kellerwände betreffen. Die Risse im Mauerwerk des Giebels seien hinsichtlich ihres Ausmaßes zu kontrollieren. Würden die Risse als eine Weite von mehr als zwei Millimeter umfassen, seien sie zu sanieren. Das Treppenhaus sei mit Sicht auf die brandschutztechnischen Anforderungen an einen ersten Fluchtweg zu ertüchtigen.

Für Osterweddingens Ortsbügermeisterin und Sülzetal-Gemeinderätin Birgit Wasser- thal (CDU) war die Aussage von Professor Beyer bedeutsam, dass das Haus saniert werden könne. Schließlich gehöre die Mittelstraße 1 zu den ortskernprägenden Gebäuden von Osterweddingen. Madeleine Bürger, Bauamtsleiterin der Einheitsgemeinde Sülzetal, betonte, dass die Gemeinde über eine sogenannte Erhaltungssatzung verfüge. Das bedeute, dass der Ortskern von Osterweddingen ein bestimmtes Aussehen habe müsse und die Straßenansicht nicht ohne Weiteres verändert werden könne. Für Madeleine Bürger stehe jedoch auch fest, die Gemeinde habe kein Geld, um die Mittelstraße 1 zu sanieren.

Die Mitglieder des Bau- und Vergabeausschuss des Gemeinderates einigten darauf, dass die Zukunft der Mittelstraße 1 zunächst im Osterweddinger Ortschaftsrat diskutiert werden solle. Später müsse der Gemeinderat des Sülzetals entscheiden, was mit dem Haus passiere. Sanierung, Verkauf oder Abriss seien mögliche Varianten. Durch den DRK-Kreisverband Wanzleben gebe es womöglich eine Vorstellung, wie das Gebäude nach einem Umbau genutzt werden könne. Diese setze jedoch voraus, dass das DRK das Haus sowie den Grund und Boden, auf dem es stehe, kaufe. Da es sich bei der Mittelstraße 1 jedoch um kommunales Eigentum handele, müsse es bei einem geplanten Verkauf zuvor öffentlich ausgeschrieben werden. Mit einem Ergebnis, das heute noch nicht abzusehen sei.

Die Gemeinde hatte die DRK-Begegnungsstätte, die sich in der Mittelstraße 1 befand, im Dezember wegen der Baufälligkeit für eine Nutzung gesperrt. Die Senioren weichen seitdem mit ihren Veranstaltungen in die Cafeteria des DRK-Altenpflegeheims "Rusches Hof" oder in das Pfarrhaus aus. Zur Abstützung der Decken hatte die Gemeinde auf eine frühere Empfehlung des Prüfstatikers Dieter Beyer hin im Dachbereich und im Obergeschoss Pfeiler einziehen lassen. Das Dach über dem Arztpraxisbereich von Allgemeinmedizinerin Kathrin Becker habe keine Schäden gezeigt, die die Tragfähigkeit einschränkten. In diesem Gebäudeteil seien keine Sicherungsmaßnahmen erforderlich gewesen, so dass es weiter genutzt werden konnte. Die Landärztin, die seit Jahren in der Mittelstraße ihre Praxis hat, suchte sich inzwischen neue Räume und wird in absehbarer Zeit umziehen. Bis zu diesem Zeitpunkt praktiziert sie in der Mittelstraße weiter. Die Mieter der Wohnungen werden ausziehen. Arztpraxis und Wohnungen waren von der Nutzungsuntersagung durch die Gemeinde nicht betroffen.

Bilder