Die Lebensgeschichte des reiselustigen Pfarrers Borchard, der einst den amerikanischen Kontinent erkundete, hat am Sonntag enormes Interesse auf sich gezogen. Zur Freude der beiden Autoren war der Luthersaal im Ummendorfer Pfarrgarten voll besetzt.

Ummendorf l Wenn die Luft im Luthersaal nicht knapp geworden wäre, hätten es die rund 80 Ummendorfer und Gäste kaum gemerkt, dass die eingeplante Stunde für die Buchlesung schon um war. Das lag vor allem an der interessanten und humoristischen Art des Vortrags über das abenteuerliche Leben und Wirken des Pastors Dr. Hermann Georg Borchard, über den der Pfarrer im Ruhestand Gunther Hirschligau und der heimatgeschichtlich interessierte Kriminalist a.D. Volker Limburg ein Buch geschrieben haben. Borchard war von 1872 bis zu seinem Tod 1891 Pastor in Ummendorf, hatte aber vorher ein ruheloses Leben vor allem in Amerika geführt.

"Als ich vor einem Jahr ein kleines Päckchen mit den Tagebüchern erhielt, ahnte ich bald, dass das etwas Wertvolles sein muss. Nachdem ich mich mit Volker Limburg darüber ausgetauscht hatte, wurde mir klar: das ist ein Schatz", berichtete am Sonntag Gunther Hirschligau über die Entstehung der Idee, eine Biografie daraus zu machen.

Verlobung und Ringetausch über den großen Teich

"Ich habe über 420 Seiten gelesen, die in Kurrentschrift vorliegen", lässt Volker Limburg einen Einblick in das aufwändige Vorgehen zu. Er hätte einen vollen Monat, täglich acht bis zehn Stunden für die Übertragung in eine lesbare Schrift benötigt. "Es war fast abenteuerlich, sich in die Schrift einzulesen." Das sei dann aber immer besser gegangen, besonders, weil sich die Aufzeichnungen über abenteuerliche Erlebnisse des Pastors, der eigentlich aus Ostpreußen kam, wie ein Krimi hatten lesen lassen. So schildert Borchard zum Beispiel seine Begegnungen auf der 14-tägigen Überfahrt mit dem Segelschiff nach Amerika, von wo aus zwei Jahre später eine transatlantische Verlobung mit Elise aus dem fernen Konitz in Westpreußen erfolgte. Die Ringe wurden per Post getauscht.

Aus den Tagebüchern hatte Limburg auch herausgelesen, dass Borchard eine besondere soziale Ader hatte, dass sein Zwillingsbruder früh verstarb und dass seine Schwester in den USA eine erfolgreiche Malerin war.

Mit seiner Rückkehr nach Deutschland erreichte ihn die Order des Oberkirchenrates in Berlin, in Ummendorf sein Amt anzutreten. Hier hatte er zunächst Schwierigkeiten mit der Sprache und den Menschen. Vielleicht trat er deshalb noch mehrmals die Flucht nach Amerika oder Italien an, meinte Volker Limburg. Und obwohl Pastor Borchard 1891 in Greifswald verstarb, wurde er in Ummendorf beigesetzt.

Mehr Geschichten des Mannes, von dem die Autoren sagen, er war ein kleiner Mann mit großem Geist, sind in dem Buch nachzulesen, das nicht im Handel sondern nur über eine Bestellung bei Gunther Hirschligau erhältlich ist.

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