Die Sanierung des Gröninger Rathauses ist beschlossene Sache. Doch noch ehe die Bauarbeiter anrücken, muss der Stadtrat einen "Nachschlag" für den Haushalt 2016 beschließen. Aus dieser zusätzlichen Belastung für das Stadtsäckel entspann sich eine Diskussion um die Eigentumsverhältnisse des altehrwürdigen Gebäudes.

Gröningen l Als am Montagabend bis in die späten Abendstunden der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrates Gröningen tagte, sollte in zwei Tagesordnungspunkten die anstehende Sanierung des Gröninger Rathauses eine große Rolle in den Diskussionen spielen.

Im Haushaltsplan für das laufende Jahr wurden für die Sanierung des Rathauses, das Fachwerk und andere Holztragwerksteile müssen dringend saniert werden, Mittel in Höhe von 506000 Euro eingestellt. Rund 200000 Euro muss die Stadt aus der eigenen Tasche bezahlen. Hierbei handelt es sich um nicht förderfähige Kosten.

Während einer Beratung mit dem zuständigen Ingenieurbüro wurden erste Kostenschätzungen vorgestellt. Diesen Schätzungen lagen ein Schadensgutachten und die Ergebnisse der statischen Prüfung zugrunde. Zudem wurden die Kosten für die Erneuerung aller Fenster, außer die des Sitzungssaales, für eine Insektenbekämpfung der Holzbauteile bei möglichem Befall und das Verlegen neuer Fußböden sowie eine malerische Instandsetzung der Büroräume eingerechnet. Wie Bauamtsleiterin Ines Philipp während der Haupt- und Finanzausschusssitzung berichtete, ergeben sich aus der Kostenschätzung zwei Varianten. Würde die gesamte Fassade als Holzfachwerkfassade saniert werden, entstünden Kosten in Höhe von 665000 Euro. Variante zwei sieht vor, dass nur auf der Straßenseite ein Holzfachwerk gebaut wird, Giebel und Hofseite würden als Mauerwerk mit Wärmedämmung saniert. Dabei würde gespart, die geschätzten Kosten belaufen sich dann auf 611300 Euro. Doch auch die letztgenannte Sparvariante liege mit ihren Kosten über dem derzeitigen Haushaltsansatz. "Somit haben wir weitere Einsparungen diskutiert. So könnten wir auf den Einbau neuer Fenster verzichten. Die Insektenbekämpfung würde nur vorgenommen, gäbe es tatsächlich einen Insektenbefall. Momentan gibt es keine Hinweise, ob die Holzwürmer noch aktiv sind. Auf die Beplankung der Sparrenunterseiten im Spitzboden können wir ebenso verzichten", erklärte Ines Philipp den Ausschussmitgliedern.

Mit diesen genannten Maßnahmen konnte die Kostenschätzung auf insgesamt 532000 Euro reduziert werden. Dies wiederum habe allerdings auch Auswirkungen auf die förderfähigen Kosten. Sie reduzieren sich, damit steigt aber der Eigenanteil der Stadt um 35000 Euro. Diese zusätzlichen Mittel müsse der Stadtrat genehmigen. "Gehen wir davon aus, dass die Bauzeit neun Monate beträgt, Baubeginn im Juli ist, müssen die zusätzlichen Mittel im Haushalt 2016 eingestellt werden", führte Ines Philipp weiter aus. Während der gesamten Bauphase solle der Stadtrat über die Kostenentwicklung informiert werden.

Wenn auch mit Bauchschmerzen stimmten die Mitglieder des Haupt-und Finanzausschusses zu, die zusätzlich benötigten 35000 Euro in den Haushalt 2016 einzustellen. Für Bauchschmerzen sorgt bei den Räten vor allem die Frage, ob schlussendlich die genannte Summe reicht und sich nicht während der Bauarbeiten böse Überraschungen mit zusätzlichen Kosten einstellen. "Die 35000 Euro sind wohl die optimistische Variante", meinte Stadträtin Vera Jander.

"Die Erneuerung des Fußbodens und die Malerarbeiten sind Sache des Nutzers und damit der Verbandsgemeinde", warf Dr. Raimo Modler ein und trat damit eine Debatte los, die an diesem Abend dazu führte, dass über eine weitere Beschlussvorlage, die ebenso das Gröninger Rathaus betraf, nicht befunden wurde.

Über das Rathaus muss man wissen, dass dieses zu 16,2 Prozent auch der Stadt Kroppenstedt gehört. Und damit wären die Kroppenstedter angehalten, sich ebenso an der Sanierung des historischen Gebäudes zu beteiligen.

Doch inzwischen gibt es den Beschluss "Übernahme der Eigentumsanteile der Stadt Kroppenstedt am Grundstück Markstraße 7 (Rathaus) in Gröningen auf die Stadt Gröningen". Die Übernahme solle unentgeldlich passieren. Während die Kroppenstedter Stadträte dieser Beschlussvorlage bereits in der vergangenen Woche zugestimmt haben, herrscht unter den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses in Gröningen mehrheitlich die Auffassung, dass die Kroppenstedter sich nicht so einfach aus ihrer Verantwortung stehlen könnten, schließlich würde Eigentum verpflichten.

Zudem sehen sich die Gröninger Räte vor allem mit der finanziellen Last für das Rathaus auch von der Verbandsgemeinde im Stich gelassen. "Es ist eine dumme Situation, wenn Nutzer und Eigentümer zwei unterschiedliche Personen sind. Dieser Fehler wurde beim Zusammenschluss zur Westlichen Börde gemacht", meinte der neue Bürgermeister Ernst Brunner. Die Gröninger Räte plädierten am Montagabend mehrheitlich dafür, dass nach den Sanierungsarbeiten die Verbandsgemeinde auch Eigentümer des Gröninger Rathauses werden soll.