Die Lehrer-Gewerkschafthat ihre Mitglieder zu einem Warnstreik in Wanzleben aufgerufen. Am Dienstag soll von 13 bis 15 Uhr die Arbeit ruhen. Zeitnah wird es auch einen Streik in Haldensleben geben.

Wanzleben l Kurz vor der nächsten Länder-Tarifrunde wollen die Lehrerinnen und Lehrer im Landkreis ihren Forderungen nach gerechterer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck verleihen. Wie der Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Volker Thiele, sagte, soll es am Dienstag, 3. März, zunächst in Wanzleben einen Warnstreik geben. Um 13 Uhr sollen die Lehrer sich in das Streiklokal im Wanzleber Kulturhaus begeben, wo eine heiße Suppe auf die Streikenden wartet. Der Warnstreik steht unter dem Motto "Heiße Suppe ist uns zu wenig - Gute Bildung ist MehrWert!". "Wir haben für den ersten Warnstreik extra diese Uhrzeit genommen, denn dann sind die Grundschulen in der Regel nicht betroffen", erklärt Thiele.

Was fordern die Lehrer? Zunächst soll in der Tarifrunde eine Gehaltserhöhung von 5,5 Prozent durchgesetzt werden. Es stehen jedoch noch andere Forderungen im Mittelpunkt (siehe Infokasten).

Nach dem Warnstreik am Dienstag in Wanzleben soll noch ein weiterer Warnstreik in Haldensleben folgen. "Das wird schon zeitnah geschehen", erklärt Thiele. Wann, wird erst zwei Tage vorher angekündigt. Allerdings wird dann auch hier erst ab 13 Uhr gestreikt werden. Und spätestens in der darauffolgenden Woche wird ein ganztägiger landesweiter Lehrerstreik erwartet.

Rund 1000 Mitglieder hat die GEW im Landkreis. Dabei sind die Gehälter sehr unterschiedlich. Angestellte Lehrer verdienen deutlich weniger als die verbeamteten Pädagogen. "Es kann nicht sein, dass Angestellte nach Gutsherrenart bezahlt werden", sagt Thiele. Eine zentrale Forderung ist deshalb, eine tarifliche Angleichung der Entgeltgruppen an die Beamtenbesoldung.

Aber es sei nicht nur die Bezahlung, die bei vielen Lehrern für großen Frust sorgen würde. Seit einem halben Jahr bietet die GEW ein landesweites Sorgentelefon für Lehrer, Eltern und Schüler an. Betroffene von vielen Schulen aus dem Landkreis Börde hätten sich dort bereits gemeldet. Besonders frustrierend sei für viele die schlechte Lehrerversorgung. Es gebe Schulen im Landkreis, die hätten eine Lehrerauslastung von deutlich unter 100 Prozent. Das bedeutet, selbst wenn alle Lehrkräfte da seien, müsste Unterricht ausfallen. Dabei liegt die Zahl der langzeiterkrankten Lehrkräfte bundesweit allein schon bei 2,3 Prozent. Dazu kommt das mit 53 Jahren hohe Durchschnittsalter der Lehrer. "Zwar wurde mit einigen Neueinstellungen versucht, das glattzuziehen, aber es ist immer noch eine Mangelverwaltung", so Thiele. Die Folge des Lehrermangels sei nicht nur, dass der Unterricht ausfalle, sondern auch, dass Lehrer so gezwungen seien, zusätzlichen Unterricht zu machen. Andererseits dürfen sie maximal 80 Überstunden machen, die laut Arbeitszeitverordnung spätestens im nächsten Schuljahr abzubauen seien. Die Folge sei, dass der Lehrermangel dadurch noch weiter forciert werde.

An Grundschulen sei das Thema Inklusion wiederum ein großes Problem. "Das ist nicht ausreichend vorbereitet worden. Es fehlt an allen Ecken und Enden", sagt Thiele. Die zusätzlichen Pädagogen, die diese Schulform benötige seien nicht ausreichend eingestellt worden, und so müssten sich Grundschullehrer mit zusätzlichen Aufgaben beschäftigen.

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