Vor drei Wochen hat Hannelore Vetter aus Neudamm unweit ihres Wohnortes einen Wolf gesehen. Die jüngste Volksstimme-Veröffentlichung über Wolfs-Ansiedlungen in Sachsen-Anhalt hat sie bestärkt, über ihre Begegnung mit Isegrim zu reden.

Neuwegersleben l Nichtsahnend ist Hannelore Vetter mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause, also auf dem Weg von Neuwegersleben nach Neudamm unterwegs. Da glaubt sie etliche Meter voraus einen grauen Schäferhund zu sehen. Aber weit und breit kein Herrchen oder Frauchen. Auch wenn Hannelore Vetter weiß Gott keine Angst vor Hunden hat, steigt sie intuitiv vom Rad. Um dann vom Radweg an der B245 aus ruhigen Auges fest-zustellen, dass dort auf dem Acker neben dem Großen Graben kein Hund, sondern ganz seelenruhig ein Wolf steht.

"Ich habe inzwischen meinen vierten Hund und somit sehr viel Erfahrungen mit solchen Vierbeinern. Deshalb war ich mir ganz schnell sicher, dass das kein Hund, sondern ein Wolf ist. Da wurde mir auch schon ein wenig mulmig zumute", so Hannelore Vetter drei Wochen später.

Die aber an diesem Tag den Wolf vor Augen nicht in Panik gerät, sondern das Tier beobachtet, wie es beidreht und parallel zum Großen Graben in das Große Bruch Richtung Birkenwäldchen davontrabt. Dabei stellt Hannelore Vetter fest, dass es ein ziemlich geschundener Wolf ist, dem das Fell hier und da runterhängt. Kurz darauf ist Isegrim aus dem Blickfeld verschwunden.

Hannelore Vetter setzt sich wieder auf ihr Fahrrad und fährt mit etwas zitternden Knien nach Hause. Wo schließlich auch noch ihre allerletzten Zweifel verschwinden, dass sie gerade eine Begegnung mit dem Wolf hatte. Denn der Schäferhund eines ihrer Nachbarn läuft genau dort umher, wo Hannelore Vetter gewohnt ist, ihn zu sehen. "Auch wenn ich mir eigentlich ganz sicher war, dass ich keinen Schäferhund, sondern ein Wolf gesehen habe, hatte ich irgendwie noch in Erwägung gezogen, dass der graue Hund meines Nachbarn ausgebüxt ist und mich getäuscht hat", so Hannelore Vetter.

Die Gedanken an dieses Erlebnis mit dem Wolf lassen Hannelore Vetter in den nächsten Tagen nicht los. Aber da sie befürchtet, dass ihr wie schon bei einer ersten Begegnung dieser Art vor zwei Jahren wieder niemand glauben wird, redet sie nur mit ihrer Schwester darüber, die weit weg vom Geschehen in Halle wohnt.

Das Ganze ändert sich, als die Volksstimme jetzt einen Bericht über Wolfs-Ansiedlungen in Sachsen-Anhalt veröffentlicht. In dem das Landesamt für Umweltschutz nicht nur über sechs nachgewiesene Wolfsrudel mit insgesamt 49 Tieren informiert, sondern auch darüber, dass es weitere Hinweise auf Wölfe in Sachsen-Anhalt gibt, die vor allem im Landkreis Börde, beispielsweise bei Hundisburg, bei Weferlingen und bei Neuwegersleben gesichtet worden sind. "Da ich meine Beobachtungen nicht weitergegeben habe, hat also noch jemand anders hier bei uns den Wolf gesehen", so Hannelore Vetter, die jetzt auch ihre erste Wolfsbegegnung vor zwei Jahren bestätigt sieht. "Damals bin ich im Auto eines Bekannten mitgefahren und habe einige Hundert Meter vor der Hornhäuser Einnahme am Wegesrand einem Wolf in die gelben Augen geblickt", sagt Hannelore Vetter: "Diese Wolfsaugen werde ich sicher nie vergessen."

Auch wenn Hannelore Vetter nicht davon ausgeht, dass ihr in ihrem Leben noch eine dritte Wolfsbegegnung in freier Natur vergönnt sein wird, ist sie nun bei ihren Spaziergängen noch aufmerksamer als bisher. "Wenn ich jetzt mit meinem Jack-Russell-Mischling Paul in der Umgebung von Neudamm unterwegs bin, dann gucke ich mich noch intensiver um", sagt Hannelore Vetter.

   

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