Zwielichtige Mediaberater sind derzeit in Oschersleben unterwegs, um Telefonverträge mit dubiosen Nebenabreden abzuschließen. So werden eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von knapp 20 Euro sowie knapp 70 Euro im Falle einer Vertragsstornierung fällig.

Oschersleben l Maik Habedank ist als Techniker des Telefonanbieters Vodafone in der Region unterwegs. Im Auftrag seines Unternehmens rückt er zumeist technischen Störungen zuleibe. Ab und an ist er Kunden auch bei den Anschlüssen ihrer Telefonkabel behilflich - so wie bei Gerda Teulecke aus Oschersleben. Doch als er bei der Seniorin einen Vertrag über Telefon-Leistungen in die Hände bekommt, traut er seinen Augen nicht. "Die Rechnung über das Basispaket geht zwar in Ordnung. Aber das Drumherum stimmt einfach nicht", findet Habedank.

"Hier wird versucht, über die Hintertür Kasse zu machen."

Vodafone-Techniker Maik Habedank

"Das Ganze hat mit einem Anruf am 20. Januar begonnen", erinnert sich Gerda Teulecke. Am anderen Ende der Leitung sei ein Mann gewesen, der sich als Vodafone-Mitarbeiter ausgegeben und erklärt habe, der bestehende Vertrag sei mittlerweile zu teuer. Ein Tarifwechsel spare Geld und er würde demnächst einen Kollegen vorbeischicken, der sie berate. "Der Mann klingelte jedoch nur wenig später an meiner Tür und legte mir einen Vertrag vor. Später bemerkte ich, dass es sich um einen Anbieterwechsel handelte. Dieses ganze Durcheinander ist einfach nicht zu verstehen", sagt Gerda Teulecke.

Fakt ist: Die Oschersleberin hat einen Vertrag über eine Internet-Flatrate in Höhe von 19,95 Euro unterschrieben, die sie ihrer Meinung nach nicht benötigt. "Ich telefoniere doch nur. Internet brauch` ich nicht", schüttelt sie den Kopf. Doch es kommt noch schlimmer. Denn dem Vertrag liegt zu eine sogenannte Kundenbestätigung bei. Diese besagt, dass Gerda Teulecke auch noch 19,95 Euro für eine Bearbeitungsgebühr zahlen muss. "Beide Beträge sind schon abgebucht", betont sie. Außerdem findet sich auf dem Papier eine Gebühr, die fällig wird, wenn der Vertrag seitens der Kundin storniert werden würde. Beide Verträge stammen von einem Mitarbeiter der Firma "2M4U Media GmbH" aus dem Sülzetal.

"Das ist nicht in Ordnung", schimpft Vodafone-Techniker Maik Habedank und ergänzt: "Hier wird versucht, über die Hintertür Kasse zu machen, nämlich über zusätzliche Gebühren." Der Verdacht liegt nahe, dass vor allem Senioren ausgenutzt würden. "Hier geben sich Leute als Vertriebspartner von Kabel Deutschland und Vodafone aus. Doch ein echter Mediaberater des Unternehmens kann sich mit einer Kennziffer ausweisen", weiß Habedank. Diese sei in abgeschlossenen Kundenverträgen immer vermerkt. Bei Frau Teulecke sei dies allerdings nicht der Fall. Schlimmer noch: Tatsächlich trägt der Vertrag über die Internet-Flatrate nur die Unterschrift der Kundin, vom Mediaberater selbst ist er nicht ratifiziert worden.

"Das Ganze ist schon verwirrend", meint auch Sohn Herbert Teulecke und fügt hinzu: "Hier kommen Leute an, geben sich als Kabel-Deutschland-Vertreter aus, vertreiben Vodafone-Verträge und sind dann von einer ganz anderen Firma. Und weshalb ist ein Anbieterwechsel nötig? Meine Mutter war doch schon bei Vodafone", verzweifelt der Mann.

"Es gibt offenbar freie Vertreter, die in fremden Revieren räubern."

Bewos-Chef Thomas Harborth

Tatsächlich hatte der Telefonanbieter Vodafone seinen Konkurrenten und Anbieter von TV-Leistungen, Kabel Deutschland, bereits im Herbst 2013 gekauft. Damit sind nun Mediaberater für das neue Unternehmen, das vorerst beide Namen trägt, unterwegs.

Gerda Teulecke scheint nicht die einzige Kundin in Oschersleben zu sein, die von dem Mitarbeiter des Beratungsunternehmens aus dem Sülzetal besucht worden ist. "Bei uns sind in den vergangenen Wochen mehrere Beschwerden eingegangen", bestätigt der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft "Neues Leben", Christian Reimann. Er rät seinen Mietern, nur mit jenen Kabel-Deutschland-Vertretern Verträge abzuschließen, die mit ihren Namen und Kontaktdaten in den Hausfluren aushängen. Diese könnten mit der Bitte angesprochen werden, bereits abgeschlossene, sinnlose Verträge zu stornieren. "Wir haben für jedes unserer Häuser Infoblätter aushängen, die ausdrücklich vor anderen dubiosen Mediavertretern warnen", betont der WG-Chef.

Auch Thomas Harborth, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsgesellschaft Bewos, warnt vor den dubiosen Geschäftsabschlüssen und verweist ebenfalls auf die Kontaktdaten der Kabel-Deutschland-Vertreter, die in den Fluren der eigenen Häuser aushängen. "Es gibt offenbar freie Vertreter, die in fremden Revieren räubern. Vor denen warnen wir ausdrücklich", betont der Bewos-Chef und fügt hinzu: "Wir tun alles, um unsere Mieter zu schützen. Gern können sich Betroffene bei uns melden, wir helfen gerne weiter."

Ein Anruf unter der Telefonnummer, die auf einer "2M4U"-Visitenkarte vermerkt ist, um die Geschäftsleitung um eine Stellungnahme zu bitten, führt zu keinem Ergebnis. Unter dieser Rufnummer existiert offenbar kein Anschluss. Doch nach weiteren Volksstimme-Recherchen ist das Unternehmen tatsächlich als autorisierter Vertriebspartner für Kabel Deutschland tätig. "`2M4U Media GmbH` ist erst seit kurzem Partner in unserem Vertriebsnetz und kam über eine Empfehlung zu uns. Uns war nicht bekannt, dass die Firma eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr erhebt", erklärt Kabel-Deutschland-Sprecherin Teresa Staill und fügt hinzu: "Wir werden die Darstellungen des vorliegenden Falls daher zum Anlass nehmen, die Zusammenarbeit mit der Firma `2M4U Media GmbH` eingehend zu prüfen und behalten uns vor, die gebotenen Maßnahmen einzuleiten."

"Wir möchten Frau Teulecke für die entstandenen Unannehmlichkeiten und Bearbeitungsgebühren zwei Monate Entgelt erlassen."

Teres Steill, Kabel Deutschland

Der Vertrag über die Internet-Flatrate sei für Gerda Teulecke die kostengünstigste Lösung. Auch wenn sie den Internetbestandteil nicht nutze, würde für den reinen Telefonvertrag ein höheres Entgelt pro Monat fällig.

Außerdem hält die Unternehmenssprecherin eine gute Nachricht für Gerda Teulecke parat: "Aus Kulanz und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht möchten wir Frau Teulecke für die entstandenen Unannehmlichkeiten und die Bearbeitungsgebühren zwei Monate Entgelt erlassen."