Oschersleben l Auf den vor einer Woche veröffentlichten Volksstimme-Beitrag "Dubiose Telefonverträge - Seniorin fällt auf zwielichtigen Mediaberater rein" haben mehrere Leser empört reagiert. "Auch meine 78-jährige Schwester Ursula Hoffmann wurde am 31. Januar Opfer der Firma `2M4U`", erzählt beispielsweise die Oschersleberin Sieglinde Kohl und schimpft weiter: "Doch die einmaligen Hardwarekosten betragen im Fall meiner Schwester nicht nur einen Euro wie bei Frau Teulecke, sondern stolze 40 Euro. Und als offenbar sowieso schon unseröse Bearbeitungsgebühr erhebt der Berater nicht knapp 20, sondern ebenfalls fast 40 Euro. Dagegen wurden meiner Schwester keine Stornogebühren angedreht."

Für Siegline Kohl trotzdem Gründe genug, um mit der dubiosen Firma direkt in Kontakt zu treten und "die dubiosen Vorgänge vor Ort zu klären. Für uns war das Büro hinter einem Teppichmarkt in Altenweddigen zunächst sehr schwierig zu finden." Der anwesende Vertriebsleiter und seine Mitarbeiterin hätten versprochen, den Telefonvertrag bis Januar 2016 zu stunden sowie die ungerechtfertigten Beträge gutzuschreiben. "Dieses Versprechen bleib bisher unerfüllt", macht sich die Volksstimme-Leserin Luft. Denn bisher würden die entsprechenden Beträge weiterhin vom Konto ihrer Schwester abgebucht. "Für nicht erbrachte und nicht beanspruchte Dienstleistungen Gelder zu kassieren, ist kriminell. Meine Schwester fühlt sich arglistig getäuscht", betont die Oschersleberin und verspricht, sofort einen Anwalt aufzusuchen.

Die Volksstimme hatte in ihrer Ausgabe vor einer Woche berichtet, wie die Seniorin Gerda Teulecke von einem Mediaberater der Firma "2M4U" abgezockt worden war. Ihrem Vertrag über eine Internet-Flatrate bei dem Telefonanbieter Vodafone lag eine Erklärung bei, die besagt, dass sie zusätzlich 19,95 Euro für eine Bearbeitungsgebühr abdrücken muss sowie eine weitere Gebühr in Höhe von fast 70 Euro im Falle einer Vertragsstornierung.

Nach Volksstimme-Recherchen ist die "Firma 2M4U Media" tatsächlich als autorisierter Vertriebspartner für "Vodafone-Kabel Deutschland" tätig. "Sie ist erst seit kurzem Partner in unserem Vertriebsnetz und kam über eine Empfehlung zu uns. Uns war nicht bekannt, dass die Firma eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr erhebt", hatte Unternehmenssprecherin Teresa Staill erklärt und hinzugefügt: "Wir werden die Darstellungen des vorliegenden Falls daher zum Anlass nehmen, die Zusammenarbeit mit der Firma 2M4U Media GmbH eingehend zu prüfen und behalten uns vor, die gebotenen Maßnahmen einzuleiten." Außerdem hatte sich die Sprecherin bei Gerda Teulecke entschuldigt und versprochen, der Kundin aus Kulanz zwei Monate Entgelt erlassen.

Gerda Teulecke und Ursula Hoffmann sind bei weitem nicht die einzigen, die von dem zwielichtigen Mitarbeiter des Beratungsunternehmens aus dem Salzlandkreis besucht worden sind. "Wir hatten bisher eine Rückmeldung auf den Volksstimme-Artikel. Die betroffene Mieterin hatte ebenfalls solch einen neuen Vertrag unterschrieben", sagt der Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsgesellschaft Bewos, Thomas Harborth. Er unterstellt jedoch, dass es noch mehr Fälle gibt, weil die Mieterin in einem Gebiet mit einer hohen Dichte an Einwohnern lebe.

"Wir wissen von insgesamt sieben Mietern, die sich hilfesuchend an uns oder die autorisierten Mediavertreter von Vodafone-Kabel Deutschland gewendet haben", berichtet Birgit Tiebe, Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft "Neues Leben". Die autorisierten Vertreter, es sind übrigens die selben, die auch für die Mieter der Bewos unterwegs sind, hätten sich darum gekümmert, alle mit "2M4U" abgeschlossenen Verträge rückgängig zu machen. Dennoch warnt Tiebe ausdrücklich vor dem dubiosen Mediaberater, der jetzt nur noch als Vertreter für Vodafone unterwegs sei, aber neben Telefon- nun auch Stromverträge abschließe.