Langenweddingen l Zu den Osterfeiertagen startet das "Ostalgie-Kabinett" in Langenweddingen in die neue Saison. Als völlig neue Abteilung und 20. Raum des Museums präsentiert sich in diesem Jahr das Kinderspielzimmer - vollgestopft mit hunderten Artikeln für den Nachwuchs in der DDR. "Unser neuestes Ausstellungsstück ist ein original Zekiwa-Puppenwagen. Den hatte auch meine Tochter vor 40 Jahren. Als sie den jetzt sah, hat sie sich riesig gefreut", erzählt Erika Grüner. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernd und Sohn Dirk eröffnete sie vor elf Jahren das "Ostalgie-Kabinett".

Auch im Konsum gibt es viel Neues zu bestaunen. So findet sich neben über 600 Spirituosen, alle seit jeher noch verschlossen, auch eine Vitrine mit Zucker, Puddingpulver oder Mehl. "Keine Packung wurde jemals geöffnet", verspricht Dirk Grüner. Es riecht wie in einer typischen Drogerie in der Ladenzeile neben dem Gemüseladen. Kein Wunder, denn 179 Sorten Seife findet der Besucher im Regal. Auch an Tabakwaren fehlt es nicht. Hier sind Zigaretten der Marken Duett, Monate Cristo, Kenton, Inka, Salem oder F58 aus den Werken des VEB "Dresdener Zigaretten-Fabriken" zu finden.

Neu ist auch das Zimmer mit Nähbedarf und der Waren für die Frau. Hier fällt ein Herrenanzug der Marke "Präsent 20" sofort ins Auge. Das Etikett verspricht, dass die schwarze Kombination aus dem Material "Grisuten" gefertigt wurde, dem einst hochgelobten und in der DDR entwickeltes Material. In einer weiteren Glasvitrine darf der Museums-Gast eine der teuersten Bettwäschen bestauen, die "Extravagant" für 216 DDR-Mark. Daneben finden sich Esda-Feinstrumpfhosen oder Pantalons, die Ost-Leggins der 80er Jahre. Auch elektrische Geräte werden präsentiert, die nicht fehlen durften. So verbirgt sich beispielsweise hinter der "Luftdusche 901" ganz schlicht ein Föhn. Nicht minder interessant ist der daneben befindliche "Ondulierstab OS 76" von AKA - ein Lockenstab.

Fast alles - Flure, Treppen, Räume und die abertausenden von Ausstellungsstücke - sind vom Winterstaub befreit. Auch Teile der Außenfassade wurden instandgesetzt. "Wir hatten im vergangen Jahr einige feuchte Wände, so dass sich der Putz sich von innen löste", erzählt Dirk Grüner. Aufgrund von Rissen auf den Außenfensterbänken sei Regenwasser in das Mauerwerk eingedrungen. Die Spendengelder reichten für eine Sanierung des Hauses nicht aus. "Doch die Dachdeckerfirma Matthias Pohl aus Osterweddingen hat uns aus der Patsche geholfen und Zinkbleche im Wert von 1 200 Euro gesponsert. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich", sagen die beiden Grüners.

Im "Ostalgie-Kabinett" sind mittlerweile über 30 000 Exponate aus längst vergangenen Zeiten zu bestaunen. "Die Ausstellungsstücke aus 40 Jahren alter Republik und aus allen Bereichen des Lebens lassen die Besucher in eine längst vergangene DDR-Alltagsgeschichte eintauchen", verspricht Dirk Grüner. Seit mehr als 13 Jahren sammeln er und seine Eltern Erika und Bernd typische Ost-Produkte und machten sie seit 2004 auf mittlerweile über drei Etagen und mehr als 300 Quadratmetern der Öffentlichkeit zugänglich. Für ihr Engagement zur Dokumentation von Geschichte erhielten sie im Jahr 2010 sogar die "Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt". "Da es nach über zehn Jahren nach der Wende noch kein DDR-Museum in unserer Nähe gab, dachten wir uns, dieses ins Leben zu rufen", erinnert sich Dirk Grüner. Dass aus dieser Idee, gepaart mit viel Akribie, zeitlicher Hingabe und Enthusiasmus, ein so großes Hobby und damit das einmalige Museum entstehen würde, hätten sich die Grüners bis dahin niemals träumen lassen. In der Anfangszeit haben sie all ihre Fühler ausgestreckt und sämtliche Kollegen, Bekannte und Familienmitglieder aufgerufen, in Kisten, Kellern und auf Böden nach alten Relikten zu suchen, um das Projekt mit DDR-Exponaten zu füllen.

Von den etlichen DDR-Einzelstücken hätten Vater, Mutter und Sohn mehr als 50 Prozent teils auf Trödelmärkten und teils über Internet-Auktionshäuser gekauft oder ersteigert. "Jetzt, wo es echt auch eine Platzfrage ist, benötigen wir nur noch wenige Dinge, die über die `Suchliste´ auf unserer Website www.ostalgie-kabinett.com eingesehen werden können", ruft der Ostalgie-Experte zum Mitmachen auf.

Am Karfreitag, 3. April, startet das Ostalgie-Kabinett in die neue Saison. Geöffnet ist bis Ostermontag, 6. April, täglich von 14 bis 18 Uhr, danach wieder nur nach Voranmeldung.