In einer Gedenkstunde anlässlich des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren ist im Wanzleber Rathauskeller an das mutige Auftreten von Richard Wegener erinnert worden. Er hatte die Stadt vor sinnloser Zerstörung bewahrt.

Wanzleben l Am 11. April 1945 um 14.30 Uhr wurde in Wanzleben Daueralarm ausgelöst. Ein amerikanischer Tiefflieger umkreiste das Stadtgebiet, erinnern sich Zeitzeugen wie Walter Götze und Walter Bell-stedt an die damaligen Geschehnisse.

Gastgeber Tino Bauer beschrieb in seinem Vortrag im gut gefüllten Rathauskeller - unter den aufmerksamen Zuhörern auch Petra Hort (Die Linke), Bürgermeisterin der Stadt Wanzleben-Börde, und Silke Schindler (SPD), Mitglied des Landtages Sachsen-Anhalt - den dramatischen Ablauf und das glückliche Ende des besagten Tages. Durch das entschlossene Auftreten bewusster Patrioten war es noch in letzter Minute gelungen, eine sinnlose Zerstörung der Stadt zu verhindern und das Leben der Einwohner zu retten. Es war der beherzte parteilose Angestellte Richard Wegener, der Mut hatte und den amerikanischen Truppen mit der weißen Fahne in der Hand auf der Klein Wanzleber Chaussee entgegenging - mit dem Willen, die Kreisstadt als offene Stadt zu erklären und kampflos zu übergeben. Die Kreisstadt wurde anschließend von den Truppen der III. amerikanischen Armee unter Kommando des Generals Bredlay eingenommen und besetzt. Kommandant Major Ritterspacher verkündete den Belagerungszustand und über die Bevölkerung wurde eine totale Ausgangssperre verhängt. Unterschiedlichen Auffassungen zum Trotz erklärten Wanzlebens damaliger Bürgermeister Wessel und sowie Stammführer Stange in aller Offenheit, jeden Widerstand gegen die vorrückenden amerikanischen Truppe einzustellen. Selbst der standortälteste Offizier der faschistischen Militäreinheiten in Wanzleben, Oberst Gierke, lehnte eine Verteidigung mit der Begründung ab, dass diese völlig unmöglich sei. Ein Hintergrund für diese Entscheidung war der verheerende amerikanische Luftangriff auf Halberstadt am 8. April 1945, der die Stadt zum größten Teil dem Erdboden gleichmachte.

Walter Bellstedt, er war damals 14 Jahre alt, erinnert sich noch an die Freude der russischen und polnischen Kriegsgefangenen beim Eintreffen der Amerikaner. Sie wussten, dass es nun nach Hause geht. "Sie waren auf dem Gut des Amtsrates Erich Kühne zur Arbeit untergebracht. Kühne wurde von ihnen aber nicht fortgejagt, er hatte die Kriegsgefangenen ordentlich behandelt und mit Nahrung versorgt."

Zufrieden mit der Resonanz zeigte sich Ortschef Tino Bauer, der 25 Teilnehmer, unter ihnen ein Jugendlicher, begrüßte. Er hätte sich allerdings gewünscht, mehr als nur zwei Stadt- und Ortschaftsräte teilnehmen zu sehen.