Als die Glocken der evangelischen Kirche Hamersleben läuteten, war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz gefüllt. Um Pfarrer Dr. Martin Schulz bei seinem letzten Gottesdienst Lebewohl zu sagen, waren nicht nur Mitglieder der Kirchengemeinde und viele Freunde, sondern auch zahlreiche Amtsbrüder nach Hamersleben gekommen.

Hamersleben l "Wir sind heute nicht zusammengekommen, um mich zu ehren, sondern Gott. Er hat mir und meiner Frau die Kraft gegeben, hier den Dienst zu tun", sagte Pfarrer Martin Schulz in seiner Begrüßung, in der er auch gleich allen dankte, die gekommen waren, um den Gottesdienst musikalisch zu gestalten. So hatten beispielsweise Mädchen und Jungen aus Wulferstedt, Hamersleben, Ausleben und aus der evangelischen Kindertagesstätte Wackersleben mit ihren Erzieherinnen extra ein Lied einstudiert und damit zu Beginn die Anwesenden auf den festlichen Anlass eingestimmt.

40 Jahre war Martin Schulz Pfarrer seiner Gemeinde treu. Diese ist flächenmäßig im Lauf der Zeit stark gewachsen. Nach Hamersleben und Neuwegersleben kamen Ausleben, Ottleben, Warsleben und Üplingen hinzu. Später auch noch Gunsleben und Wackersleben sowie vor einem halben Jahr Hornhausen.

Nun ist die Zeit des Abschieds gekommen. "Doch was predigt man an solch einem Tag?", stellte Martin Schulz die rhetorische Frage und blieb die Antwort nicht schuldig."Wir waren gesegnet, dass wir hierher kommen durften und diesen Segen weitergeben konnten", so der Pfarrer. Er beschreibt seine Zeit in Hamersleben jedoch keineswegs nur als Wandern auf sonnigen Höhen, es galt auch, so manches tiefe Tal zu durchschreiten.

Als Pfarrer wollte Martin Schulz sich nicht damit zufriedengeben, dass die Gemeinden immer kleiner wurden. Da hieß es auch neue Wege zu beschreiten. Und so investierte er in den ersten 15 Jahren seiner Tätigkeit viel in Mitarbeiter-Schulungen. "Viele der Laien-Mitarbeiter haben im Fernunterricht gelernt und konnten dies in ihre tägliche Arbeit mitnehmen", erklärte Schulz. Genau so wichtig ist es dem Geistlichen, auch mal über den sprichwörtlichen Tellerrand zu schauen. Nach der Wende holte er die Zeltmission einige Male in seine Heimat und hat so die Jugendarbeit begonnen. "Die Jugend konnte entdecken, dass es sich lohnt, als Christ zu leben."

Aber auch die moderne Technik hielt Einzug in das Leben des Pfarrers. Mit den "Let`s Go Gottesdiensten" hat er wieder einmal versucht, neue Wege zu beschreiten und der Erfolg habe im Recht gegeben. Aber auch das "normale" Leben eines Pfarrers ging weiter. Martin Schulz war so auch Bauherr bei der Sanierung einiger Kirchen, Pfarrhäuser und Friedhofskapellen. Treue zeigt sich aber auch im Alltäglichen. "Wir hatten ein offenes Haus für alle, die Hilfe brauchten."

"Dazu wurde ich mit einer Frau beschenkt, mit der ich beten kann. Wir durften gemeinsam unseren Mitmenschen dienen", so der Pfarrer. "Ich war nun 40 Jahre hier. Mein Vorgänger 42 Jahre. In 82 Jahren also nur zwei Pfarrer - es muss wohl an Hamersleben liegen." Seine Zeit als Pfarrer verglich Martin Schulz mit einem Marathonlauf, bei dem ihm immer wieder das Gebet geholfen hat - nicht allein, sondern gern mit anderen.

"Wem ich etwas schuldig geblieben bin, den bitte ich heute herzlich um Vergebung", so ein sichtlich bewegter Pfarrer.

Zu Schluss seiner Predigt dankte Martin Schulz seinen Mitarbeitern, die ihn über Jahre die Treue gehalten und ihn unterstützt haben. Er rief alle auf, seinen Nachfolger Christian Göbke nach Kräften zu unterstützen.

"40 ist eine biblische Zahl", war anschließend von Superintendent Matthias Porzelle zu hören. Seien es die Jahre der Herrschaft von Könige David und Salomo oder auch die Tage der Sintflut. "War deine Zeit hier in Hamersleben also Buße und Läuterung oder doch eher eine Art Herrschaft?"

Vom Superintendenten erfuhren die Anwesenden, dass Martin Schulz als gebürtiger Städter das Stadtleben mochte und nach seiner Promotion sicher gern in einer Stadt sein Amt angetreten hätte, doch es verschlug ihn in die Börde. "Hier brauchte es einen Pfarrer, der auf die Menschen zugeht. Das habt ihr als Familie getan. Ihr wohnt in einem Haus, das ihr mit der Gemeinde nutzt. So etwas ist heute längst nicht mehr selbstverständlich. Es ist ein Geschenk, wenn man nach 40 Jahren in der Gemeinde willkommen ist."

So bat dann Matthias Porzelle neben Pfarrer Martin Schulz auch dessen sehr überraschte Ehefrau an den Altar, um beide für den gemeinsamen, weiteren Lebensweg zu segnen.

Nach dem Ende dieses Festgottesdienstes lud Martin Schulz alle Besucher in die örtliche Mehrzweckhalle zu Kaffee und Kuchen ein, wo neben einigen Überraschungen auch Grußworte auf den Pfarrer warteten.

   

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