Der Stadtrat der Stadt Wanzleben-Börde hat trotz der schwierigen Haushaltslage die Entscheidung getroffen, beide Freibäder der Stadt für die bevorstehende Saison zu öffnen.

Wanzleben-Börde l Vorausgegangen war eine intensive Diskussion. Im Ergebnis wurde die modifizierte Satzung über die Benutzung der Freibäder der Stadt beschlossen.

Die Saisonvorbereitungen laufen auf Hochtouren, zum 1.Juni soll eröffnet werden, berichtet Olaf Küpper, Leiter des Bauamtes, beim Vororttermin in Wanzleben. Finanziell ist die Stadt nicht auf Rosen gebettet und der Unterhalt der Bäder ein Zuschussgeschäft. Sich dennoch für die Öffnung der Bäder zu entscheiden, sei eine Entscheidung für die Bürger gewesen. "Wir möchten uns auch künftig als familienfreundliche Stadt zeigen und für Lebensqualität sorgen", sagt Bürgermeisterin Petra Hort (Die Linke). Das Defizit beider Bäder betrage nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 150000 Euro, so Olaf Küpper. "Bei günstiger Wetterlage erwarten wir bis 30000 Besucher für beide Bäder. Durchschnittlich wird jeder Besuch mit etwa fünf Euro subventioniert. Das genaue Defizit kennen wir am Ende der Saison."

Mit dieser Saison haben sich hinsichtlich des Badebetriebes Veränderungen ergeben. Außerhalb der Ferien werden beide Bäder erst um 13 Uhr öffnen, am Wochenende wie gewohnt um 10 Uhr. Geschlossen wird um 19 Uhr. In den Ferien sind beide Bäder von 10 bis 20Uhr geöffnet.

Große Familien sollen spürbar entlastet werden

Die Eintrittspreise gestalten sich wie folgt: In Wanzleben bezahlt der Schüler zwei, der Erwachsene vier Euro. Es gibt also keine Änderung zum Vorjahr. Im Zuckerdorf Klein Wanzleben bezahlt der Schüler 1,50 Euro. Für Erwachsene werden drei Euro fällig. Das sind jeweils 50 Cent mehr. Die Familientageskarte kostet in Wanzleben wie im Vorjahr elf Euro. In Klein Wanzleben beträgt der Preis für die Familienkarte sieben Euro. Olaf Küpper erläutert den Unterschied zur Vorsaison. "In beiden Bädern werden mit der Familientageskarte künftig zwei Erwachsene und zwei Kinder über sieben Jahre und bis zu acht Kinder unter sieben Jahre das Bad besuchen können. Das bedeutet für große Familien eine deutliche finanzielle Entlastung."

"Die neue Preisordnung entlastet also Familien mit kleinen Kindern deutlich. Die Erhöhung findet in dem recht überschaubaren Segment der Saisonkarten statt."

Olaf Küpper, Leiter des Bauamtes der Stadt Wanzleben-Börde

Die größte Änderung betrifft die Altersgruppe der Kinder unter sieben Jahren. In beiden Bädern zahlen die Kleinsten keinen Eintritt mehr. "Wir wollen damit erreichen, dass diese schon sehr früh an das Wasser herangeführt werden. Ein weiteres Ziel ist es, allen Schulanfängern in der Stadt Wanzleben das Schwimmen beizubringen", so der Bauamtsleiter. Zur Zeit werde geprüft, welche Kosten der Schwimmunterricht verursache. Das Angebot solle 50 Euro pro Kind nicht überschreiten. Familien die sich dies nicht leisten können, haben die Möglichkeit, die Bildungsgutscheine dafür einzusetzen. Eine Unterstützung bei der Beantragung wird gewährt.

Die Schulen und die Kitas haben außerhalb der Öffnungszeiten freien Eintritt. Das war in Klein Wanzleben schon immer so, in Wanzleben kostete das im vergangenen Jahr noch einen geringen Obolus. Hinweise kamen insbesondere aus der Lehrerschaft, dass trotz des kleinen Betrages es schwer zu organisieren ist, den Sportunterricht in das Freibad zu verlegen. Diese Hürde soll nun beseitigt werden. Jedes Kind sollte die Möglichkeit haben, Schwimmen zu lernen beziehungsweise die Fähigkeiten zu verbessern.

Für die Frühschwimmer ist ebenfalls gesorgt. Die Karte für die gesamte Saison kostet 136 Euro in Wanzleben oder zwei Euro für den Tagesbesuch. Dass die Stadt nicht ohne Preiserhöhung auskommt, stellt sich am deutlichsten bei den Saisonkarten dar. In Klein Wanzleben sollte dies keine Rolle spielen. Dort ist man in den letzten Jahrzehnten völlig ohne dieses Angebot ausgekommen. Der Nachlass der Saisonkarten auf den Einzelerwerb liegt zwar immer noch bei 40 Prozent, betrug aber in den Vorjahren in Wanzleben bis zu 85 Prozent. Das heißt, dass eine Familienjahreskarte früher 200 Euro kostete. Damit war es möglich, mit bis zu vier Personen das Bad zu benutzen. Die Preiskorrektur der Familienjahreskarte auf 600 Euro lässt es zu, dass bis zu zwölf Personen (zwei Erwachsene, zwei Kinder über sieben und acht Kinder unter sieben Jahre) das Bad benutzen können. Früher waren es vier, heute sind es zwölf Personen. Ähnlich verhält es sich auch mit den anderen Saisonkarten, da jeder Inhaber bis zu vier Kinder unter sieben Jahren mit ins Bad nehmen kann.

"Die Erhöhung findet in dem recht überschaubaren Segment der Saisonkarten statt in den vergangenen zwei Jahren wurden insgesamt nur durchschnittlich 65 Saisonkarten bei bis zu 31 000 Besuchern verkauft", sieht Olaf Küpper die neue Preisordnung als spürbare Entlastung für Familien mit kleinen Kindern.

Unbestrittener Fakt bleibt aber: Die Stadt kann die Freibäder nur geöffnet halten, wenn die Benutzer bereit sind, einen angemessenen Teil der Last mitzutragen. Letztendlich diktieren die Haushaltslage und nicht zuletzt die Aufsichtsbehörde, ob und wenn, in welchem Umfang durch die Stadt Wanzleben-Börde freiwillige Leistungen weiter getätigt werden dürfen.