Klein Oschersleben l Im Internet war folgendes Inserat zu finden: "Herrenloses Grundstück mitten im Dorf von Klein Oschersleben, 1100 Quadratmeter groß, Gebäude müssen abgerissen werden." In dieses Inserat setzt Andy Müller* große Hoffnung und es ist für ihn der verzweifelte Versuch, das Grundstück endlich loszuwerden, aus der Verantwortung zu kommen.

Andy Müller hat, verliebt bis über beide Ohren, den Fehler seines Lebens begangen, die Warnungen seiner Eltern, Junge unterschreibe da bloß nichts, in den Wind geschlagen. Für die Eltern seiner damaligen Freundin nahm er dennoch einen Kredit auf. Bereits 1998 sei das Haus seiner ehemaligen Schwiegereltern versteigert worden, hatte für kurze Zeit einen anderen Besitzer, ehe es zurück an die alten Eigentümer ging. Andy Müller nahm dafür einen Kredit in Höhe von 80000 Mark für die Eltern seiner Freundin auf, auch mit der Option, sich mit ihr in der alten Scheune, die zum Grundstück gehört, ein eigenes Zuhause zu schaffen. Doch 2001 kam es zur Trennung, er zog aus. Schon bald zahlten die Eltern seiner Ex die Raten nicht mehr. Doch von alldem hätte er nichts gewusst. Denn, dass keine Steuern gezahlt, keine Rechnungen beglichen wurden, dass Mahnungen noch und nöcher vorlagen, davon ahnte er als "Besitzer" nichts. Der Schriftverkehr sei nie an ihn weitergeleitet worden, befand sich zum Teil noch ungeöffnet im Haus, nachdem die Familie seiner ehemaligen Freundin längst ausgezogen war.

2006 sei es zur ersten Zwangsversteigerung gekommen, es folgten weitere bis in das Jahr 2009 hinein. Nie fand das alte Wohnhaus samt Grundstück einen neuen Besitzer, während Andy Müller immer wieder für das Haus verantwortlich gemacht wurde. Inzwischen bröckelt der Putz von den Wänden, hat die Giebelmauer der Scheune einen riesigen Riss, sitzt ihm das Bauordnungsamt des Landkreises im Nacken.

Im Juli 2010 dann der radikale Schnitt: Bei einem Notar (das Schreiben liegt der Redaktion vor) unterzeichnete Andy Müller eine Verzichtserklärung. Das Eigentum wurde aufgegeben und so wurde es auch entsprechend im Grundbuch eingetragen. Dieser Schritt rettete ihn trotzdem nicht vor der Privatinsolvenz, in die er 2011 ging. Zu seiner schwierigen Situation muss man auch wissen, dass seine ehemaligen Schwiegereltern bis 2012/2013 in dem Haus wohnten, erst dann auszogen. "Völlig vermüllt haben wir dann das Haus vorgefunden", so Müller.

Niemand will anscheinend das herrenlose Grundstück haben, auch das Land Sachsen-Anhalt verzichtet auf 1100 Quadratmeter. Das teilte der Landesbetrieb, Bereich Bau- und Liegenschaftsmanagement, Sachsen-Anhalt dem Grundbuchamt am Amtsgericht von Oschersleben mit Schreiben vom 27. Dezember 2013 mit.

Andy Müller ist mit der Verzichtserklärung längst nicht aus dem Schneider. Er gilt als letzter Eigentümer und ist damit für Schäden am Haus haftbar zu machen. Diese Tatsache hat ihn letztlich zu dem Schritt veranlasst, dass Grundstück als herrenlos, und im Grunde genommen kostenlos, im Internet anzubieten. Das war vor mehr als einem Monat. Die Verzweiflung bei Andy Müller wächst, denn seine Aktion hatte bislang keinen Erfolg. "Es waren einige Leute da, die sich das Haus und auch das Grundstück angeschaut haben, aber mehr auch nicht. Nach Schätzungen müsste derjenige, der das Areal übernimmt, etwa 15000 Euro in den Abriss investieren. Dann hätte er ein vollerschlossenes, 1100 Quadratmeter großes Grundstück zur Bebauung", hofft Andy Müller noch immer, dass er den "Fehler seines Lebens" endlich ausmerzen kann.

(*Name ist von der Redaktion geändert).