Den gestrigen Tag des Lärms haben Anwohner am Bahnhof Dreileben/Drackenstedt zum Anlass genommen, um auf die Lärm-Falle, in der sie aufgrund der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt L24 und des permanenten Zugverkehrs rund um die Uhr sitzen, aufmerksam zu machen. Sie fordern die Sanierung der Straße sowie Tempolimit 30.

Dreileben/Drackenstedt l Pkw um Pkw, Lkw um Lkw poltern und schieben sich über den Bahnübergang der L24 in der Zwillingsgemarkung Dreileben/Drackenstedt. Naht ein Zug, schlägt die rot aufblinkende Signalleuchte der Andreaskreuz-Anlage zusätzlich Alarm. "Und das bei jedem Zug für beinahe nervige 30 Sekunden, so lange bis die Schranke endlich unten ist", berichtet Anwohner Detlef Diestel. "Das Signal der Schranke stört jedoch keinen einzigen Autofahrer, jedoch uns, die hier wohnen und im Garten sitzen."

Hinzu kommen die Motorengeräusche, zumal Autofahrer hier auch schon mal gern bis zu 20 Minuten vor der Schranke warten müssten, erzählt er. "Das jüngst vor knapp zehn Wochen aufgestellte ,Motor abstellen`-Schild zeigt bislang leider keinerlei Wirkung."

Bei rund 200 Zügen, die hier laut Anwohner täglich durchrauschen würden, sei allein schon diese Geräuschkulisse eine wahre Zumutung für jeden einzelnen. Um den Lärmpegel rund um den Dreileber/Drackenstedter Bahnhof deutlich zu machen, hatten die Anwohner zum gestrigen Tag des Lärms die Volksstimme zum Vor-Ort-Termin eingeladen. Um sich an der Ortsdurchfahrt Gehör verschaffen zu können, wurden die Stimmen der Anwohner ebenfalls laut. Jedoch nicht weil ihre Nerven ohnehin schon blank liegen, sondern weil sonst vor lauter Lärm kein einziges Wort zu verstehen gewesen wäre.

"Jeden Tag liefern sich hier die Auto- und Brummifahrer ein Wettrennen. Wenn die rote Ampel am Bahnübergang blinkt und wie gesagt wild vor sich hin tutet, geben die meisten nochmal richtig Gas, um nicht ewig vor der Schranke stehen bleiben zu müssen. Dabei poltern sie über das Gleisbett, dass einem die Ohren abfallen", erklärt Diestel, der in der Ortslage kurz vor der Schranke seit 1956 wohnt. "Auf jene alte Bördestraße, die derzeit obendrein auch noch als Umleitungsstrecke für die B246a-Baustelle in Seehausen dient, ist zuletzt Anfang der 90er Jahre eine dünne Asphaltschicht gezogen worden. Mehr ist nicht passiert. Der ganze Abschnitt müsste dringend grundhaft erneuert werden", fordert er. Genauso wie eine Geschwindigkeitsbegrenzung. "Von Tempo 50 runter auf 30", sagt der 71-Jährige, der seine Forderung bereits gegenüber dem Landkreis angezeigt hatte.

"Dort wurde mir erklärt, dass man sich hier für Tempo 50 entschieden hat, um einen fließenden Verkehr gewährleisten zu können. Meiner Meinung nach wird hier jedoch allen Temposündern eine Schnellstraße gewährleistet", mahnt er an. Das sehen auch Hans-Joachim Handge (66) aus Dreileben und Lothar Dietrich (76) aus Drackenstedt so. Sie sind sich sicher: "Hier würde der Polizei ein Raser nach dem anderen ins Netz gehen."

Zudem sei die Lärmbelästigung noch einmal um ein Vielfaches höher, wenn Veranstaltungen in der Motorsport Arena in Oschersleben anstehen, "und sich der ganze An- und Abreiseverkehr von der oder in Richtung Autobahn zieht", erzählen sie. Regelrecht Bauchschmerzen würde ihnen allein schon der Gedanke an die nächste Rübenkampage bereiten.

"Mit den Rübentransporten, die aufgrund der Bauarbeiten in Seehausen dann über unsere Ortsdurchfahrt umgeleitet werden, wird es dann noch lauter als es ohnehin schon ist", sind sich die Anlieger einig. Die Volksstimme-Anfrage ob eine Sanierung der Ortsdurchfahrt geplant ist, blieb seitens des Verkehrsministeriums gestern bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

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