Der Wiederaufbau der Wulferstedter Bockwindmühle am Knielweg ist wieder ein Stück vorangekommen. Fachleute aus der Altmark haben ein Teil des Achslagers erneuert.

Wulferstedt l Eine Runde, zwei Runden, drei Runden - das reicht schon. David Wippich und Ulf Rathke sind sichtlich zufrieden. Das Windrad lässt sich jetzt bereits per Hand nahezu problemlos drehen. Dem Wind wird das noch viel, viel leichter fallen. Denn die Flügelachse dreht sich nun wie geschmiert in ihrem Lager.

Dieses Lager haben die beiden Mühlenfachleute aus dem altmärkischen Ort Bismark in zwei Tagen teilweise erneuert. Ganz genau haben David Wippich und Ulf Rathke in der Wulferstedter Bockwindmühle am Knielweg einen neuen "Katzenstein" eingebaut. Ein etwa 80 Kilogramm schweres Stück aus Granit, auf dem ein Teil der Flügelachse gelagert ist. Und das "Katzenstein" genannt wird, weil dieser Stein einst bei Erhitzung den Geruch von Katzen-Urin verströmt haben soll.

Technisches Denkmal ist nicht im Dauerbetrieb

Was aber weder jetzt zu riechen ist, noch in Zukunft in der Wulferstedter Mühle zu riechen sein wird. Denn die ist wie alle historischen Windmühlen natürlich nicht mehr im Dauerbetrieb, sondern ein technisches Denkmal, das nur dann und wann mal in Betrieb genommen wird, um Besuchern zu zeigen, wie einst aus Korn Mehl geworden ist.

Zum Beispiel den Besuchern, die am bevorstehenden Pfingstmontag den Deutschen Mühlentag nutzen werden, um nach Wulferstedt zu kommen. "Wir laden alle Interessenten aus nah und fern recht herzlich ein, unsere Mühle an diesem Tag kennenzulernen oder auch zum wiederholten Mal zu besuchen sowie eine angenehme Zeit auf unserem Mühlengelände zu verbringen", sagt Irina Weiher. Die Vorsitzende des Fördervereins Bockwindmühle Wulferstedt ist sehr froh, dass genau das alles inzwischen wieder möglich ist.

Denn die ältere und auch jüngere Mühlengeschichte auf dem Wulferstedter Knielweg ist eine sehr bewegte. War es doch zunächst Irina Weihers Vater Willi Grosse, der in den 90er Jahren als Wulferstedts Bürgermeister die Initiative ergriffen hatte, die seinerzeit sehr ruinierte, nicht zuletzt weil im Jahr 1813 einem Brand zum Opfer gefallene Breitmeiersche Mühle wieder aufzubauen. Was ihm und seinen Mitstreitern mit viel Engagement und etlichen staatlichen sowie privaten finanziellen Unterstützungen auch gelungen war. Die "neue" Breitmeiersche Mühle war Anlaufpunkt für Freunde technischer Denkmale im Allgemeinen und Windmühlen im Besonderen. Die Wulferstedter Mühlentage oder Mühlenfeste waren nicht nur Höhepunkte in Dorfleben, sondern auch Treffpunkte für Besucher aus nah und fern.

Doch dann kam die Nacht zum 28.Oktober 2002. Gegen einen orkanartigen Sturm hatte die Flügelbremse keine Chance, alles lief heiß, die Mühle fing Feuer und brannte nieder. Die Feuerwehr konnte nur noch alles kontrolliert abbrennen lassen

Aber schon am Tag nach diesem Unglück sagte ein zum Teil noch niedergeschlagener, aber zum anderen auch schon wieder energischer Willi Grosse vor dem Aschehaufen stehend: "Diese Mühle bauen wir wieder auf."

Grundlage war der Rest einer alten Dreileber Mühle

Die Grundlage dafür haben bereits ein Jahr später vor allem Günter und Gustav Lauenroth zur Verfügung gestellt, nämlich die Reste der alten Dreileber Windmühle ihres Vaters. Besagte Mühlen-Reste sind nach Wulferstedt überführt und dort nach und nach wieder zu einer Bockwindmühle aufgebaut worden. Nicht zuletzt unter Regie einer 2003 gegründeten Interessengemeinschaft, aus der später der "Förderverein Bockwindmühle Wulferstedt" geworden ist. An dessen Spitze seit geraumer Zeit Irina Weiher steht, die damit das Vermächtnis ihren Vaters fortsetzt, der inzwischen verstorben ist.

Und zu diesem Vermächtnis gehört unter anderem auch, die Mühle regelmäßig zu warten und immer weiter zu vervollständigen. Womit lange Zeit eine Firma aus dem Harzkreis beauftragt war, die jedoch in Insolvenz gegangen ist. Weshalb sich nun die Firma Zimmerei und Treppenbau Ulrich Blümner aus dem altmärkischen Bismark um die Mühle kümmert, die auch schon im vergangenen Jahr einige Wartungsarbeiten erledigt hat.

Und deren Mitarbeiter David Wippich und Ulf Rathke also jetzt auch den neuen Katzenstein eingebaut haben und danach der Meinung waren: "Das ist eine sehr interessante Windmühle."

Die Wulferstedter Bockwindmühle am Knielweg lädt am Pfingstmontag (25. Mai, Deutscher Mühlentag) in der Zeit von 10 bis 18 Uhr zum Besuch ein.