Mit einem Stadtrundgang beteiligte sich die Stadt Gröningen am vergangenen Sonnabend am bundesweiten Tag der Städtebauförderung. Allerdings hätte sich Bürgermeister Ernst Brunner eine größere Beteiligung seitens der Bevölkerung gewünscht.

Gröningen l Nur eine Handvoll Männer und Frauen machte sich am Sonnabendvormittag gemeinsam mit Bürgermeister Ernst Brunner zu einem Rundgang durch die Stadt auf. Vertreter verschiedener Vereine wie der Kleingartenverein, Schützenverein und der Tischtennisverein, Stadträte und Thomas Scholz als Leiter der Freien Sekundarschule "Educado" Gröningen gingen auf Spurensuche, schauten, wo die Städtebauförderung in der Stadt an der Bode bereits Früchte trug, wo andererseits noch Handlungsbedarf besteht. Die Stadt Gröningen befand sich von 1995 bis 2010 im Landesförderprogramm "Städtebauliche Sanierungsmaßnahmen im ländlichen Bereich", welches im Jahr 2010 ausgelaufen ist. Die Stadt hat daher 2010 einen Antrag auf Neuaufnahmen in das Bund-/Länderprogramm "Förderung von kleineren Städten und Gemeinden - überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke" gestellt. Diesem Antrag wurde stattgegeben und damit möchte Gröningen die Gesamtmaßnahme "Gröningen - Stadtbildung - Bildungsstadt" in Angriff nehmen.

Gestartet wurde der Stadtrundgang am Sonnabendvormittag am Gröninger Rathaus. Bekanntlich beginnt hier in wenigen Wochen die Sanierung des altehrwürdigen Gebäudes. Vom Rathaus aus ging es zum Kulturhaus und Marktplatz, um dort die Veränderungen der zurückliegenden Jahre in Augenschein zu nehmen. Und gerade an diesem Standort wurde deutlich, wie Gröningen dieses Projekt der Städtebauförderung erfolgreich umsetzen konnte. Im Jahr 2008 waren die leerstehenden Gebäude vor dem Kulturhaus von der Stadt erworben worden. Die Häuser wurden schließlich abgerissen. Auf dem Areal entstand schließlich der Marktplatz. Das Stadtmuseum und das Kulturhaus grenzen an und bilden ein gelungenes Ensemble. Das Projekt wurde zwischen 2009 und 2011 umgesetzt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 520000 Euro. Das Stadtsäckel wurde durch Fördermittel aus verschiedenen Fördertöpfen mit insgesamt 440900 Euro entlastet und der Stadt blieb ein Eigenanteil von rund 78000 Euro.

Das Kulturhaus Gröningen selbst wurde zwischen 2002 und 2012 in mehreren Abschnitten saniert. Begonnen wurde die Sanierung mit dem Dachstuhl und dem Dach, es folgten die Deckensanierung im Obergeschoss und schließlich die Fassade des Hauptgebäudes in zwei Abschnitten. Zwischen 2009 und 2012 erfolgte die grundhafte Instandsetzung und Modernisierung einschließlich Saal. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 825000 Euro. Der Eingenanteil lag bei 210500 Euro. Es flossen Fördermittel in Gesamthöhe von rund 355000 Euro.

Ein weiterer Haltepunkt des Stadtrundgangs war die Freie Sekundarschule in der Grabenstraße. Schulleiter Thomas Scholz berichtete den "Spaziergängern", wie auch hier mit Hilfe der Städtebauförderung Projekte nach der Schließung der einstigen staatlichen Sekundarschule umgesetzt werden konnten. Die Freie Sekundarschule "Educado" war im Jahr 2011 mit einer 5. Klasse am Standort Grabenstraße gestartet. Ab dem Schuljahr 2015/2016 werden es 135 Schüler sein. Im Bereich Edelhof/Burggraben/Ihleckenburg wurde für die Stadtrundgänger besonders deutlich, dass angesichts der maroden und alten Bausubstanz in Gröningen ein großer Sanierungsbedarf besteht. Vorbei an der Grundschule endete der Stadtrundgang in der Wirtschaftsakademie, wo die Freie Sekundarschule künftig ihren Sitz haben und auch einen gymnasialen Teil anbieten wird. Mehrere Millionen Euro sollen investiert werden. Fördermittel aus dem Stark-III-Programm sind beantragt. Würde die Schule leer ausgehen, solle trotzdem mit Hilfe von Krediten das Vorhaben umgesetzt werden. Im Speisesaal der Akademie konnten sich die Teilnehmer des Stadtrundganges in einer Ausstellung über die Städtebauförderung in Gröningen informieren.

Mit dem 9. Mai 2015 fand zum ersten Mal der Tag der Städtebauförderung in ganz Deutschland statt. Künftig solle dieser besondere Tag jährlich auch mit dem Ziel durchgeführt werden, die Bürgerbeteiligung zu stärken und kommunale Projekte der Städtebauförderung mehr in die Öffentlichkeit zu rücken. In Gröningen wurde mit der Teilnahme am Aktionstag, der eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern, Deutschen Städtetag sowie Deutschen Städte- und Gemeindebund ist, ein Anfang gemacht. Vielleicht sind ja im nächsten Jahr mehr Gröninger mit von der Partie und erkunden die Stadt.