Nach der umfangreichen Sanierung der Kroppenstedter Compenius-Reubke-Orgel sorgt das Instrument für Aufsehen. Organisten und Besucher der ersten Konzerte sind begeistert. Erste CD-Veröffentlichung liegt jetzt vor.

Kroppenstedt l Wer in der Kroppenstedter Martinikirche eher Orgelmusik aus der Romantik, also beispielsweise von Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms oder Franz Liszt spielen möchte, der setzt sich an die Tastatur hoch oben. Wer aber ältere Musik, beispielsweise aus der Zeit der Renaissance von Arnolt Schlick, Leonhard Kleber, oder Jacob Paix bevorzugt, der nutzt den Spieltisch, der unten im Kirchenraum steht. In der Martinikirche bekommt jede Musik ihre zeitgemäße Instrumenten-Stimmung.

"Dass mit einer Kirchenorgel zwei unterschiedliche Klangwelten mit Orgelpfeifen verschiedener Epochen erzeugt werden können - das gibt es nur in Kroppenstedt". Gemeindepädagoge Jürgen Vogel teilt diese Meinung mit vielen Experten. Quasi mit allen, die das von Esaias Compenius in den Jahren 1603 bis 1613 gebaute, im Jahr 1859 von Adolf Reubke umfangreich modernisierte und nun vom Halberstädter Reinhard Hüfken sanierte Instrument nach der Einweihung im Juli vergangenen Jahres gespielt oder gehört haben.

Und das waren schon eine ganze Menge. Beispielsweise die beiden Kirchenmusikdirektoren Claus-Erhard Heinrich aus Halberstedt und Johann Gottfried Biller aus Quedlinburg. Aber auch aus anderen Teilen Deutschlands und aus dem Ausland waren bereits Experten hier, um die restaurierte Compenius-Reubke-Orgel zu begutachten. Selbst aus dem USA-amerikanischen Alabama war jüngst ein Kirchenorgelliebhaber in Kroppenstedt, wie sich inzwischen unter anderem auch ein französischer Organist angekündigt hat.

"Die Besonderheit unserer Orgel spricht sich in Fachkreisen immer mehr rum", freut sich Jürgen Vogel, der gemeinsam mit Monika Schmidt, Hans-Georg Balke und etlichen anderen Kroppenstedtern schon vor vielen Jahren das "Projekt Orgelsanierung" in Angriff genommen hatte. Schritt für Schritt ist die Interessengemeinschaft vorangekommen, hat nicht zuletzt mit Hilfe von vielen Spendern und Sponsoren die Finanzierung gesichert. Und nachdem mit der Instandsetzung großer Teile des Kirchendaches der Weg für die Sanierung der Orgel frei war, ging es 2011 auch los. Mit dem Ergebnis, dass am jüngsten 13. Juli die sanierte Orgel mit einem Gottesdienst festlich eingeweiht worden ist.

Seither hat es nicht nur das eine oder andere Orgelkonzert, sondern auch schon eine CD-Aufnahme gegeben. Die ist vor Jahresfrist im Oktober von Claus-Erhard Heinrich, Johann Gottfried Biller und Pfarrer Christian Plötner an der Orgel sowie vom Compenius-Blechbläser-Quartett (Jakob, Johann und Jürgen Vogel sowie Patrick Kohl) eingespielt und mit einem Konzert vor Ort der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Und wer sich diese CD besorgt, der hört nicht nur, was die jetzige Compenius-Reubke-Hüfken-Orgel in der Kroppenstedter Martinikirche so musikalisch zu bieten hat. Der CD-Besitzer erfährt zudem aus dem 44-seitigen Booklet so gut wie alles über die ältere und über die jüngere Geschichte dieser Orgel.

Über die neuste Entdeckung ist jedoch noch nichts im Booklet zu lesen. Und zwar hat Jürgen Vogel dieser Tage die Flügeltüren der ersten Orgelvariante entdeckt, die allem Anschein nach während des Umbaus 1859 in Fußbodenbretter umfunktioniert worden sind.

"Weitere Entdeckungen sind nicht ausgeschlossen", sagt Jürgen Vogel. Vielleicht gibt es die bei der Sanierung der Empore, die sich die Interessengemeinschaft als nächste Aufgabe vorgenommen hat.

Weitere Informationen gibt es im Internet auf den Seiten www.compenius-orgel.de und www. kirche-kroppenstedt.de

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