Man kann es wohl ruhig als Plauderstunde bezeichnen, zu der am Montagabend die CDU-Sülzetal gemeinsam mit dem Landtagskandidaten Kay Barthel eingeladen hatte. Mit Karl-Heinz Daehre und Birgitta Wolff standen gleich zwei Minister den Besuchern Rede und Antwort in einer gut besuchten Veranstaltung.

Osterweddingen. Karl-Heinz Daehre startete die Gesprächsrunde, auch weil er angeschlagen war - "gesundheitlich, nicht politisch", wie er betonte. Er ging, wie kann es für einen Bau- und Verkehrsminister auch anders sein, besonders auf Infrastrukturmaßnahmen im weitesten Sinne rund um das Sülzetal ein. Dabei streifte er die Nordverlängerung der A 14 in Richtung Schwerin genauso wie die B 6 n, die Ende des Jahres an die A 14 bei Bernburg anschließen wird. Mit der Ortsumgehung von Bernburg und der Sanierung der B 71 bis hinter Köthen wird die erste fertige Ost-West-Trasse von der A 9 bis zur B 6 bei Bad Harzburg entstehen. "Damit haben wir in Sachsen-Anhalt ein gutes Grundgerüst für die Verkehre geschaffen", so Daehre.

Dann kam er auf Sülzetal zu sprechen. Hier ist derzeit auf der B 81 der vierspurige Ausbau von Altenweddingen bis Egeln im vollen Gange. Im nächsten Jahr wird der Ausbau enden. Offen bleibt damit allerdings die Frage, wie das Problem mit dem langsam fahrenden, sprich landwirtschaftlichen, Verkehr gelöst wird. Wird die B 81 als Schnellstraße deklariert, müssen besagte Fahrzeuge von der Straße verschwinden. Eine Begleitspur wurde deshalb entlang der B 81 zusätzlich für den langsam fahrenden Verkehr gebaut.

Diese Spur endet vor Langenweddingen. Wollen die Traktoren nach Magdeburg, beispielsweise zum Hafen, müssten die Fahrzeuge allesamt über die Halberstädter Straße durch Langenweddingen in Richtung Landeshauptstadt.

Breite B 81 bringt Landwirten Umwege

Minister Daehre machte am Montagabend kein Hehl da-raus, dass er diese Notwendigkeit eigentlich nicht sieht. Doch die Meinung eines Ministers sei die eine Seite, das Gesetz die andere. "Ihre Fahrzeuge fahren doch heute gar nicht mehr so langsam, und wenn die B 81 vierspurig ist, werden die Traktoren nicht zum Verkehrshindernis", sagte der Minister in Richtung Bernd Kay, der als Landwirt gezielt diese Problematik an der B 81 angesprochen und auch gefragt hatte, was die Landwirte tun könnten, um die Fahrt durch das Dorf noch abzuwenden. Momentan könne Daehre die Sache nur im Auge behalten. Er wolle sich noch einmal mit den Bauern zusammensetzen, um mit ihnen gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Zur B 81 sagte der Minister weiter, dass perspektivisch eine neue Brücke über die Straße gebaut werden müsse. Sie bekäme dann einen Anschluss an das Osterweddinger Gewerbegebiet, etwa dort, wo heute fglass steht. "Aber das ist Zukunftsmusik", dennoch muss an der alten Bücke was passieren", so Daehre.

Um die Halberstädter Straße gibt es ohnehin Debatten.

Die Halberstädter Straße ist in einem Bauabschnitt ausgebaut, im zweiten Teil, der zum Bahnhof und aus dem Ort heraus führt, nicht. Dieser Teil weise Schäden auf, die jetzt im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke Halberstadt-Magdeburg, der Anbindung an die Regional-S-Bahn und im Zuge des Schnittstellenprogramms am neuen Haltepunkt Langenweddingen saniert werden könnte. Eine Förderung der Straßensanierung sei über das Entflechtungsgesetz nur noch wenige Jahre möglich. Lässt die Gemeinde diese Chance einer sehr hohen Förderung an sich vorüberziehen, müsste die Straße später zu eigenen Lasten saniert werden.

Die Nahverkehrsgesellschaft Sachen-Anhalt (NASA), die in Zusammenarbeit mit der Bahn das Schnittstellenprogramm umsetzen möchte, hatte zudem angeboten, der finanziell angeschlagenen Gemeinde Sülzetal für den aufzubringenden Eigenanteil für fünf Jahre ein zinsloses Darlehen zu geben.

"Angesichts steigender Preise an den Tanksellen wird der öffentliche Nahverkehr wieder gefragter sein und wir müssen ihn attraktiver gestalten. Beteiligt sich die Gemeinde Sülzetal nicht am Schnittstellenprogramm und am Ausbau des Bahnhofes Langenweddingen mit S-Bahnhaltepunkt, vergibt sie eine einmalige Chance für die gesamte Region", ist sich der Verkehrsminister sicher.

Im Gemeinderat wird die Sanierung der Halberstädter Straße im zweiten Bauabschnitt kontrovers diskutiert.

Bürgerinitiative gegen Hähnchenmast

Auch die Bürgerinitiative gegen den Bau einer gigantischen Hähnchenmastanlage in Stemmern nutzte am Montagabend die Chance, mit dem Minister ins Gespräch zu kommen. Gabriele Siegel und Bernd Klotzbach schilderten die derzeitige Situation mit der Tatsache, dass mit dem Bau von zwei Biogasanlagen begonnen wurde und hierbei einige Ungereimtheiten festgestellt wurden. "Müsste nicht, um die Summe der Belastungen feststellen zu können, ein Raumordnungsverfahren eingeleitet werden?", fragten die beiden Mitglieder der Bürgerinitiative. Karl-Heinz Daehre versprach, sich die Unterlagen aus dem Landwirtschaftsministerium kommen zu lassen. Er werde sich dann wieder bei der Initiative melden.

Über die Diskussion mit der Kultusministerin wird die Volksstimme morgen gesondert berichten.

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