Burg/Genthin. Der Heimatverein Burg und Umgebung und das Museum des Landkreises Jerichower Land arbeiten zusammen. Das ist erfreulich, denn schon bald wird sich diese Kooperation in konkreten Ergebnissen zeigen.

Der Heimatverein unterhält u. a. eine Schuhausstellung, die an die in Burg beheimatet gewesene Schuhindustrie erinnert. Betreut wird sie von Karin Hönicke, die auch die Ausstellung über die Schuhfabrik von Conrad Tack, der späteren Schuhfabrik "Roter Stern", zusammenstellte. Karin Hönicke war in Erinnerung, dass der damalige Produktionsdirektor des Betriebes, Günter Höpfner, 1972 eine Reihe von Schuhmodellen, 17 Paare oder Einzelstücke - das wusste niemand mehr genau - an das damalige Heimatmuseum in Burg übergeben hatte. Darüber soll es sogar ein Protokoll gegeben haben.

Jetzt nahm sie Kontakt auf zum Kreismuseum in Genthin und stieß bei Antonia Beran, der Leiterin der Einrichtung, auf offene Ohren. Natürlich fanden sich Schuhe im Depotdes Museums. Aber was sind das für welche? Getragene und ungetragene, Kinderschuhe und Damenschuhe, Vorkriegsproduktion oder schon DDR-Produktion?

Als Antonia Beran Karin Hönicke die Kartons zeigt, die aufgereiht auf einer langen Tafel stehen, ist der Burger Heimatverein dem Ziel, die damals an das Museum übergebenen Schuhe in der Burger Ausstellung zu zeigen, ein ganzes Stück näher.

Was dann passiert, verschlägt einem die Sprache. Karin Hönicke betrachtet die Schuhe und identifiziert sie. Antonia Beran notiert eifrig. Die frühere Konstrukteurin und Berufsschullehrerin lässt Erinnerungen wachwerden. "Topsi", das ist der Leisten, und sie erinnert sich, welches Modell von welchem Konstrukteur entwickelt worden war. Hier ist ein Paar Damenschuhe, das Modell stammt von Wolfgang Schulze, da ist sie sich sicher. Und wo kein Stempel in der Decksohle zu sehen ist, erkennt sie die Schuhe, die bei Tack oder im "Roten Stern" gefertigt wurden,sogar an den verwendeten Lederarten. Und Antonia Beran notiert fleißig. Das Modell stammt vom Leisten "Carmen". Der Damenslipper aus grünem Schweinsvelourleder hat einen keilförmigen Absatz mit der Imitation eines schichtweisen Aufbaus, eine Gummisohle und eine Riemchenverzierung mit Boxkalbeinsatz und wurde etwa 1968 hergestellt ...

Die Firma Tack stellte selbst keine Kinderschuhe her. Die unter der Marke "Tack" ver- kauften Kinderschuhe waren bei anderen Firmen eingekauft worden und dienten damals der Komplettierung des Sortiments.

Damals ... Karin Hönicke erinnert sich an ihre Zeit als Konstrukteurin. Die Frauen waren oft unzufrieden, denn was da konstruiert wurde, war eine Zumutung für die Produktion. Das Buggen (Umschlagen des Leders) war nur mit großer Anstrengung zu bewältigen. Allerdings war auch nicht vorgesehen, dass dazu das knüppelharte Leder von Tieren verwendet wurde, die schon lange Zeit tot waren, bevor sie gehäutet wurden.

Karin Hönicke bestimmt Pantoletten und Sandalen, wünscht sich ein Paar Kinderschuhe für die Ausstellung, weiß ganz genau über ein Paar Damenschuhe aus der Tackschen Produktion des Jahres 1935 Bescheid und erinnert sich an die Kunstlederzeiten und an Igelittschuhe.

Verabredet wird ein weiterer Besuch, um die restlichen Schuhe zu identifizieren die nicht aus Burger Produktion stammen.

Was da hinter den Museumstüren passiert weckt, also die Freude auf kommende, interessante Besuche in den Ausstellungen in Burg und in Genthin.