Gunsleben / Dedeleben (rw).Erstaunen am Großen Bruch: Auf dem alten Molkereischornstein in Dedeleben traf vor acht Tagen ein Storchenpaar ein. Karl-Otto Kamp, Wilfried Niederberger und Gerhard Madlow registrierten es mit Erstaunen, denn das heimische Paar kam bisher nacheinander und später, berichtet Storchenfreund Bernd-Uwe Meyer der Volksstimme.

Gemeinsam mit dem in Niedersachsen und im Harz tätigen Weißstorchbeauftragten Georg Fiedler fanden die Beobachter heraus: Das Vogelpaar in Dedeleben ist eigentlich im Gunsleber Horst zu Hause. Doch dessen Holzgestell ist umgestürzt. So wichen die beiden nach Aderstedt aus. Doch dort ist das alteingesessene Männchen inzwischen zurückgekehrt und hat die ungebetenen Gäste vertrieben. Die Obdachlosen rasten nun in Dedeleben. Die in etwa 600 Metern Entfernung vom alten Brutplatz in Gunsleben auf einem Hochsitz montierte neue Nisthilfe akzeptieren sie nicht. In dem Punkt verhält sich das Paar sehr arttypisch, weiß Georg Fiedler.

"Zuständig" für die beiden Störche ist der hiesige Weißstorchbeauftragte Wolfgang Nicolai aus Gröningen. Er berichtet auf Volksstimme-Nachfrage von den beiden Adebaren Dinge, die sie als Individualisten und nur bedingt arttypisch kennzeichnen. So ist der Gunsleber Horst auf Grund seiner Lage, vier Kilometer vom nächsten Ort entfernt, etwas Besonderes. Alle anderen Bördekreishorste befinden sich innerhalb von Ortschaften.

Das Storchenweibchen überwintert seit etwa 2003 im Raum Wackersleben und wird dort gefüttert. "Allerdings ist mir der Fütterer bisher unbekannt", so der Storchenbeauftragte. Im Frühjahr und Sommer ist sie Brutpartner auf dem Gunsleber Horst und hat in den letzten Jahren tolle Brutergebnisse erbracht. Seit 2009 ist ihr Partner ein Storch, der bis 2008 in der Nähe von Wolfsburg als Brutstorch nachgewiesen wurde. In diesem Winter blieb er als zweiter Überwinterer in Wackersleben. "Dies ist schon sehr merkwürdig und in Mitteldeutschland ziemlich einmalig", stellt Wolfgang Nicolai fest. Das Überwintern in Deutschland sei die Ausnahme, nur etwa 100 Tiere praktizieren es.

"Im Winter haben beide Störche wenig Kontakt zum Bruthorst, aber mit beginnendem Frühjahr wird das Brutrevier (Horst) besetzt und verteidigt. Nun ist der angestammte Horst aber noch kaputt, da werden erst einmal andere Möglichkeiten erkundet", erläutert er die "Horstbesetzungen" in Aderstedt und Dedeleben. Nötig sei die Reparatur des Heimatplatzes, die in die Wege geleitet sei. Außerdem wurde in Zusammenarbeit mit P. Melichar (Elektro-Pepe, Wackersleben) der Ausweichhorst gebaut. Der umgestürtzte Horst war aufgrund des aufgeweichten Bodens noch nicht erreichbar. Doch hier gehe es jetzt mit der Arbeit weiter.